Faktencheck: Gab es Todesfälle durch COVID-19-Impfungen?

Ein Anti-Impf-Protest in London. [NEIL HALL/EPA]

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus läuft und einzelne Todesfälle machen Schlagzeilen: Kann die Impfung auch tödlich enden? Die DW hat Todesfälle in sechs Ländern überprüft – und ein eindeutiges Ergebnis gefunden.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle.

Während auf der ganzen Welt nach und nach Impfstoffe gegen das Coronavirus verabreicht werden, stellen sich viele Menschen eine Frage: Wie geht es denen, die die Impfung bereits erhalten haben? Längst nicht jeder kennt einen Menschen, den man fragen könnte, denn in vielen Ländern ist der Anteil der geimpften Personen noch sehr gering. Also suchen viele online nach Antworten und treffen auf Schlagzeilen wie diese:

„15 Todesfälle nach Coronavirus-Impfung“

„Seniorin stirbt nach Corona-Impfung“

„Freiwilliger in Impfstoffstudie stirbt nach COVID-19-Impfung“

Die in den Meldungen berichteten Fälle sorgen für Fragen und Zweifel: Sind die Corona-Impfstoffe etwa nicht die Lösung, sondern ein weiteres Problem? Und sind die Impfstoffe selbst gefährlich? Alle Daten aus den klinischen Tests vor der Zulassung und den Kontrollen nach der Markteinführung deuten in eine Richtung: die in der EU zugelassenen Impfstoffe haben eine hohe Wirksamkeit und haben nur wenige, meist unkritische Nebenwirkungen.

Dennoch zeigt eine Umfrage der Universität Erfurt in Deutschland, dass nur 56 Prozent der Befragten sich impfen lassen wollen – und 44 Prozent (eher) skeptisch sind. Nicht wenige Menschen geben derzeit in Umfragen an, erst einmal abzuwarten, bis klar ist, wie die Impfungen bei anderen wirken. Die Schlagzeilen zu Todesfällen verunsichern manche.

Der Impf-Musterknabe vom Balkan

Serbien ist nicht in der Europäischen Union und meilenweit von Deutschlands Wirtschaftskraft entfernt. Doch bei den Corona-Impfungen geht es in dem Balkanland deutlich schneller voran als hierzulande und in den anderen EU-Ländern.

Aber sind die Zweifel an den Impfstoffen überhaupt gerechtfertigt? Die DW hat zu gemeldeten Fällen in sechs Ländern recherchiert: in Deutschland, Spanien, den USA, Norwegen, Belgien und Peru. Das Ergebnis: In allen Fällen fanden die Gesundheitsämter keine kausalen Zusammenhänge zwischen der Impfung und den Todesfällen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wurden laut Bloombergs globalem Impfstoff-Tracker mehr als 130 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht, rund fünf Millionen Dosen pro Tag. In den genannten sechs Ländern wurden rund 50 Millionen Dosen verabreicht. Dort liegt die Gesamtzahl der gemeldeten Todesfälle, die nach der Impfung aufgetreten sind, bei weniger als 250. Da die US-Daten auch Informationen enthalten, die nur von Bürgern übermittelt wurden, sind mindestens 181 dieser 250 Fälle nicht unabhängig verifiziert worden. Die einzelnen Fälle im DW-Faktencheck:

Deutschland: „Tote nach Corona-Impfung“?

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für Impfungen in Deutschland zuständig ist, untersuchte zehn Todesfälle in Deutschland, die zwischen einigen Stunden und vier Tagen nach einer Coronavirus-Impfung aufgetreten sind. In all diesen Fällen waren die Verstorbenen zwischen 79 und 93 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen, so Brigitte Keller-Stanislawski, die Leiterin der Abteilung Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten des PEI.

„Aufgrund der Daten, die wir haben, gehen wir davon aus, dass die Patienten an ihrer Grunderkrankung gestorben sind – in zeitlich zufälligem Zusammenhang mit der Impfung“, sagte sie dem deutschen Sender n-tv. Sie äußerte sich zwar nicht zu einzelnen Fällen, sagte aber: „es handelt sich um sehr schwer kranke Patienten mit vielen Grunderkrankungen“.

„Wenn ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko geimpft werden, wird es eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung assoziiert zu sein“, heißt es in einem aktuellen Sicherheitsbericht des PEI. Darin weist das Paul-Ehrlich-Institut auf Fälle von 20 geimpften Personen hin, die im Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung gestorben sind.

COVID-19: Was können Impfungen leisten – und was nicht?

Geimpfte infizieren sich mit SARS-CoV-2. Die Folge? In erster Linie Empörung – denn noch immer herrscht ein großes Missverständnis, was das Ziel der Impfungen angeht.

Eine Pressesprecherin des PEI teilte der DW zudem per E-Mail mit, dass „alle Personen bis auf einen Mann einen unvollständigen Impfschutz hatten, da die COVID-19-Erkrankung nach der ersten Impfung erfolgte“. Der Schutz beginne sieben bis 14 Tage nach der zweiten Impfung (je nach Impfstoff), so dass es möglich sei, nach der ersten Dosis an COVID-19 zu erkranken und zu sterben. 33 verstorbene Personen litten nach PEI-Untersuchungen an mehreren Vorerkrankungen und starben entweder an der Verschlimmerung ihrer Vorerkrankungen oder an einer anderen Krankheit unabhängig von der Impfung. Zehn Personen starben an einer anderen Infektionskrankheit, nicht an COVID-19.

„Bei allen anderen Personen bestanden zum Teil multiple Vorerkrankungen wie z. B. Karzinome, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren“, fügte sie hinzu. Nach Berechnungen des Paul-Ehrlich-Instituts sind die bis zum 31. Januar gemeldeten Todesfälle mit unklarer Ursache nicht häufiger als die erwartete Anzahl von Todesfällen. Der Leiter des PEI, Klaus Cichutek, betonte Mitte Januar im DW-Interview, dass die bislang in Deutschlang eingesetzten Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna „eine sehr hohe Sicherheit“ aufweisen.

In einem weiteren Fall von drei verstorbenen Personen in Köln ermittelt aktuell noch die Staatsanwaltschaft. Drei ältere Menschen waren nach der Impfung gegen das Coronavirus gestorben, alle drei litten an erheblichen Vorerkrankungen, wie Markus Rothschild, Direktor der Kölner Rechtsmedizin betonte. Es liege „kein Anfangsverdacht gegen Ärzte oder Personal“ vor, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf DW-Anfrage, der darauf verwies, dass die Obduktionsprotokolle und rechtsmedizinische Gutachten noch in Arbeit seien.

EU-Kommission ordert bis zu 300 Millionen weitere Impfdosen von Biontech/Pfizer

Die Brüsseler Behörde habe am Montag eine entsprechende zweite Abmachung mit den beiden Unternehmen abschließend angenommen.

Spanien: Starben „mindestens sieben Menschen nach Impfung von Pfizer“?

Spanische Medien berichten, in einem spanischen Pflegeheim seien neun Menschen gestorben, nachdem sie die erste Dosis des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs erhalten hatten. Alle Bewohner hätten Vorerkrankungen gehabt.

Der Direktor des Altenheims El Salvador in Lagartera sagte, dass Symptome „wie Kopfschmerzen oder gelegentlicher Durchfall“ bei den Bewohnern nach fünf Tagen aufgetreten seien. Ein Arzt habe ihm gesagt, dies könnte auf Nebenwirkungen der Impfungen zurückzuführen sein.

Alle neun Todesfälle wurden von offizieller Seite auf Komplikationen mit der COVID-19-Infektion zurückgeführt, als Folge eines Ausbruchs, der während des Impfprogramms stattfand. Denn selbst nach einer Impfung ist es möglich, die Krankheit zu entwickeln, wenn die Impfung während der Inkubationszeit des Coronavirus (fünf bis sechs Tage) stattfand.

Auch nach der Impfung ist eine Ansteckung möglich, da die Impfung nach Angaben des Robert-Koch-Instituts für Infektionskrankheiten (RKI) in der Regel erst zehn bis 14 Tage nach der ersten Dosis wirksam wird. Sowohl die russischen als auch die chinesischen Staatsmedien berichteten ausführlich über diesen Fall, wobei sich die chinesischen auf die russischen Staatsmedien berufen. Trotz der reißerischen Überschrift heißt es im Originalartikel der russischen Staatsmedien ganz klar: „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff eine Rolle bei den Todesfällen gespielt hat.“

In dem Artikel wird zudem auf einen Faktencheck verwiesen, der besagt: „Es ist statistisch unvermeidlich, dass einige Menschen krank werden und sterben, nachdem sie die Impfung erhalten haben, aus Gründen, die nicht mit der Reaktion ihres Körpers auf den Impfstoff zusammenhängen.“ Dieser Disclaimer fehlt allerdings in den anderen Artikeln.

EU-Kommission sicher: Impfstoff-Patente sind nicht das Problem

Die Europäische Kommission will die Produktion von COVID-19-Impfstoffen durch einen „freiwilligen“ Austausch von Know-How unter Pharmafirmen ankurbeln. Das teilte eine EU-Quellen mit und betonte dabei, dass Patente kein Hindernis bei der Ausweitung der Impfstoffproduktion seien.

USA: Zeigt eine Regierungsdatenbank „181 Todesfälle nach COVID-19-Impfung“?

Diese Meldung verbreitete sich besonders in Indien stark. Die Behauptung basiert auf einer Pressemitteilung der Children’s Health Defense, einer Interessensvertretung von Impfgegnern, geleitet von dem prominenten Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. Letzterer fiel zuletzt mit Anti-Impf-Propaganda auf und beteiligte sich in Deutschland an Demonstrationen von Corona-Leugnern.

Obwohl die Überschrift des Pressetextes behauptet, dass die Daten aus einer „Regierungsdatenbank“ stammten, befinden sich die verlinkten Zahlen auf der Website des National Vaccine Information Center (NVIC), einer non-profit Organisation, die nichts mit der US-Regierung zu tun hat. Der renommierte Wissenschafts- und Gesundheitsjournalist Michael Specter bezeichnet die Organisation als „die mächtigste Anti-Impf-Organisation in Amerika“.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Datenbasis fragwürdig ist. National Vaccine Information Center gibt an, dass die Daten aus dem Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) der US-Regierung stammen. Darin heißt es allerdings ausdrücklich, dass „jeder einen Bericht an VAERS einreichen kann, einschließlich Eltern und Patienten“, und dass „VAERS-Berichte allein nicht verwendet werden können, um festzustellen, ob ein Impfstoff ein unerwünschtes Ereignis oder eine Krankheit verursacht oder dazu beigetragen hat.“

Darüber hinaus ermutigt VAERS Impfstoffanbieter, signifikante Gesundheitsprobleme zu melden, „unabhängig davon, ob sie glauben, dass der Impfstoff die Ursache war oder nicht“. Zudem weist VAERS darauf hin, dass seine Daten „nicht interpretiert oder verwendet werden können, um Rückschlüsse auf die Existenz, Schwere, Häufigkeit oder Quoten von Problemen im Zusammenhang mit Impfstoffen zu ziehen“ und „im Kontext anderer wissenschaftlicher Informationen interpretiert werden sollten.“

Bereits 2015 wurde in einer Studie zur Bewertung von Meldungen über Todesfälle im Zusammenhang mit Impfungen hervorgehoben, dass die Daten des VAERS-Systems verzerrt seien, da es ein System ist, das „jeden eingereichten Bericht über ein unerwünschtes Ereignis akzeptiert, ohne dessen klinische Bedeutung zu beurteilen oder ob es durch eine Impfung verursacht wurde.“ Auch die Centers for Disease Control and Prevention warnen vor Berichtsverzerrungen und inkonsistenter Datenqualität im VAERS-System.

Allerdings bittet das NVIC auch über seine eigene Webseite um Berichte über mögliche Impfschäden im gleichen Grundformat wie der VAERS-Bericht. Es gibt zudem nicht an, ob die beiden Datensätze in der Datenbank kombiniert oder getrennt gehalten werden. Die angeblichen 181 Todesfälle können jedenfalls nicht kausal auf die Coronaimpfung zurückgeführt werden.

Sputnik V in Ungarn startklar

Ungarischen Gesundheitsbehörden haben dem russischen Anti-Coronavirus-Impfstoff Sputnik V die Marktzulassung erteilt, so die Regierung am Sonntag.

Norwegen: „30 Pflegeheimbewohner nach Coronavirus-Impfung gestorben“?

Die norwegische Arzneimittelbehörde Statens Legemiddelverk untersuchte insgesamt 33 Berichte über Todesfälle in Pflegeheimen nach der Impfung von Bewohnern (Stand: 26. Januar 2021).

In einer nachträglichen Analyse schreibt die Behörde: „Viele der Pflegeheimbewohner, die bisher geimpft wurden, sind sehr gebrechliche oder todkranke Patienten. Jeden Tag sterben durchschnittlich 45 Menschen in norwegischen Pflegeheimen oder anderen ähnlichen Einrichtungen. Daher sind Todesfälle, die in der Nähe des Zeitpunkts der Impfung auftreten, zu erwarten, aber sie implizieren keinen kausalen Zusammenhang mit dem Impfstoff.“

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur untersuchte die Fälle ebenfalls und stellte in einem Bericht fest, dass „die Überprüfung keine Sicherheitsbedenken ergab“ und fügte hinzu, „dass (mehrere) vorbestehende Krankheiten eine plausible Erklärung für die Todesfälle zu sein schienen. Bei einigen Personen war bereits vor der Impfung eine palliative Behandlung eingeleitet worden.“

Bei der Bewertung der Fälle zitiert ein Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift der British Medical Association den medizinischen Direktor der norwegischen Arzneimittelbehörde Steinar Madsen: „Es gibt keinen sicheren Zusammenhang zwischen diesen Todesfällen und dem Impfstoff.“ Stattdessen sagte Madsen, dass „gewöhnliche Nebenwirkungen, die bei fitteren, jüngeren Patienten nicht gefährlich sind und bei Impfstoffen nicht ungewöhnlich sind, bei älteren Menschen die Grundkrankheit verschlimmern können.“

Weiter sagte er: „Wir sind nicht alarmiert oder besorgt darüber, weil dies sehr seltene Vorkommnisse sind, und sie traten bei sehr gebrechlichen Patienten mit sehr schweren Krankheiten auf.“

Scholz kritisiert Impfstoff-Einkäufe der EU und fordert klare Impfstrategie

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat erneut die Strategie der Europäischen Union beim Einkauf von Corona-Impfstoffen kritisiert, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diese zuvor aufs Neue verteidigt hatte.

Bislang haben laut Our World in Data die EU-Länder nur knapp 4% ihrer …

Belgien: „14 Todesfälle nach Coronavirus-Impfung“?

In Belgien berichtete die Föderale Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (FAMHP), dass 14 Menschen zeitlich nach einer Impfung gegen das Coronavirus gestorben sind. Eine Kausalität wurde jedoch nicht festgestellt. Alle Patienten waren über 70, fünf von ihnen über 90 Jahre alt, berichtete die Brussels Times. Weitere Details zu den verstorbenen Personen wurden nicht bekannt gegeben.

„Die Tatsache, dass die gemeldeten Todesfälle kein gemeinsames klinisches Bild aufwiesen, ist ein eher beruhigendes Element, ebenso wie die Tatsache, dass die Todesfälle nach einer variablen Zeitspanne auftraten“, sagte die FAMHP der Brussels Times und fügte hinzu, dass bis heute kein kausaler Zusammenhang mit dem COVID-19-Impfstoff formell gefunden worden sei.

Infolgedessen veröffentlicht die FAMHP wöchentliche Berichte, die die Nebenwirkungen des Impfstoffs untersuchen. Im Bericht vom 4. Februar hieß es: „Bis heute wurde kein formaler kausaler Zusammenhang mit dem COVID-19-Impfstoff festgestellt.“ Belgien wendet derzeit die Coronavirus-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna an. Welche Impfstoffe im Fall der 14 verstorbenen Personen eingesetzt wurden, erläuterte die belgische Behörde nicht.

Peru: „Freiwilliger in Impfstoffstudie an COVID-19-Pneumonie gestorben“?

Die Cayetano Heredia Universität, die eine Studie zum chinesischen Impfstoff Sinopharm durchführte, musste eine lokale peruanische Studie unterbrechen, nachdem ein Teilnehmer an einer COVID-19-bedingten Lungenentzündung gestorben war, wie Reuters berichtet.

Nach der Entblindung der Studie – also der Offenlegung der Gruppenzugehörigkeit, welche Teilnehmer den Wirkstoff und welche ein Placebo erhielten – stellte sich heraus, dass der verstorbene Proband nicht mit dem Impfstoff geimpft wurde, sondern in der Placebogruppe war. In einer Erklärung sagte die Universität: „Es ist wichtig, festzustellen, dass der Tod der Teilnehmerin nicht mit dem Impfstoff in Verbindung steht, da sie das Placebo erhielt.“

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