Habeck will Arbeitskräftemangel durch Einwanderung verhindern

"Wir haben heute 390.000 offene Arbeitsplätze und erwarten einen Hochlauf auf bis zu einer Million und drüber", sagte der Bundesminister am Dienstag. [FILIP SINGER/EPA]

Um zu verhindern, dass ein gravierender Arbeitskräftemangel die Produktivität untergräbt und den Erfolg der Energiewende gefährdet, braucht Deutschland mehr Zuwanderung, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck.

„Wir haben heute 390.000 offene Arbeitsplätze und erwarten einen Hochlauf auf bis zu einer Million und drüber“, betonte der Bundesminister am Dienstag (11. Januar) auf einer Pressekonferenz. „Wenn wir diese Lücke nicht schließen, werden wir echte Produktivitätsprobleme bekommen“, fügte Habeck hinzu.

Bereits jetzt sei der Fachkräftemangel zu einem Problem geworden. „Alle Branchen klagen über Fachkräfte vom Handwerk, den Tourismus, die Dienstleistungen bis zur Industrie“, sagte Habeck.

Um die Lücke zu schließen, seien eine Reihe von Maßnahmen nötig. So sei laut dem Minister etwa die Qualifizierung und Weiterbildung intensiver zu fördern, sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser zu gewährleisten.

Dem Problem sei  „sicherlich aber auch über verstärkte Zuwanderung [entgegenzuwirken], und zwar in allen Bereichen, für Ingenieure wie für Handwerker wie für Pflegekräfte. Das muss organisiert werden“, betonte Vizekanzler Habeck.

Das arbeitgeberfreundliche Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass die Erwerbsbevölkerung in Deutschland in diesem Jahr um mehr als 300.000 Personen zurückgehen wird, da mehr ältere Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen als jüngere auf den Arbeitsmarkt kommen.

Diese Lücke soll sich Prognosen zufolge bis 2029 auf mehr als 650.000 Personen vergrößert. Insgesamt würde im Jahr 2030 dadurch ein kumulierter Mangel an Personen im erwerbsfähigen Alter von etwa 5 Millionen entstehen. Die Zahl der deutschen Erwerbstätigen stieg trotz der Coronavirus-Pandemie zuletzt auf fast 45 Millionen im Jahr 2021.

Bereits im Koalitionsvertrag findet sich ein klares Bekenntnis zur Bundesrepublik als „vielfältige Einwanderungsgesellschaft“, mit einem spezifischen Fokus auf die Arbeitskräfteeinwanderung.

Um Deutschland attraktiver für Einwanderung zu machen, hat die Ampel sich im Koalitionsvertrag bereits auf einige Ansätze festgelegt.

Als Beispiel nannte Habeck hierbei insbesondere den sogenannten „Spurwechsel“, der es Personen mit Asylstatus erlauben würde, unter gewissen Bedingungen in den regulären Arbeitsmarkt zu wechseln.

Zudem will Deutschland sein Einwanderungsrecht reformieren und zusätzlich eine „Chancenkarte“ als zweite Säule zusätzlich zum Einwanderungsrecht einführen. Dadurch soll die Einwanderung für Fachkräfte auf Basis eines Punktesystems erleichtert werden.

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