Kommission will Gesundheitssysteme besser durch Strukturfonds fördern

Die medizinische Infrastruktur der EU ist regional stark unterschiedlich. Dabei können Investitionen durch Strukturfonds helfen. [Spotmatik Ltd/ Shutterstock]

Acht Milliarden Euro investiert die EU durch ihre Strukturfonds in die medizinische Versorgung in Europas Regionen. Dort lässt die Anbindung an die Gesundheitsvorsorge teilweise noch stark zu wünschen übrig. Die EU-Kommission überlegt, wie das Geld in Zukunft besser investiert werden kann.

Eine stundenlange Anfahrt zum nächsten Krankenhaus, ein Mangel an Landärzten, kaum Angebote für Präventionskurse – wer auf dem Land lebt ist oft nur schlecht an das Gesundheitssystem angebunden. Nicht nur in Deutschland, sondern in allen EU-Staaten gibt es zwischen den Regionen massive Unterschiede in der medizinischen Versorgung. Bei einem Treffen am Dienstag haben EU- Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis und Regionalkommissarin Corina Crețu darüber debattiert, wie solche Regionen mithilfe der Strukturfonds der EU gezielt gefördert werden können. Dazu tauschten sie sich mit Vertretern der Gesundheitsindustrie aus.

Von den über 350 Milliarden Euro, welche die Strukturfonds in der derzeitigen Förderperiode auszahlen, um den Lebensstandard Europas Regionen aneinander anzunähern, flossen zwischen 2014-2018 rund acht Milliarden Euro in den Gesundheitsbereich. Die Mittel unterstützten Infrastrukturinvestitionen, um die Primärversorgung sicherzustellen oder flossen in Projekte zur Schulung von Pflegepersonal, zur Entwicklung innovativer Technologien oder Reformierung der Gesundheitssysteme.

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3 % für Prävention, 80 % für die Behandlung von Krankheiten

Eigentlich ist die Gesundheitsvorsorge Sache der Mitgliedsstaaten und unterliegt nicht der Kontrolle der Kommission. Doch in der jüngsten Eurobarometer-Umfrage sprachen sich knapp 70 % der Europäer dafür aus, dass die EU in höherem Maße im Gesundheitsbereich tätig wird. In einem Bericht zur Gesundheit der EU-Bevölkerung und der nationalen Systeme kam die EU-Kommission im Jahr2017 zu der Erkenntnis, dass die medizinische Versorgung nicht nur national, sondern auch regional teils massive Unterschiede aufweist. Deutschland, dem allgemein ein gutes Zeugnis ausgestellt wird, weise starke Schwankungen der Über- und Unterversorgung auf. Besonders in den östlichen Bundesländern herrscht ein akuter Mangel an Ärzten (s. Karte unten). Gleichzeitig verwendet kein anderer Mitgliedsstaat verhältnismäßig so viel Geld auf die Gesundheitsversorgung wie Deutschland: 3.996 Euro waren es im Schnitt im Jahr 2015, das sind 43 % mehr als der EU-Durchschnitt.

Doch die Gesundheitsbranche ist im Wandel, der Fokus wird immer stärker auf Prävention gelegt. „Dass wir nur 3 Prozent unserer Gesundheitsbudgets für Prävention ausgeben, im Vergleich zu 80 Prozent für die Behandlung von Krankheiten, reicht einfach nicht aus“, sagte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis bei der Veröffentlichung des Gesundheitsberichtes. „Wir brauchen einen besseren Zugang zur Primärversorgung, damit die Patientinnen und Patienten nicht sofort in die Notaufnahme gehen.“

Ähnlich lautete das Fazit der Diskussion beider Kommissare mit den Gesundheitsvertretern: Wenn die EU ihre Strukturfonds in die bessere medizinische Versorgung der Regionen verwenden möchte, muss vor allem in lokale Gesundheitsförderung investiert werden, zum Beispiel in die Verzahnung von Gesundheitsversorgung und Sozialdiensten. Damit können kostspielige Krankenhausaufenthalte vermieden werden – und Landbewohnern bleibt die lange Fahrt ins nächste Krankenhaus im besten Fall erspart.

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