Französische Lehrkräfte streiken gegen Corona-Auflagen

Lehrkräfte nehmen an einer Kundgebung während eines landesweiten Streiks gegen Corona-Maßnahmen in Schulen in Paris, Frankreich, am 13. Januar 2022 teil. Zehntausende Lehrer:innen in ganz Frankreich sind auf die Straße gegangen, um gegen das Versagen der Regierung zu protestieren, die ihrer Meinung nach keine kohärente Politik zur Bekämpfung von Covid-19 in Schulen verfolgt. [EPA-EFE/Mohammed Badra]

Gewerkschaften verkündigten eine „historische Mobilisierung“, einen Streik mit 75% der Lehrkräfte als Protest gegen die Corona-Auflagen in Schulen. Nach Angaben des französischen Bildungsministeriums fehlten am Donnerstag jedoch nur 31% der Lehrkräfte tatsächlich.

Die Beteiligung war zwar geringer als erwartet, aber sie spiegelt dennoch die große Unzufriedenheit der Bildungsfachleute wider. Die Lehrergewerkschaften waren nicht die einzigen, die zum Streik aufriefen: ihnen schlossen sich die Gewerkschaften der Schuldirektor:innen, der Eltern und der nationalen Bildungsinspektor:innen an.

Die bestehenden Spannungen mit Minister Jean-Michel Blanquer haben sich wegen der Handhabung der Hygieneprotokolle und deren schwerer Umsetzbarkeit noch verschärft, so die Streikenden.

Die neuen Corona-Maßnahmen für Schulen wurden erst wenige Stunden vor Beginn des Schuljahres am 3. Januar bekannt gegeben und diese Woche erneut geändert. Die umständlichen Vorschriften haben sowohl die Schulen als auch die Eltern überfordert, die ihre Kinder dreimal in fünf Tagen testen sollten.

Darüber hinaus beklagen die Gewerkschaften, dass die Sicherheit in den Schulen nicht gewährleistet ist. Sie fordern die Verteilung von FFP2-Masken an Lehrkräfte sowie die Installation von Luftreinigern und CO2-Detektoren.

Aber diese Krise geht über den gesundheitlichen Kontext hinaus: Auch der Streit mit dem Minister ist zutiefst politisch, denn er wird beschuldigt, die Lehrkräfte nicht zu konsultieren. Außerdem behaupten die Lehrergewerkschaften, dass sich die Arbeitsbedingungen in den Schulen seit mehreren Jahren verschlechtern.

Die Lehrkräfte und Gewerkschaften sind jedoch nicht dagegen, dass die Regierung die Klassenzimmer offen hält. Frankreich ist mit nur 12 Wochen Schulschließungen seit Beginn der Pandemie das führende Land in Europa. In Belgien und dem Vereinigten Königreich gab es 27 Wochen mit vollständigen Schulschließungen. In Deutschland sowie Italien sind es 38 Wochen.

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