Frankreichs EU-Gegner machen rechts von LePen mobil

"Les Patriotes" von Florian Philippot haben sich für die EU-Wahlen mit einer "Gelbwesten"-Liste zusammengeschlossen. [EPA-EFE/MATHIEU CUGNOT]

Am Sonntag versammelte der ehemalige Chefstratege der Front National, Florian Philippot, hunderte EU-Gegner, um die rechtspopulistische Bewegung Les Patriotes (Die Patrioten) zu gründen.

Nachdem ein französisches Berufungsgericht den Parteiausschluss von Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen bestätigt hatte, verließ auch Marine Le Pens Chefstratege Florian Philippot die Front National und kündigte die Gründung einer Gegen-Formation an.

Ein „zu 360 Grad unabhängiges“ Frankreich

Am 18. Februar war es dann soweit, im nordfranzösischen Arras  wurden die Les Patriotes (Die Patrioten) gegründet und Am Sonntag wurde Philippot  ohne Gegenstimme zum Vorsitzenden gewählt. Die vom 36-Jährigen geführte Bewegung wirbt für einen Austritt
Frankreichs aus der EU und aus dem Euro sowie für einen schärferen Kurs gegen Flüchtlinge. Bereits im Vorfeld forderte Philippot ein „zu 360 Grad unabhängiges“ Frankreich, dessen Gesetze „nicht mehr den Launen Brüsseler Technokraten oder einer Frau Merkel unterworfen werden“.

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Die Forderungen, der nach eigenen Angaben rund 6.500 Anhänger, gleichen in vielen Punkten denen der  Alternative für Deutschland (AfD) und der britischen UK Independence Party (Ukip). Gerade mit Ukip-Chef Nigel Farage verbindet Philippot viele Gemeinsamkeiten. Beide gehören zu Farages rechtspopulistischer Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie.

Machtkampf im rechtsextremen Lager

Es gebe für seine Formation in Frankreichs Parteienlandschaft „einen riesigen Platz“, so Philippot in Arras. Die Mehrheit der Franzosen liebe ihr Land. Sie seien für ein „freies, unabhängiges“ Frankreich, das der EU den Rücken kehrt.

Philippot, der die renommierte Pariser Wirtschaftsuni HEC, danach die Kader-Schmiede ENA. absolvierte und von dort den Sprung ins Innenministerium schaffte er, bevor er 2008 der Front National beitrat, versucht damit den pro-europäischen Präsidenten Emmanuel Macron anzugreifen.

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Allerdings könnte er damit eher die Front National schwächen, die Philippot einen „toten Stern“ nennt. Marine Le Pen gilt seit dem Wahldebakel auch innerparteilich als angezählt.

Ein Front-National-Kongress am 10. und 11. März soll frischen Wind bringen, selbst ein neuer Parteiname ist im Gespräch. Am Donnerstag schloss Marine Le Pen sogar erstmals nicht aus, bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2022 einem anderen Spitzenkandidaten Platz zu machen, wenn er denn „bessere Chancen“ habe als sie selbst.

Den ersten großen Stimmungstest wird die Europawahl 2019 bringen, zu der Philippot als Spitzenkandidat seiner „Patrioten“ antreten will. Le Pen verzichtet dagegen auf den ersten Listenplatz – nachdem sie die Front National bei der EU-Wahl 2014 noch triumphal zur stärksten Kraft Frankreichs machte.

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