Ex-Kommissionschef Prodi ebenfalls per Pegasus abgehört

Der Ex-Premier und Ex-Kommissionschef Prodi zeigte sich entspannt: "Ob ich beunruhigt bin? Keineswegs." [EPA-EFE/MATTEO BAZZI]

Der frühere italienische Ministerpräsident und ehemalige EU-Kommissionschef Romano Prodi soll von den Geheimdiensten Marokkos ausspioniert worden sein. Diese verwendeten dabei offenbar ebenfalls die israelische Software Pegasus, berichtete die Washington Post am Mittwoch. 

Prodi sei insbesondere durch seine Ernennung zum UN-Sondergesandten für die afrikanische Sahelzone im Jahr 2012 zur Zielscheibe geworden.

Der Ex-Premier selbst zeigte sich gegenüber der italienischen Zeitung La Repubblica recht entspannt: „Ich bin nicht überrascht, die Welt funktioniert inzwischen so. Ob ich beunruhigt bin? Keineswegs.“ Die marokkanischen Spione dürften „höchstens ein paar Witze aufgeschnappt haben. Gut, vielleicht tausende Witze, aber mehr nicht“.

Prodi weiter: „Ich habe seit vielen Jahren die gleiche Telefonnummer und weiß nicht, was es da auszuspionieren gibt. Natürlich weiß ich aber seit einiger Zeit, dass es diese Möglichkeit der Überwachung, des Abhörens, von Gesprächen und Bildern gibt.“

Dennoch müsse es Aufklärung in seinem und allen anderen Fällen geben: „Ich hätte aber trotzdem gerne mehr Einzelheiten. Ich würde gerne wissen, wann ich das erste Mal unter Beobachtung stand. Und ich möchte auch mehr Informationen über diejenigen, die ein Interesse an der Überwachung hatten.“

Ohne ausreichende Informationen diesbezüglich sei es insgesamt schwer, sich „ein genaues Bild von der ganzen Geschichte zu machen“, fügte der Ex-Kommissionschef hinzu.

EU-Kommission will sich mit Pegasus-Affäre beschäftigen

Die Europäische Kommission hat beschlossen, eine Untersuchung über die Bespitzelung von europäischen Journalist:innen einzuleiten. Damit reagiere man auf die Enthüllungen des Pegasus-Projekts vom Wochenende.

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