Franzosen offen für Bären-Auswilderung in den Pyrenäen

Frage: Wer könnte da "Nein" sagen? Antwort: Einige Viehhirten in den Pyrenäen. [Wildpix productions_Shutterstocl]

Nach dem Tod von drei Bären in den Pyrenäen im Jahr 2020 spricht sich die Mehrheit der Französinnen und Franzosen für die Auswilderung neuer Tiere aus, so eine Umfrage. EURACTIV Frankreich berichtet.

Gerissene Schafe, verärgerte Züchter, entschlossene Umweltgruppen: Jahr für Jahr kristallisieren sich in der Frage der Wiederansiedlung von Bären in den Pyrenäen immer wieder Spannungen heraus.

Die Mehrheit der französischen Bürgerinnen und Bürger scheint jedoch nicht gegen weitere Auswilderungen zu sein, wie eine am 14. Dezember veröffentlichte IFOP-Umfrage zeigt.

Laut dieser Studie, für die etwas mehr als tausend Personen interviewt wurden, sprachen sich 59 Prozent der Befragten dafür aus, „mindestens einen weiteren Bären auszuwildern“, nachdem im Juni ein Tier in den Pyrenäen erschossen worden war.

Überraschender ist indes die Zahl der Menschen, die sich radikal gegen eine solche Auswilderung aussprechen: Im Gegensatz zu dem, was Bilder von größeren Anti-Bären-Demonstrationen suggerieren, scheint es erstaunlich wenig Ablehnung zu geben. Lediglich neun Prozent der Befragten sagten, sie seien „völlig gegen“ die Auswilderung eines Bären. Selbst in den Pyrenäenregionen, wo sich die meisten Anti-Bären-Proteste konzentrieren, liegt die Zahl knapp unter zehn Prozent. Elf Prozent „totale Ablehnung“ gibt es im gesamten Südwesten Frankreichs; zwölf Prozent im Südosten.

Macht die jüngste Umfrage nun den Weg frei für eine baldige Wiederansiedlung des Bären in Frankreich?

Das ist zumindest die Hoffnung der 14 Umweltverbände, die die Studie in Auftrag gegeben hatten. In einer Pressemitteilung fordern sie die Regierung auf, „die notwendigen Verfahren und die Vorbereitung dieser neuen Auswilderungen jetzt zu beginnen“. Appelliert wird insbesondere an Präsident Macron, die Ministerin für den ökologischen Wandel, Barbara Pompili, und die Staatssekretärin für Biodiversität, Bérangère Abba.

In ihrem Braunbär-Aktionsplan für den Zeitraum 2018 – 2028 hat sich Frankreichs Führung tatsächlich verpflichtet, „jeden Bären zu ersetzen, der aufgrund menschlicher Aktivitäten stirbt“. Etwas deutlicher ausgedrückt: Jeder Bär, der von einem Menschen getötet wird.

Der Kampf um die Bären

Seit Monaten setzen sich die Verbände für den „Ersatz“ von getöteten Bären in den Pyrenäen ein. 2020 war ein schwarzes Jahr für die Art: Drei Bären wurden im Pyrenäenmassiv getötet – zwei auf der spanischen Seite und einer auf der französischen Seite, im vergangenen Juni.

Die spanische Justiz bestätigte erst kürzlich (am 10. Dezember), dass der Tod des im April tot aufgefundenen Jungtiers Cachou auf eine Vergiftung zurückzuführen sei. Die beiden anderen Tiere wurden erschossen.

Vor allem bei den Viehzüchtern in den Pyrenäen, die immer wieder gerissene Tiere melden, ist die Wiederansiedlung von Bären verständlicherweise umstritten. Im Jahr 2019 mussten 1.173 Tiere, die von einem Raubtier gerissen wurden, vom französischen Staat finanziell erstattet werden.

Schwieriges – und kostspieliges – Zusammenleben

Seit 1992 gibt es in Frankreich wieder Wölfe. Sie bleiben sowohl eine gefährdete Art als auch gefürchtete Räuber. Schutzmaßnahmen gegen Angriffe sind nicht nur für die Viehzüchter, sondern auch für die französische Regierung sowie die Europäische Union kostspielig.

Laut dem Bericht über die Bärenpopulation in den Pyrenäen 2019, der vom französischen Büro für Biodiversität erstellt wurde, verteilen sich die rund 52 französischen Bären auf sechs Départements: Pyrénées-Atlantiques, Hautes-Pyrénées, Haute-Garonne, Ariège, Aude und Pyrénées-Orientales.

Die Population ist nach wie vor fragil. Anfang Dezember hatte die Europäische Kommission Frankreich eine Rüge erteilt: „Der Schutzstatus des Braunbären ist in Frankreich immer noch ungünstig,“ so die EU-Exekutive in einem Brief, der der Presseagentur Agence France-Presse (AFP) vorliegt.

Die Kommission fordert die Regierung in Paris daher auf, „den Empfehlungen zur Auswilderung“ sowie ihrem eigenen „Braunbär-Aktionsplan 2018-2028“ zu folgen.

Seit mehreren hundert Jahren gejagt, war der Bär zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vom Kontinent verschwunden. In mehreren Ländern wurden inzwischen Wiederansiedlungsprogramme gestartet, die den europäischen Braunbären vor dem Aussterben bewahren sollen.

Nach Angaben des Vereins Pays de l’ours gibt es noch etwa 50.000 bis 60.000 Tiere auf dem alten Kontinent. Die meisten von ihnen sind in Russland, Rumänien, auf dem Balkan und in Schweden zu finden. Teilweise durchstreifen einige wenige Braunbären die Gebirgszüge in Österreich, Frankreich und Italien.

„Spitzenreiter“ beim Schutz des Bären ist übrigens nach wie vor Slowenien, wo es mehr als tausend Exemplare geben soll.

Auch die in den vergangenen Jahren in den französisch-spanischen Pyrenäen ausgewilderten Tiere stammten allesamt aus Slowenien.

[Bearbeitet von Tim Steins]

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