Frankreich fordert EU-Verhandlungen mit Großbritannien im Flüchtlingsstreit

Britische Schiffe haben binnen zwei Tagen mehr als 1100 Migrant:innen aufgegriffen, die über den Ärmelkanal ins Land kommen wollten. [VICKIE FLORES/EPA-EFE]

Britische Schiffe haben binnen zwei Tagen mehr als 1100 Migrant:innen bei dem Versuch gerettet oder aufgegriffen, über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Frankreich forderte die EU auf, mit Großbritannien über ein Migrationsabkommen zu verhandeln.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden am Freitag (8. Oktober) bei 23 Einsätzen insgesamt 624 Migrant:innen aufgegriffen, am Samstag (9. Oktober) waren es 491 Menschen bei 17 Einsätzen.

Im selben Zeitraum hinderten die französischen Behörden nach eigenen Angaben 414 Migranten daran, nach Großbritannien überzusetzen. Nach einer Zählung der britischen Nachrichtenagentur PA ist seit Jahresbeginn mehr als 17.000 Migrant:innen die Überfahrt nach Großbritannien gelungen, das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2020.

Die steigende Zahl von Migrant:innen, die den Ärmelkanal in kleinen Booten überqueren, hat nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU zu Beginn des Jahres zu wachsenden Spannungen zwischen London und Paris geführt.

Frankreichs Innenminister Gerald Darmanin forderte am Samstag die Aufnahme von Verhandlungen über ein Migrationsabkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien.

Dies sei notwendig, da das Thema in der Brexit-Vereinbarung nicht geregelt worden sei, sagte Darmanin bei einem Besuch an der französischen Nordseeküste. Frankreich werde das Thema bei seiner EU-Ratspräsidentschaft ab Januar auf die Agenda setzen.

Der französische Minister forderte die britische Regierung außerdem auf, „ihr Versprechen einzuhalten“ und Mittel zur Bekämpfung von Schleusern an der französischen Küste bereitzustellen.

Im Rahmen einer im Juli getroffenen Vereinbarung hatte sich Großbritannien bereit erklärt, die Grenzsicherung in Frankreich in diesem sowie im nächsten Jahr mit 62,7 Millionen Euro zu
finanzieren.

Britischen Medienberichten zufolge drohte die britische Innenministerin Priti Patel im September aber damit, das Geld angesichts der Rekordzahl von Migrant:innen, die aus Frankreich über den Ärmelkanal kommen, zurückzuhalten.

Darmanin zufolge hat die Küstenwache in den vergangenen drei Monaten knapp zwei Drittel aller in Frankreich gestarteten Boote gestoppt. Zuvor war es demnach nur die Hälfte.

Die Zahl der Menschen, die versuchten, in den ersten acht Monaten dieses Jahres von Frankreich aus den Ärmelkanal zu überqueren, ist derweil laut Angaben der französischen Küstenwache gegenüber dem gesamten Vorjahr um 50 Prozent gestiegen.

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