Für eine Welt ohne Atomwaffen – Der Friedensnobelpreis 2017

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an eine Internationale Kampagne zur Abschaffung von
Atomwaffen.

Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises setzt inmitten wachsender internationaler Spannungen ein klares Zeichen für nukleare Abrüstung: Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) wurde vor zehn Jahren mit dem Ziel gegründet, eine ganz und gar atomwaffenfreie Welt zu schaffen. Einen großen Erfolg konnte Ican am 7. Juli dieses Jahres verbuchen: 122 UN-Mitgliedstaaten unterzeichneten das erste internationale Verbot von Atomwaffen.

Das Abkommen verbietet nicht nur die Entwicklung und die Lagerung von Atomwaffen. Auch die Drohung mit einem atomaren Angriff wird untersagt. Obgleich der Vertrag wegen der Nichtteilnahme der Atommächte weitgehend symbolisch ist – Ican feierte ihn als Erfolg. Es sei „ein Meilenstein“, auch wenn es sich nur um einen „Startpunkt“ handele, sagte Ican-Chefin Beatrice Fihn. Doch je mehr Länder Atomwaffen ächteten und je stärker der Sinneswandel
in der Öffentlichkeit werde, „um so schwieriger wird es für die Atomwaffenstaaten, es zu rechtfertigen“.

Bis dahin dürfe es noch ein steiniger Weg sein: Die neun bekannten Atommächte, darunter die fünf UN-Vetomächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich, hatten an den Verhandlungen erst gar nicht teilgenommen. Auch die meisten Nato-Staaten beteiligten sich nicht an den Gesprächen, etwa Deutschland. Ohnehin kann das Abkommen erst in Kraft treten, wenn es von 50 Staaten ratifiziert wurde – ein Prozess der noch Jahre dauern
könnte.

Ican ruht sich daher auch nicht auf den Lorbeeren der jüngsten Erfolge aus: „Wir haben es noch nicht geschafft“, sagte Fihn vergangene Woche der Nachrichtenagentur AFP. „Der Job ist erst erledigt, wenn Atomwaffen verschwunden sind.“ Denn Atomwaffen trügen das Risiko in sich, „wortwörtlich die Welt auszulöschen“, sagte die gebürtige Schwedin, die seit 2014
Ican-Chefin ist.

Mahnung durch Nordkorea-Krise

Die Nordkorea-Krise habe der Welt einmal mehr vor Augen geführt, wie dringlich der Kampf gegen Atomwaffen sei, sagte Fihn. Sie sprach von einem „Weckruf“. Ein weiterer Atom-Konflikt kocht dieser Tage ebenfalls wieder hoch. Bis zum 15. Oktober muss US-Präsident Donald Trump dem US-Kongress mitteilen, ob er der Ansicht ist, dass der Iran das Atomabkommen einhält oder nicht. Trump hat das 2015 geschlossene Atomabkommen mit Teheran, das den ausschließlich zivilen und friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms garantieren soll, immer wieder in Frage gestellt.

Ican wurde im Jahr 2007 am Rande einer Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in Wien von mehr als 300 Nichtregierungsorganisationen gegründet. Damals war die weltweite Anti-Atombewegung noch in viele Einzelakteure zersplittert. Ican bot ihnen eine Plattform, um ihre Arbeit zu kanalisieren und dadurch mehr Druck aufzubauen.

Aus ihren Büros in den Gebäuden des Ökumenischen Rats der Kirchen in Genf arbeitet die Organisation mit mehr als 460 Nichtregierungsorganisationen in mehr als hundert Ländern zusammen. Zu ihrem Jahresbudget von rund einer Million Dollar (850.000 Euro) tragen vor allem private Spenden, aber auch die Europäische Union und Länder wie Deutschland, Norwegen, die Schweiz und der Vatikanstaat bei.

Zahlreiche Prominente wie der Dalai Lama, der südafrikanische Nobelpreisträger Desmond Tutu oder John-Lennon-Witwe Yoko Ono unterstützen die Organisation ideell. Der Friedensnobelpreis ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (945.000 Euro) dotiert und wird am 10. Dezember in Oslo überreicht.