Gefahr durch Reise-Rückkehrer: Corona-Testzentren an Flughäfen

Ein junger Fluggast wartet im Flughafen auf seinen Test. [SASCHA STEINBACH/EPA]

In der Urlaubszeit steigt die Zahl der Corona-Fälle. Bundesgesundheitsminister Spahn will nun eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten anordnen. Ein Besuch im Testzentrum am Flughafen Köln-Bonn.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle.

Eine Stunde haben Viktor und seine Frau Margharita gewartet, um sich testen zu lassen. Gerade erst sind sie gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Tochter am Flughafen Köln-Bonn gelandet. Sie hatten in der Ukraine ihre Familie besucht. Nun wollen sie sichergehen, dass sie sich nicht mit dem Coronavirus angesteckt haben – so wie Dutzende weitere an diesem Mittag. Rund 40 Personen stehen in der Schlange vor dem mobilen Testzentrum – einem weißen Transporter des Johanniter-Hilfswerks. Viele haben große Koffer dabei, Kinder liegen auf der Wiese und warten in der Sonne darauf, dass sie mit dem Testen an der Reihe sind.

Überall im Land ist Urlaubszeit. Die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen haben schon vor rund vier Wochen begonnen und die ersten Urlauber kehren heim. Die Befürchtung ist groß, dass sie das Coronavirus mitbringen – vor allem, nachdem in einigen Urlaubsorten wie dem österreichischen St. Wolfgang neue Corona-Hotspots entstanden sind. Das hat auch in Deutschland die Frage aufgeworfen: Wie geht man mit Rückkehrern um? Noch gut ist in Erinnerung, wie Reisende – vor allem aus Ischgl in Österreich- im Frühjahr das Virus in ganz Europa verteilten.

Die Verantwortlichen in Deutschland wollen verhindern, dass das ein zweites Mal geschieht. Am späten Nachmittag twittert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, er werde „eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anordnen“. Die Tests sollen für die Reisenden kostenlos sein. Schon vergangene Woche hatten sich Bund und Länder hatten darauf geeinigt, dass Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten die Möglichkeit haben sollten, sich schon am Flughafen testen zu lassen. Neben Köln-Bonn gibt es Testzentren bereits an den Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Münster/Osnabrück (ab Dienstag), Leipzig/Halle (nur für Hallenser), Nürnberg und München. Berlin will bald nachziehen. ­­

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„Wir vertrauen bisher auf das Wort der Leute“

Am Flughafen Köln-Bonn leitet an diesem Tag Nils Kirner das Testzentrum. Der 40-Jährige trägt eine auffällige rote Johanniter-Jacke. Immer wieder sprechen ihn Menschen an – auch viele, die zwar am Flughafen sind, aber nicht zuvor gereist sind. Ein älterer Herr fragt, ob er sich auch testen lassen kann, obwohl er nicht geflogen sei. Er habe Fieber und komme aus der Region. „Das können Sie machen, aber dann müssen Sie den Test selbst bezahlen“, sagt Kirner. Bevor der Mann sich anstellt, bittet ihn Kirner noch, seine Maske zu richten. Sie war über die Nase gerutscht und hatte nur den Mund bedeckt.

Seit dem Wochenende sind die – derzeit noch freiwilligen – Tests am Flughafen Köln-Bonn für Reise-Rückkehrer aus Risikogebieten kostenlos, zuvor hatten sie 90 Euro pro Person gekostet. Wer zum Testen kommt, obwohl er zuvor nicht gereist ist oder aus einem Gebiet kommt, das nicht als Corona-Risikogebiet eingestuft ist, muss den Test weiterhin selbst bezahlen. „Seitdem die Tests für einige kostenlos sind, sind deutlich mehr Menschen gekommen, um sich testen zu lassen“, sagt Kirner. Wie viele es pro Tag seien, hänge davon ab, wie viele Maschinen landeten. „Am Wochenende sind in einer Nacht sechs Maschinen gelandet. Da mussten wir an Personal aufrüsten“, sagt Kirner. Ab und zu, wie in der vielbeflogenen Nacht, springen ehrenamtliche Helfer ein. Eine Bordkarte müssten die Rückkehrer nicht vorlegen, sagt Kirner. „Wir vertrauen bisher auf das Wort der Leute.“

Weltweit sind auf Basis der wissenschaftlichen Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das betrifft etwa die Türkei, Israel oder die USA. Nur einige wenige europäische Staaten wie Luxemburg, Nord-Mazedonien und die Ukraine werden ebenfalls als Risikogebiet eingestuft. Italien gehört nicht dazu. Ute Menke muss ihren Test also selbst zahlen. Die 52-Jährige war mit ihrem Sohn fünf Tage lang durch Norditalien gereist. Erst am vorigen Abend sind sie zurückgekehrt. Da es einen Risikofall in der Familie gibt, hat sich Menke zu einem Test am Flughafen Köln-Bonn entschieden. „Die Oma liegt zurzeit im Krankenhaus. Und damit mein Sohn sie wieder besuchen kann, lassen wir uns testen.“

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„Urlauber aus Ischgl wären die besten Kunden gewesen“

Das Test-Prozedere beginnt für die Rückkehrer am Flughafen Köln-Bonn an einem Zelt vor dem mobilen Testzentrum. Dort nehmen Johanniter zunächst die Personalien auf. Die Rückkehrer werden gebeten, eine Telefonnummer zu hinterlassen. Den Test selbst übernehmen Johanniter-Mitarbeiter in voller Schutzausrüstung im Innenraum des mobilen Zentrums. Nicht alle Rückkehrer sind per Flugzeug angereist. In der Schlange stehen einige, die mit dem Auto in den Urlaub gefahren sind und nun nach ihrer Heimkehr von dem mobilen Testzentrum gehört und sich für einen Test entschieden haben.

Die Test-Ergebnisse erfahren die Rückkehrer frühestens nach 24 Stunden über eine App. Falls sich allerdings eine Person zwar angesteckt hat, aber noch nicht infektiös ist, rutscht sie durchs Raster, da der Test womöglich erst ein paar Tage später positiv ausgefallen wäre. Nichtsdestotrotz, sagt Kirner, könne das Testzentrum dabei helfen, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. „Urlauber aus Ischgl wären unsere besten Kunden gewesen, da sie viel Kontakt mit Kranken hatten und einer hohen Konzentration des Virus ausgesetzt waren.“

Die Testpflicht für Reise-Rückkehrer soll voraussichtlich kommende Woche in Kraft treten. Kritik kommt vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Dessen Vorsitzende Ute Teichert warnt, einmalige Tests könnten „zu falscher Sorglosigkeit führen“. Um sicher festzustellen, ob jemand das Virus mitbringt, müsste man fünf Tage nach einem Test nochmals testen, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Die Stiftung Patientenschutz begrüßt den Vorstoß. Nur auf Vernunft und Einsicht der Reisenden zu bauen, reiche offensichtlich nicht aus, sagte Vorstand Eugen Brysch.

Eine Verpflichtung für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten, sich in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben, gibt es bereits – es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen. Viele der Wartenden am mobilen Testzentrum am Flughafen Köln-Bonn wollen diese zweiwöchige Quarantäne vermeiden und lassen sich deshalb testen. Es kommt auch vor, dass der Arbeitgeber keine Quarantäne erlaubt oder diese nur gegen unbezahlten Urlaub gewährt. Viktor, der Rückkehrer aus der Ukraine, arbeitet als Flugzeugmechaniker am Flughafen Köln-Bonn. Sein Arbeitgeber hat ihn gebeten, sofort einen Test zu machen. „Ich fliege häufig bei Krankentransporten mit“, sagt Viktor. Und dafür müsse er gesund sein.

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