Jahr der EU Jugend 2022: neue Erasmus+ App

(L-R) Biliana Sirakova, Jugendkoordinatorin der Europäischen Union, Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Juan Rayón González, Präsident des Erasmus Student Network (ESN) [Europäische Union, 2021/Lukasz Kobus]

Am Dienstag (21. September) kündigte die Europäische Kommission eine bedeutende Verbesserung der App für Studierende an, die im Rahmen eines EU-finanzierten Programms im Ausland studieren.

Die Bekanntgebung kommt eine Woche nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt hatte, dass sie sich dafür einsetzen werde, 2022 zum „Jahr der europäischen Jugend“ zu machen.

Mit der neuen App können Studierende ihren Studienort im Ausland auf ihrem Handy auswählen, notwendige Dokumente unterschreiben und erhalten nützliche Tipps über den Ort, an den sie gehen, auch von ihren Kommilitonen.

„Ich freue mich, dass die Plattform unseres Leitprogramms für junge Menschen, Erasmus+, immer mehr wie diese wird. Sie wird digitaler, mobiler und gemeinschaftsorientierter“, erklärte der Vizepräsident der Kommission, Margaritis Schinas, in einer Erklärung.

Laut Juan Rayon Gonzalez, dem Vorsitzenden des Erasmus Student Network (ESN), „wird die Optimierung der Verfahren mehr Studierende davon überzeugen, ins Ausland zu gehen, aber sie wird auch die Qualität der Auslandsaufenthalte erhöhen und die Lernerfahrung verbessern.“

Gonzalez ist der Ansicht, dass die App mehrere Probleme mit dem EU-Auslandsprogramm lösen kann, wie z. B. den mangelnden Zugang zu passenden Informationen, langwierige Verfahren und verwirrende Zeitpläne, während sie gleichzeitig „die Idee einer Erasmus-Generation von Studenten, die Studenten helfen“ fördert.

„Neben dem administrativen Teil ist die Gemeinschaftsdimension der App sehr wichtig und grundlegend für den gesamten Prozess. Die Studierenden können sich an Aktivitäten beteiligen, über die Erfahrungen ihrer Kommilitonen lesen und alle Arten von Ratschlägen finden, die sie zu Beginn ihrer Erasmus-Reise benötigen“, so Gonzalez.

Die EU-Koordinatorin für Jugendfragen, Biliana Sirakova, sagte, die App habe das Potenzial, die Demokratie zu stärken, eine aktive digitale Bürgerschaft zu ermöglichen und die Jugendbeteiligung zu fördern, indem sie junge Menschen miteinander und mit den politischen Entscheidungsträgern der EU in Verbindung bringt.

Die EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Mariya Gabriel, nannte die App „einen wichtigen Schritt zur Digitalisierung“ von Erasmus+ und den „Ausgangspunkt für einen echten europäischen Bildungsraum“.

Hochschuleinrichtungen, die Erasmus-Studierende aufnehmen, haben bereits erste Schritte eingeleitet, um die Erasmus-Erfahrung online zu machen. Mehr als 4.000 Hochschulen nehmen an einem Projekt teil, das ihnen einen sicheren und effizienten Austausch von Studentendaten ermöglichen soll.

Das Bestreben, Hochschuleinrichtungen, die Studierende aufnehmen, miteinander zu vernetzen, ist Teil eines umfassenderen Vorhabens der Kommission für mehr Integration zwischen den EU-Ländern. Bis 2025 soll damit „ein echter europäischer Raum des Lernens“ geschaffen werden.

Im Februar stimmten die Bildungsminister der EU-Länder dem Plan der Kommission zu, den so genannten Europäischen Bildungsraum bis zur Mitte des Jahrzehnts zu verwirklichen. Gleichzeitig aber wiesen sie die Idee zurück, dass die Bildungsintegration in der EU oberste Priorität haben sollte.

„Auf dem Weg zur Verwirklichung des Europäischen Bildungsraums bis 2025 sollte das Hauptziel der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung darin bestehen, die Weiterentwicklung der jeweiligen Bildungssysteme in den Mitgliedstaaten zu unterstützen“, erklärten sie.

Studierende, die ins Ausland gehen, können über die App auch ihre European Student Card erhalten, die ihnen Zugang zu Dienstleistungen, Museen, kulturellen Aktivitäten und Sonderangeboten verschafft.

„Seien wir ehrlich, was wir wollen, ist eine europäische Karte für alle Studenten in Europa“, räumte Gabriel ein, äußerte aber die Hoffnung, dass die Einführung einer digitalen Karte für Erasmus-Studenten zunächst eine „kritische Masse innerhalb der Universitäten“ schaffen werde. So solle man beginnen, die technischen Schwierigkeiten zu lösen, die derzeit die Schaffung eines EU-weiten Systems behindern.

Auf die Frage von EURACTIV, ob die neue App alle Arten von Erasmus+-Teilnehmern einbeziehen werde, sagte Gabriel: „Wir machen keine Differenzierungen.“ Sie fügte hinzu, dass „wir während der Krise gesehen haben, dass es tatsächlich die berufliche Aus- und Weiterbildung ist, die wirklich gelitten hat.“

Alternative Formen der allgemeinen und beruflichen Bildung sind in letzter Zeit zu einer politischen Priorität in Brüssel geworden, da sie als eine Möglichkeit gesehen werden, die Reichweite der von der EU finanzierten Mobilitätsprogramme zu erhöhen und sie integrativer zu gestalten.

Die zunehmende Bedeutung der Berufsbildung spiegelt sich auch in den dafür bereitgestellten Haushaltsmitteln wider. Bis 2027 sind von den 20,4 Milliarden Euro, die für Studienaufenthalte im Ausland vorgesehen sind, mindestens 21,5 % für die berufliche Bildung bestimmt, was einer Steigerung von 4,5 % gegenüber dem letzten Haushaltszeitraum entspricht.

Frankreich verstärkt duale Ausbildung, EU kündigt Erasmus für Arbeitslose an

Ein französisches Programm zur Förderung der Mobilität von Auszubildenden in der Europäischen Union könnte als Vorbild für das neue EU-Programm ALMA dienen. Das Programm soll junge Menschen unterstützen, die weder eine Beschäftigung noch eine Ausbildung haben.

Unterdessen kündigte von der Leyen letzte Woche ein neues, an Erasmus angelehntes Programm an, dass EU-Jugendlichen ohne Beschäftigung oder Ausbildung Praktika im Ausland bieten soll. Damit soll der Jugendarbeitslosigkeit in der EU entgegengewirkt werden, die durch die Pandemie weiter gestiegen ist.

Laut Eurostat waren im Juli 2021 EU-weit 2,8 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, von denen insgesamt 2,3 Millionen aus der Eurozone stammen.

Nachdem die Zahl der Studierenden im Ausland aufgrund der pandemiebedingten Grenzschließungen zunächst zurückgegangen war, werden dank Erasmus+ 2021-2022 voraussichtlich 600.000 Hochschulstudenten ins Ausland gehen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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