Frankreich und UK sollen den Eurostar retten

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat Eurostar einen 95-prozentigen Rückgang der Passagierzahlen erlebt. [EPA-EFE/ANDY RAIN]

Diverse Politikerinnen und Politiker haben die französische und die britische Regierung aufgefordert, das finanziell angeschlagene Zugunternehmen Eurostar und seine Bahnverbindung durch den Eurotunnel zu unterstützen. Schließlich habe es auch für die angeschlagenen Fluggesellschaften finanzielle Hilfen gegeben.

„Ein Scheitern des Eurostar würde beträchtliche Arbeitsplatzverluste und einen herben Schlag für den nachhaltigen Reiseverkehr zwischen Großbritannien und der EU bedeuten,“ warnte Ciarán Cuffe, ein irischer Europaabgeordneter der Grünen, der die Kampagne anführt.

Wenn die Rettung des Bahnunternehmens Finanzierung sowohl durch die britische als auch die französische Regierung erfordere, „dann muss das Geld eben gefunden werden. Nachhaltiges Reisen verdient Unterstützung“, fügte er hinzu.

Der Eurostar-Zugverbindung droht ein "echter Überlebenskampf"

Ohne größere staatliche Unterstützung sei die Zukunft des Eurostar existenziell bedroht, warnte das Bahnunternehmen am Sonntag.

Eurostar bietet Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen London, Paris, Brüssel und Amsterdam und nutzt dabei den Eurotunnel durch den Ärmelkanal. Frankreichs nationale Bahngesellschaft SNCF besitzt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen.

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat Eurostar jedoch einen 95-prozentigen Rückgang der Passagierzahlen erlebt und ist in die roten Zahlen gerutscht.

In den vergangenen Monaten hatte das Bahnunternehmen neben der Pandemie auch mit Problemen im Zusammenhang mit dem Brexit zu kämpfen. So sah sich das Europäische Parlament im Dezember gezwungen, Notstandsregeln zu erlassen, um den Eurotunnel auch nach dem britischen Ausstieg und dem Ende der Übergangszeit offen zu halten.

Zukunft des Bahnverkehrs zwischen Großbritannien und EU „steht auf dem Spiel“ 

In dem am Montag versendeten Brief fordern die Abgeordneten den französischen Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari, seinen britischen Amtskollegen Grant Shapps und die EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean auf, finanzielle Unterstützung zu leisten, damit das Unternehmen den Abschwung überlebt.

Der Brief wurde von den britischen Grünen Nathalie Bennet und Jenny Jones sowie von mehreren Fraktionen im Europäischen Parlament unterzeichnet, darunter die Grünen/EFA, die sozialdemokratische S&D, die linke GUE und die konservative Europäische Volkspartei (EVP).

Zug vs. Flug: Vorteil für die Schiene?

Die Nachfrage nach Bahnreisen in Europa wird im kommenden Jahrzehnt deutlich steigen, so eine neue Analyse, die auf eine „neue Wertschätzung“ der Öffentlichkeit für saubere Luft und Klimaschutz als Folge des Coronavirus-Ausbruchs hinweist. Hauptverlierer dürften die Airlines sein.

„Die Zukunft des Bahnverkehrs durch den Ärmelkanal steht auf dem Spiel, wenn keine Lösung gefunden wird,“ heißt es in dem Brief. „Dies würde sich nicht nur negativ auf die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals auswirken und zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten führen, sondern auch die Bemühungen, den Verkehr in Europa nachhaltiger zu gestalten, ernsthaft untergraben.“

Der irische MEP Cuffe hob insbesondere hervor, dass die nationalen Regierungen mehrere Fluggesellschaften, die während der Pandemie mit einem Rückgang der Passagierzahlen zu kämpfen hatten, umgehend retteten. Nachhaltigere Transportmittel hätten es nun ebenfalls verdient, unterstützt zu werden.

Das Unternehmen Eurostar hatte seinerseits schon zuvor die mangelnde Hilfe für Bahnunternehmen kritisiert und argumentiert, dass internationale Bahnverbindungen insbesondere aufgrund ihrer geringen Umweltauswirkungen für finanzielle Unterstützung in Frage kommen sollten. Das Unternehmen erinnerte daran, dass Flüge von London nach Paris bis zu 90 Prozent mehr Emissionen verursachen als die Fahrt mit dem Zug.

Die Gespräche zwischen der französischen und der britischen Regierung über ein mögliches Rettungspaket für Eurostar dauern derweil an.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins],

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