Europas Straßen sind sicherer geworden

Neue Technik soll die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. [shutterstock/Wessel du Plooy]

Eine am gestrigen Dienstag von der EU-Kommission veröffentlichte Statistik zur Straßenverkehrssicherheit zeigt, dass 2017 das zweite Jahr in Folge die Anzahl der tödlichen Straßenverkehrsunfälle zurückgegangen ist. Die eigenen Ziele für 2020 werden dennoch deutlich verfehlt werden.

Demnach kamen 2017 in der EU 25.300 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben – 300 weniger als im Vorjahr und 6.200 weniger als 2010, was einen Rückgang um 20 Prozent bedeutet. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Kommission ermutigend, aber zu wenig um die eigenen Ziele zu erreichen. Eigentlich sollte die Zahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2020 halbiert werden. Dieses Ziel wird wohl verfehlt werden.

Der Statistik zufolge wurden zudem im vergangenen Jahr schätzungsweise weitere 135.000 Menschen schwer verletzt, darunter viele besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer.

Die meisten Unfälle ereigneten sich der Statistik zufolge auf Landstraßen. Von den 25.300 registrierten Unfällen mit Todesfolge entfielen 55 Prozent auf Landstraßen, 37 Prozent auf städtische Gebiete und acht Prozent auf Autobahnen.

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Von den tödlichen Unfällen und Verletzten im Straßenverkehr seien nicht nur die Opfer, sondern auch die Gesellschaft insgesamt betroffen, verlautbart die Kommission mit Verweis auf die „sozioökonomische Kosten“ in Höhe von 120 Milliarden Euro pro Jahr. Daher müssten alle Akteure einen neuen Anlauf unternehmen, um die europäischen Straßen sicherer zu machen.

Die für den Verkehr zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc sagte bei der Veröffentlichung der Statistik: „Im letzten Jahr verloren 25.300 Menschen auf unseren Straßen ihr Leben, noch mehr erlitten Verletzungen, die ihr ganzes Leben veränderten. Hinter diesen Zahlen verbergen sich viele leid- und schmerzvolle Geschichten. Die Verantwortung für die Straßenverkehrssicherheit wird natürlich gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wahrgenommen, doch ich glaube, dass die EU noch mehr tun kann, um die Europäerinnen und Europäer besser zu schützen. Die Kommission arbeitet derzeit an einer Reihe konkreter Maßnahmen, die wir in den nächsten Wochen bekannt geben wollen. Das Ziel ist klar: Die Rettung von Leben auf unseren Straßen.“

Mit durchschnittlich 49 Straßenverkehrstoten je eine Million Einwohner waren Europas Straßen 2017 nach wie vor die weltweit sichersten. Innerhalb der EU stehen im Jahr 2017 Schweden (mit 25 Verkehrstoten je eine Million Einwohner), das Vereinigte Königreich (27) sowie die Niederlande (31) und Dänemark (32) am besten da. Verglichen mit dem Jahr 2016 sind in Estland und Slowenien mit einem Rückgang von 32 Prozent bzw. 20 Prozent die deutlichsten Verbesserungen zu verzeichnen.

In Deutschland lag der Wert 2017 bei 38. Das sind zwar weniger als im EU-Durchschnitt, allerdings fällt auch die Rückgang mit 13 Prozent seit 2010 im Autoland Nummer eins besonders niedrig aus. Insgesamt haben sich die Mitgliedsstaaten in ihrer Bilanz 2017 weiter angenähert. Nur in zwei Fällen lag der Anteil der im Straßenverkehr tödlich Verunglückten bei über 80 je eine Million Einwohner: Rumänien und Bulgarien.

Hintergrund

Auf der Grundlage der Ministererklärung zur Straßenverkehrssicherheit vom März 2017 arbeitet die Kommission derzeit einen neuen Rechtsrahmen für die Straßenverkehrssicherheit für die Jahre 2020 bis 2030 aus, der von einer Reihe konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit flankiert wird. So könnten die europäischen Vorschriften für die Fahrzeugsicherheit und das Sicherheitsmanagement von Infrastrukturen überarbeitet und eine Initiative für den sicheren Übergang zu einer kooperativen, vernetzten und autonomen Mobilität vorgelegt werden. Die Kommission beabsichtigt, diese Maßnahmen im Frühjahr 2018 vorzulegen.

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