Griechenland: Ermittlungen wegen Brandstiftung

Verwüstung im Ort Rafina in Attica. [SIMELA PANTZARTZI]

Im griechischen Urlaubsort Mati sind die meisten der 82 Todesopfer der Feuerkatastrophe zu beklagen. Die Regierung befürchtet, dass das Feuer keinen natürlichen Ursprung hatte.

Die griechische Regierung vermutet kriminelles Verhalten hinter den katastrophalen Waldbränden nahe Athen. Es gebe „ernsthafte Hinweise“ darauf, dass das besonders zerstörerische Feuer im Küstenort Mati auf „kriminelle Handlungen“ zurückgehe, sagte der stellvertretende Minister für Katastrophenschutz, Nikos Toskas, am Donnerstagabend vor Journalisten. Der Minister verwies auf Zeugenaussagen, auf die er aber nicht näher eingehen könne. Die Beweismaterialien seien der Justiz übergeben worden, die in der Sache ermittele.

Die Behörden untersuchten auch, ob ein einige Stunden zuvor ausgebrochenes Feuer bei Kineta westlich von Athen ebenfalls „absichtlich“ gelegt worden sei. Bei diesem Brand gab es keine Todesopfer.

Nach Behördenangaben zeigen Satellitenaufnahmen, dass am Montag 13 Brände zeitgleich in der Region Attika, zu der Athen gehört, ausbrachen. Die Brände brachen vor allem in bei Touristen beliebten Küstenorten rund um Athen aus. 82 Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Bislang gibt es weiterhin keine offiziellen Angaben zur Zahl der Vermissten. Die Feuerwehr sucht nach eigenen Angaben weiter nach Menschen, die von Angehörigen als vermisst gemeldet wurden. Eine von Anwohnern eingerichtete Internetseite führte zuletzt 27 Vermisste auf, darunter neunjährige Zwillingsmädchen.

Bei der Katastrophe wurden so viele Menschen getötet wie bei keinem anderen Feuer in Europa im 21. Jahrhundert. Insgesamt waren ins 187 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden.

Bereits mindestens 74 Tote durch Waldbrände in Griechenland

Die Feuer in Griechenland sind noch immer nicht unter Kontrolle. Internationale Hilfe eilt herbei, das Land hat Staatstrauer angeordnet.

Unklar war weiterhin, wie die Waldbrände dermaßen viel Schaden anrichten konnten. Die Zeitung „Kathimerini“ berichtete von einem offenbar chaotischen Treffen von Behörden und Feuerwehr zur Vorbeugung derartiger Brände.

Die Regierung von Tsipras stellte den Opfern der Brände in einem ersten Hilfsfonds 40 Millionen Euro zur Verfügung. Die engsten Angehörigen der Todesopfer erhielten bereits 10.000 Euro von der Regierung. Athen will nun weitere 5000 Euro pro betroffenem Grundstück zur Verfügung stellen. Fast die Hälfte der 2500 betroffenen Häuser sind demnach infolge der Brände unbewohnbar. In dem Ferienort Mati gingen Regierungsvertreter am Donnerstag von Haus zu Haus und kennzeichneten die Anwesen je nach Schadensschwere mit verschiedenen Farben.

Am Donnerstag sorgten leichte Regenfälle in der betroffenen Region für etwas Abkühlung. In der Hauptstadt Athen dagegen kam es nach sintflutartigem Regen zu Überschwemmungen, dutzende Autos wurden beschädigt.

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