Erasmus steht bei grünen Zielen noch vor weitem Weg

Erasmus hat noch einen langen Weg vor sich, um die grünen Versprechen der EU zu erfüllen. [Shutterstock/CrispyPork]

Erasmus, das EU-weite Programm für Auslandsaufenthalte, soll die wachsenden grünen Ambitionen der EU unterstützen. Ein Mangel an Daten und Zeitdruck machen dies schwierig, trotz des Interesses der jungen Teilnehmer:innen und ersten Anreizen zur Dekarbonisierung.

Teilnehmer:innen zeigen Interesse an einer Emissionsreduzierung und erste Anreize zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks wurden bereits geschaffen.

Laut EU-Gesetzgebung soll die Auflage des Erasmus-Programms 2021-2027 „dazu beitragen, dass die Bekämpfung des Klimawandels durchgängig berücksichtigt und das allgemeine Ziel, 30% der Haushaltsausgaben der Union zur Verwirklichung der Klimaziele zu verwenden, erreicht wird. “

Darüber hinaus soll es dem Europäischen Green Deal folgen, dem Plan der EU zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050, und „dem Grundsatz der Schadensvermeidung entsprechen, ohne den grundlegenden Charakter des Programms zu verändern.“

Dies dürfte sich als schwierige Aufgabe erweisen, da es derzeit keine Daten darüber gibt, wie viel Kohlenstoffverbrennung auf das Programm zurückzuführen ist.

Fehlende Daten

„Es gibt zwar Statistiken über die Mobilitäten, aber nicht über deren CO2-Fußabdruck“, sagt Marie Sikias, die für das „Erasmus Goes Green“-Projekt an der Universität von Versailles in Saint-Quentin-en-Yvelines in Frankreich verantwortlich ist.

Ihr Projekt, eine Zusammenarbeit zwischen fünf Universitäten in der gesamten EU sowie dem Erasmus Student Network und der Europäischen Hochschulstiftung, wird zum ersten Mal den CO2-Fußabdruck der Reisen von Erasmus-Student:innen und -Personal zu ihrem Zielort im vorangegangenen EU-Haushaltszeitraum 2014-2020 ermitteln.

Sie wird auch die ökologischen Auswirkungen des laufenden Programms 2021-2027 prognostizieren und Instrumente entwickeln, mit denen Erasmus-Studierende ihre eigenen Emissionen abschätzen können.

„Wenn es uns gelingt, eine effiziente Website oder Anwendung zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Studierenden zu erstellen, wird diese in die Erasmus-Anwendung integriert, die von allen Erasmus-Studierenden genutzt wird“, fügte Sikias hinzu.

Im September kündigte die Europäische Kommission eine erhebliche Verbesserung der Erasmus+ App an, die es den Studierenden nun ermöglicht, ihr Studienziel im Ausland auf ihrem Handy auszuwählen, die erforderlichen Dokumente zu unterzeichnen und nützliche Tipps über den Ort, an den sie gehen, zu erhalten, auch von ihren Kommiliton:innen.

Jahr der EU Jugend 2022: neue Erasmus+ App

Am Dienstag (21. September) kündigte die Europäische Kommission eine bedeutende Verbesserung der App für Studierende an, die im Rahmen eines EU-finanzierten Programms im Ausland studieren.

Ökologisierung ein ’natürlicher Schritt‘

Politiker:innen haben immer wieder betont, dass die europäische Jugend bereit sei, sich der Nachhaltigkeit zu verschreiben. Victor Negrescu, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments, sagte: „Junge Menschen lieben das Erasmus-Programm, aber sie sind auch bereit, ihren Teil zum Schutz der Umwelt beizutragen“.

„Die Ökologisierung des Erasmus-Programms scheint ein natürlicher Schritt zu sein, um die beiden Dimensionen zu vereinen, also die Auswirkungen der EU-Politik und -Aktionen auf das Klima zu reduzieren und gleichzeitig die Beteiligung junger Menschen, NGOs und Bildungseinrichtungen an der Förderung einer sicheren und grünen Umwelt zu finanzieren“, so der sozialdemokratische Europaabgeordnete gegenüber EURACTIV.

„Über die einfache Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt hinaus fordern wir ein grünes, inklusives Erasmus, das allen jungen Europäern Möglichkeiten bietet, indem es zeigt, dass Mobilitäten und Aktionen geringere Auswirkungen auf das Klima haben und zur Förderung umweltfreundlicher Politiken beitragen können“, fügte der rumänische Gesetzgeber hinzu.

Vorstoß von unten nach oben

In der Zwischenzeit haben die von der Europäischen Kommission veröffentlichten Finanzierungsregeln für Erasmus damit begonnen, Anreize für umweltfreundlichere Reiseformen, wie beispielsweise den Zug, zu schaffen.

Wenn sich Studierende für die Option „grünes Reisen“ entscheiden, können sie einen Aufschlag von bis zu 80€ erhalten und ihre Aufenthaltskosten für die zusätzlichen Reisetage erstattet bekommen.

Gleichzeitig gibt es Anzeichen für ein wachsendes Interesse der Hochschulen und der Studierenden selbst an einer umweltfreundlicheren Gestaltung von Erasmus.

Nach Angaben von StatErasmus, das Statistiken und Daten über das Programm Erasmus+ in Frankreich veröffentlicht, ist das Interesse an Umweltmaßnahmen in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen.

Die Zahl der Projekte, die sich mit Ökologie und Klimawandel befassen, stieg von 9% der Partnerschaften im Jahr 2018 auf 30% im Jahr 2020.

Von den 5.670 Veranstaltungen, die im Oktober im Rahmen der Erasmus-Tage, einem jährlichen Festival zur Feier des Programms, organisiert wurden, trugen 874 das Etikett „Ökologie“. Programme reichten von Strandsäuberungen bis hin zu Sensibilisierungskampagnen für Plastikmüll.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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