Kinder spielen Krieg in einer Wiener Moschee

Moscheen stehen immer wieder im Zentrum politischer Auseinandersetzungen. [shutterstock/Richard Yoshida]

Für Aufregung sorgen derzeit auf Facebook gefundene Bilder, die Kinder beim Kriegsspielen in einer Wiener Moschee zeigen.

Die dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ergebene türkische Community hält es offenbar mit dem Spruch „Wo Türken leben, ist türkischer Boden“. Das untermauern nun in österreichischen Medien kursierende Fotos, auf denen Kinder zu sehen sind, die in einer Wiener Moschee Krieg in Tarnanzügen spielen. Mehrere Buben salutieren darauf vor der türkischen Flagge, mimen Soldaten, auch solche die gefallen sind. Offenbar geht es um die Schlacht von Çanakkale, die die Türken im Ersten Weltkrieg gewonnen hatten und die nun glorifiziert wird.

Betreiber der Moschee ist die Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit ATIB. Sie steht schon seit längerem unter Verdacht, ein direkter Ableger des Türkischen Amts für Religion zu sein und liegt auch in ihren politischen Ansichten auf der Linie der türkischen Regierung.

Der für kulturelle Fragen zuständige Bundesminister Gernot Blümel hat bereits eine Untersuchung dieser Vorfälle in Auftrag gegeben, will bis Ende des Monats Aufklärung und droht mit scharfen Maßnahmen. Gefordert ist dabei die Islamische Glaubensgemeinschaft IGGÖ), die offizielle Vertretung und zuständig für die Verwaltung der religiösen Belange der in Österreich lebenden Muslime. Die ATIB  ist der größte Dachverband türkischer Vereine und Mitglied der IGGÖ.

Spitze eines Eisbergs

Jetzt zeigt sich, wie wichtig es war, vor zwei Jahren das aus 1912 stammende Islamgesetz der aktuellen Situation anzupassen. Können doch dadurch viele Missstände überhaupt erst verfolgt werden.

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Für den türkisch-stämmigen Abgeordneten der ÖVP, Efgani Dönmez, ist der jetzt bekannt gewordene Vorfall nur die Spitze eines Eisbergs: „Die ATIB-Bewegung ist unter den Islamvereinen noch der Einäugige unter den Blinden. Die anderen sind noch viel reaktionärer und islamistischer in ihren Ansichten.“

Tatsächlich wird von den Integrationsexperten immer wieder auf die Problematik des Entstehens von Parallelgesellschaften hingewiesen. Um das zu verhindern, wurde bei der Novellierung des Islamgesetzes darauf geachtet, dass zwar die freie Religionsausübung gewährleistet wird, die Islamvereine aber genauen Verhaltensregeln unterworfen sind, nicht aus dem Ausland finanziert werden dürfen und Imame hierzulande ausgebildet werden müssen.

Immerhin bildet die islamische Community mit ihren rund 700.000 Muslimen mittlerweile die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent an der Gesamtbevölkerung. Gut ein Drittel wird als religiös-konservativ eingestuft. Laut der Islam-Landkarte, die vom Islam-Experten Ednan Aslan betrieben wird, gibt es österreichweit 409 muslimische Vereine und Gebetshäuser, wobei rund 39 Prozent davon in Wien angesiedelt sind.

Wahlkampfauftritte unerwünscht

Schatten voraus wirft nun auch die Ankündigung Erdogans, nicht erst im November 2019 sondern bereits im Juni diesen Jahres Neuwahlen anzusetzen. In der Vergangenheit hatte dies zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Ankara und einigen EU-Staaten. So etwa mit Deutschland und den Niederlanden geführt. Grund waren Wahlkampfauftritte türkischer Politiker auf EU-Boden.

Österreich Bundeskanzler Sebastian Kurz hat nun heute bereits vorsorglich festgestellt: „Diese Auftritte sind unerwünscht und wir werden sie nicht zulassen“. Ermöglicht wird dies durch ein im April 2017 verschärftes Versammlungsgesetz. So heißt es dort, dass Veranstaltungen untersagt werden können, wenn „anzunehmen ist, dass Fremde aus Drittstaaten mitwirken werden, sich die Versammlung unmittelbar auf politische Vorgänge in einem Staat außerhalb der Europäischen Union bezieht und dabei Meinungen erörtert und kundgetan werden sollen, die mit den demokratischen Grundwerten oder den menschenrechtlichen Verpflichtungen der Republik Österreich unvereinbar sind oder sich auf das friedliche Zusammenleben der Menschen in der Republik Österreich negativ auswirken.“

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