Grünes Licht: Chinesische Firma baut kroatische Riesenbrücke an Bosnien vorbei

Ein Architekten-Entwurf der geplanten Pelješac-Brücke

Ein von der EU mitfinanziertes Brückenprojekt, das Kroatiens südlichste Spitze mit dem Rest des Landes verbinden soll, ist am Montag einen Schritt vorangekommen: Die kroatische öffentliche Beschaffungsbehörde hat das Bauangebot eines chinesischen Unternehmens unterzeichnet.

Kroatien träumt seit langem davon, seine südlichste Region mit dem Rest des Landes zu verbinden. Dazu soll eine Brücke gebaut werden, die den Seezugangspunkt Bosnien-Herzegowinas umgehen würde. Somit könnten zeitraubende Kontrollen an den Grenzen des Nicht-EU-Mitglieds vermieden werden.

Das Projekt war der Realisierung im Juni vergangenen Jahres einen Schritt näher gekommen, als die EU über 350 Millionen Euro für den Bau der Brücke zusagte – was 85 Prozent der geschätzten Kosten entspricht.

Das Verfahren wurde jedoch im Januar gestoppt, als gegen die Entscheidung, die Bauausschreibung an ein chinesisches Unternehmen zu vergeben, Berufung eingelegt wurde: Ein italienisch-türkisches Konsortium, das mit seiner Offerte gescheitert war, behauptete, das chinesische Angebot beinhalte illegale staatliche Beihilfen. Ein österreichisches Unternehmen kritisierte außerdem, das Gebot der Chinesen verstoße gegen die EU-Investitions- und Beschaffungsvorschriften.

Die staatliche kroatische Beschaffungsbehörde (DKOM) wies am gestrigen Montag allerdings beide Beschwerden zurück. Der Vorsitzende der DKOM sagte in einer Erklärung, der Bau werde sich „nicht verzögern“. Der angedachte, vorläufige Fertigstellungstermin im Jahr 2022 bleibe bestehen.

China will seinen Einfluss auf dem Balkan ausbauen

Bei einem Treffen der mittelosteuropäischen Staaten und Chinas in Budapest wurden neue Projekte in der Region angekündigt.

Die China Road and Bridge Corporation wird nun mit den nächsten Bauabschnitten fortfahren. Die ersten Schritte waren bereits 2007 unternommen worden, aufgrund der Beschwerden und auch finanzieller Schwierigkeiten aber nicht richtig in Gang gekommen. Das Angebot umfasst sowohl die Brücke selbst als auch den Bau von Zufahrtsstraßen und Tunnel.

Die chinesische Botschaft in Zagreb begrüßte die Entscheidung und erklärte, diese würde die Chancen anderer chinesischer Unternehmen erhöhen, weiter in das neueste Mitglied der EU zu investieren.

In ihrer Erklärung fügte die Botschaft hinzu, für das Projekt werde so weit wie möglich auf lokale Arbeitskräfte zurückgegriffen. Außerdem werde die chinesische Firma Wissen aus früheren großen Infrastrukturprojekten teilen.

Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina wollen Konflikte angehen

Die Regierungschefs der drei Länder einigten sich darauf, die Beziehungen zu verbessern und bei Energie und Infrastruktur zu kooperieren.

Die Pelješac-Brücke ist das jüngste einer ganzen Reihe von europäischen Projekten in Kooperation mit China – von denen viele allerdings auf rechtliche Stolpersteine gestoßen sind, darunter eine Eisenbahnverbindung zwischen Griechenland und Mitteleuropa, die gegen die EU-Vergabevorschriften verstoßen hat.

Nach Fertigstellung würde die Brücke das beliebte Reiseziel Dubrovnik mit dem Rest Kroatiens verbinden. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Sektoren: Jährlich besuchen über 15 Millionen Touristen das 4-Millionen-Einwohner-Land an der Adria; der Sektor macht bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Obwohl Kroatien EU-Mitglied ist, gehört es bisher nicht zum Schengen-Raum. Die Regierung in Zagreb hat aber mehrfach ihr Bestreben deutlich gemacht, sowohl Schengen als auch der Eurozone beizutreten. Im April 2017 hatte die Einführung der neuen Schengen-Regeln ein Chaos an der Grenze zum nördlichen Nachbarn Slowenien ausgelöst.

 

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