Hunt in Berlin: keine Brexit-Lösung wäre „hochgradig schädlich“

Großbritanniens Auenminister Jeremy Hunt gestern zu Besuch im Außwärtigen Amrt bei Heiko Maas. [Clemens Bilan/ epa]

Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin hat sich der neue britische Außenminister Jeremy Hunt bemüht, Deutschland zu überreden, mehr auf Großbritannien zuzugehen. Die EU reagiert derzeit verhalten auf Londons Idee einer Freihandelszone nach dem Brexit.

Der neue britische Außenminister Jeremy Hunt sieht die EU in der Pflicht, einen drohenden ungeordneten Brexit zu verhindern. „Ohne eine wirkliche Änderung der Herangehensweise der EU-Verhandlungsführer besteht jetzt die Gefahr“, dass es am Ende ungewollt keinen Deal geben werde, sagte Hunt nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin.

Derweil nimmt auch in der Wirtschaft die Furcht vor einem ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens zu. Er habe den Eindruck, dass viele Menschen in der EU denken würden, sie müssten nur lange genug warten und dann würde Großbritannien schon nachgeben, sagte Hunt. Aber „das wird nicht passieren“, warnte der Außenminister. „Wir wollen (…) keinen ungeordneten Brexit, wir wollen ein Abkommen“, bekräftige indes Bundesaußenminister Maas. Doch dafür müssten alle aufeinander zu gehen, fügte er hinzu. Maas kündigte weitere bilaterale Gespräche mit Großbritannien in Vorbereitung des Brexits an. Dabei sollen Themen wie Handel, Sicherheit in Europa und die außenpolitische Zusammenarbeit zur Sprache kommen. Der britische Chefdiplomat äußerte Sorgen, dass bei einem ungeordneten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU die Einstellung einer ganzen Generation Briten zu Europa negativ beeinflusst würde. Und das wäre „hochgradig schädlich für diese großartige Partnerschaft“.

Deutsche Wirtschaft wünscht sich Zollunion nach dem Brexit

Die deutsche Wirtschaft hätte am liebsten einen Verbleib Großbritanniens im Binnenmarkt und der Zollunion der EU – auch wenn die britische Regierungschefin May dies ablehnt.

Laut EU-Vertrag muss Großbritannien die EU am 29. März kommenden Jahres verlassen. Ein dafür nötiges Austrittsabkommen soll bis Ende Oktober stehen, zentrale Punkte sind jedoch noch ungeklärt. Entscheidende Hürden sind etwa die Grenze zwischen Nordirland und Irland und der grenzüberschreitende Handel. May schlug vor zwei Wochen eine „Freihandelszone“ mit der EU vor, um weiter den freien Austausch von Gütern zu gewährleisten. In der EU stößt dieser Vorschlag auf ein verhaltenes Echo. Denn er strebt im Warenhandel de facto einen Verbleib im Binnenmarkt an, wobei London die dort geltende Freizügigkeit für EU-Bürger einschränken will.

Auf der anderen Seite kritisieren die Brexit-Hardliner in der britischen Regierung zu viel Nähe zur EU bei den Vorschlägen von Premierministerin Theresa May. Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis waren deshalb aus Protest zurückgetreten. May machte Hunt zu Johnsons Nachfolger.

Viele Firmen sorgen sich angesichts dieser Unsicherheit um ihre Zukunft im Vereinigten Königreich. Der Großbritannien-Chef des Internetriesen Amazon warnte vor „zivilen Unruhen“ im Fall eines Scheiterns der Brexit-Verhandlungen, berichtete am Montag die „Times“. Amazon ist in Großbritannien stark vertreten und will dort bis zum Jahresende die Zahl der Jobs um 2500 Stellen auf 27.500 aufstocken. Auch die irische Billigfluggesellschaft Ryanair zeigte sich besorgt über die Gefahr einer ausbleibenden Einigung. Das Risiko werde unterschätzt, teilte das Unternehmen am Montag bei der Vorstellung seiner Quartalszahlen mit.

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