Europäische Corona-Apps überschreiten Grenzen: Deutschland ist dabei

Das Logo der deutschen Stopp-Corona-App zierte die Eckflaggen bei einem Fußballmatch der Bundesliga. [RONALD WITTEK/EPA]

Die deutsche Corona-Warn-App funktioniert nun auch in Italien und Irland, und vice versa. Demnächst sollen mehr Staaten dazukommen. Einige sind allerdings von vornherein ausgeschlossen, weil sie ein zentrales System nutzen, etwa Frankreich.

Smartphone-Apps zur Nachverfolgung von Coronavirus-Infektionen gibt es inzwischen in etwa zwei Dritteln der EU-Mitgliedsstaaten. Bislang funktionierten sie nur innerhalb der jeweiligen Ländergrenzen, doch die EU-Kommission arbeitete daran, die Apps länderübergreifend laufen zu lassen. Seit Montag ist es so weit: Deutschland, Italien und Irland machen den Anfang.

Das bedeutet: Wer mit der deutschen „Corona-Warn-App“ nach Italien reist, und dort einen Risikokontakt mit einer Person hat, die Italiens „Immuni“ benutzt, wird gewarnt. Und vice versa. „Datenabgleichdienst“ nennt sich diese Funktion in EU-Lingo.

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Nur dezentrale Apps 

„Die Freizügigkeit ist fester Bestandteil des Binnenmarkts – der Datenabgleichdienst erleichtert dies und wird uns helfen, Menschenleben zu retten“, so Thierry Breton, EU-Kommissar für eben diesen Binnenmarkt.

Am 26. Oktober kommen voraussichtlich vier weitere Staaten dazu, die Kommission möchte es aber noch nicht final bestätigen: Tschechien, Dänemark, Kroatien und Spanien. Später sollen weitere Staaten hinzukommen. Momentan funktioniert das System nur mit dezentralen Apps, bei denen die Kontakt-Abgleiche auf den Smartphones stattfinden. Bliebe das so, wären zwei Länder ausgeschlossen: Frankreich und Ungarn, in denen zentrale Server entscheiden, wer einen Risikokontakt hatte.  

Auch die Schweiz und das Vereinigte Königreich werden nicht teilnehmen. Im Fall der Eidgenossenschaft scheitert es am ausstehenden gesundheitspolitischen Abkommen, das sich noch in Verhandlung befindet. Und bei den zähen Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel kam noch kein Abkommen über den Austausch von Gesundheitsdaten zustande. 

Besonders praktisch wäre diese Funktion im Sommer gewesen, während der Urlaubssaison. Doch auch für den Wintertourismus und für die Weihnachtsreisen könnte sie wichtig werden. „Überall in Europa nehmen die Infektionen wieder zu. Derzeit machen nationale Warn-Apps einen echten Unterschied“, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Denn jede Infektionskette, die dank einer App schneller unterbrochen wird, trägt zur Eindämmung der Pandemie bei“.

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Deutsche App „wird gut angenommen“

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Die deutsche Corona-App wurde bislang 19,8 Millionen mal heruntergeladen. Unklar ist, wie viele Personen sie aktiv nutzen. Täglich informieren etwa 500 Personen die App über einen positiven Test, sagt Gottfried Ludewig, Leiter der Digitalabteilung im Gesundheitsamt, im Gespräch mit dem Nachrichtenportal ThePioneer. Das wären über zehn Prozent aller Resultate. Insgesamt wurden 1,8 Millionen positive Tests über die App verkündet. „Die App wird gut angenommen“, so Ludewig.

Kürzlich begab sich Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in Quarantäne, weil er über seine App eine Warnung erhalten hatte.

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