Kliniken am Limit: Tschechien bittet um Unterstützung

Verlegung eines COVID-19-Patienten aus der Region Zlin in die Universitätsklinik Motol in Prag (November 2020). EPA-EFE/MARTIN DIVISEK

Die tschechische Regierung hat nach massivem Druck der regionalen Behörden beschlossen, Deutschland, Polen und die Schweiz um Hilfe zu bitten und erkrankte Menschen zwischenzeitlich zu „übernehmen“.

In Tschechien arbeiteten die Krankenhäuser nach weiterhin hohen COVID-Infektionszahlen am Limit und würden bald an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Insbesondere in den Grenzregionen zu Polen und Deutschland sei die Lage kritisch.

Die Regierung in Prag hatte bisher gezögert, COVID-19-Patienten ins Ausland zu verlegen. Man sei der Ansicht, die Situation selbst in den Griff bekommen zu können.

Diese Sicht der Dinge wurde jedoch in einzelnen Regionen, die am stärksten unter der aktuellen Lage leiden, nicht geteilt: Einige lokale Behörden bitten bereits seit Ende Januar um eine Verlegung von Patientinnen und Patienten ins Ausland.

Am vergangenen Freitag hat das Gesundheitsministerium nun eingeräumt, dass die Krankenhäuser vor Ort nicht mehr in der Lage sind, eine angemessene Versorgung zu gewährleisten. Man habe die notwendigen Verfahren eingeleitet, um an COVID-19 erkrankte Menschen ins Ausland zu verlegen.

Rettungsdienste ohne/mit Grenzen

Französische, deutsche, belgische und luxemburgische Rettungsdienste arbeiten zusammen, um im Notfall schnell handeln zu können. Grenzschließungen aufgrund der Pandemie würden diese Kooperation deutlich erschweren wenn nicht gar unmöglich machen.

Zwar hat die Tschechische Republik seit mehreren Jahren mit Mitteln aus dem EU-Programm Interreg Systeme für grenzüberschreitende Gesundheitsdienste entwickelt. Diese Dienste wurden aufgrund der Pandemie und der Grenzschließungen jedoch ausgesetzt. Dies hatte wiederum negative Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger in Grenznähe, die es bisher gewohnt waren, zur Behandlung in nahe gelegene deutsche oder auch österreichische Krankenhäuser zu reisen.

Aufgrund der aktuellen Lage mussten in Tschechien zahlreiche COVID-19-Patienten daher aus den am stärksten betroffenen Regionen des Landes teilweise hunderte Kilometer in weniger belastete Krankenhäuser verlegt werden – anstatt in die deutlich näher gelegenen deutschen gehen zu können.

Die zuständigen Behörden auf deutscher Seite haben ihrerseits derweil bestätigt, man habe genügend Krankenbetten-Kapazitäten, auch für tschechische Bürgerinnen und Bürger.

Deutschland und Frankreich senden Impfstoff-Unterstützung nach Tschechien

Die deutschen Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen werden insgesamt 15.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs an die Tschechische Republik schicken, bestätigte Ministerpräsident Andrej Babiš gestern. Frankreich sendet 100.000 Pfizer/Biontech-Dosen.

Tschechien will Sputnik V "so schnell wie möglich" erhalten

Die Tschechische Republik möchte „so bald wie möglich“ russische Sputnik-V-Impfstoffe erhalten, bestätigte Präsident Miloš Zeman am Wochenende. Nach Rücksprache mit Ministerpräsident Andrej Babiš habe er den russischen Präsidenten Wladimir Putin um entsprechende Lieferungen gebeten.

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