Frankreich eröffnet „Cyber Campus“ zur Verbesserung der Cybersicherheit

In Zukunft sollen auch territoriale Zweigstellen eingerichtet werden. Die Regionen Hauts-de-France, Pays de la Loire und Auvergne-Rhône-Alpes haben Interesse bekundet, sich an dieser regionalen Initiativen zu beteiligen, so der Elysée. [StevanZZ/Shutterstock]

Ein Jahr nach dem Start der französischen Cybersicherheitsstrategie öffnete der „Cyber Campus“ am Dienstag (15. Februar). Er soll ein Innovations-Hotspot werden und die Sicherheitsbranche stärken. EURACTIV Frankreich berichtet.

Da die Zahl der Cyberangriffe in den letzten Jahren explodiert ist, insbesondere seit der Pandemie, ist es nun an der Zeit die Zusammenarbeit im Bereich der Cybersicherheit in Frankreich zu intensivieren.

Privatunternehmen, öffentliche Einrichtungen und Regierungsstellen werden ihre Kräfte im neuen „Cyber Campus“ bündeln, der als „Speerspitze“ der Cybersicherheitsstrategie des Landes gilt.

„Die digitale Technologie bringt Hoffnung und Zukunft, aber sie bringt auch Bedrohungen mit sich. Angesichts dieser Bedrohungen fährt der Staat seine Schilde hoch, um seine Bürger, seine Unternehmen und seine öffentlichen Einrichtungen zu schützen“, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bei der Eröffnung.

Es „wird auch ein Ort der Bündelung von Programmen und operativen Partnerschaftsprojekten sein, vor allem im Bereich der Überwachung“, so der Elysée-Palast gegenüber Journalisten. Außerdem wird es ein „Raum für die Entwicklung beruflicher Fähigkeiten“ und „für die Entwicklung von Sensibilisierungs- und Bildungselementen für die breite Öffentlichkeit“ sein.

Der Campus befindet sich im dreizehnstöckigen Eria Tower im Geschäftsviertel der Hauptstadt. Auf rund 26 000 Quadratmetern werden große Konzerne wie Orange, Capgemini, Thalès und Atos, Start-ups aus dem Cyberbereich sowie mehrere Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen untergebracht.

Dieser „Ort der Exzellenz“ wird auch Mitglieder der Nationalen Agentur für die Sicherheit von Informationssystemen (ANSSI) und Dienststellen der Streitkräfte, des Innen-, Bildungs-, Jugend- und Sportministeriums beherbergen.

Viele andere große Unternehmen, wie Sanofi und SNCF, haben sich der Initiative angeschlossen, auch wenn sie nicht vor Ort vertreten sein werden.

In Zukunft werden auch regionale Zweigstellen eingerichtet. Die Regionen Hauts-de-France, Pays de la Loire und Auvergne-Rhône-Alpes haben Interesse an einer Teilnahme an der Initiative bekundet, so der Elysée.

Michel Van Den Berghe, der frühere CEO von Orange Cyberdefense, wird diese vereinfachte Aktiengesellschaft (SAS) leiten, die zu 56 % im Besitz privater Aktionäre ist, von denen die meisten Mitglieder des Campus sind.

„Der Anteil des Staates und des öffentlichen Sektors ist beträchtlich [44 %], aber der Präsident war sehr daran interessiert, dass es sich um eine überwiegend private Beteiligung handelt“, betonten seine Berater.

Hacker drohen französischem Justizministerium mit Datenleak

Hacker der cyberkriminellen Gruppe „Lockbit 2.0“ behaupteten am Donnerstag (27. Januar)  das Justizministerium gehackt zu haben. Das Justizministerium habe bis zum 10. Februar Zeit ein Lösegeld zu zahlen, andernfalls sollten die gestohlenen Daten veröffentlicht werden. EURACTIV Frankreich berichtet.

Nationale Cyber-Strategie

Der französische Präsident Emmanuel Macron stellte im Februar 2021 die französische Cybersicherheitsstrategie vor, die ihm zufolge hohe Priorität hat.

Insgesamt 1 Mrd. EUR, davon 720 Mio. EUR an öffentlichen Mitteln, sollen investiert werden, um den Umsatz der Branche von 7,3 Mrd. EUR auf 25 Mrd. EUR zu verdreifachen, die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor von 37 000 auf 75 000 zu verdoppeln und drei französische Cybersicherheits-Einzelunternehmen zu gründen, kündigte die Regierung an.

„Zwischen 2017 und 2021 werden 200 Personen in der ANSSI eingestellt. Angesichts des hohen Einsatzes dürfte sich dies in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen“, betonte der Elysée. Im Rahmen des französischen Konjunkturprogramms hat die ANSSI außerdem 136 Millionen Euro erhalten, um die Cybersicherheitssysteme des Staates und der Regionen von 2021 bis 2022 zu stärken.

Im Rahmen des massiven Investitionsplans France 2030 werden zudem 140 Millionen Euro zur Deckung des Ausbildungsbedarfs bereitgestellt.

Bei einem Besuch in Nizza Anfang Januar kündigte Macron an, er wolle 1 500 „Cyber-Patrouillen“ einstellen, um das Cyber-Personal innerhalb der Polizei zu stärken. Er sagte auch, er wolle das digitale Äquivalent der Notrufnummer der Polizei einführen, um Cyberangriffe zu melden.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/ Alice Taylor]

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