EU verzeichnet 2020 deutlich weniger Verkehrstote

2020 sind knapp 4.000 Menschen weniger auf den Straßen der EU gestorben als im Vorjahr. [SHUTTERSTOCK]

Im Vergleich zum Vorjahr sind 2020 fast 4.000 Personen weniger auf europäischen Straßen gestorben, zeigen Zahlen der EU-Kommission. EURACTIV Frankreich sieht sich die Statistiken genauer an.

Die Europäische Kommission hat am 20. April vorläufige Zahlen zu den Verkehrstoten im Jahr 2020 veröffentlicht. Sie schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 18.800 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind – ein Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zu 2019. Somit sind 2020 knapp 4.000 Menschen weniger auf den Straßen der EU gestorben als im Vorjahr.

Der Rückgang des Verkehrsaufkommens in Folge der COVID-Pandemie dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, die sich allerdings nicht mit Zahlen belegen lässt, so die EU-Institution.

Verkehrskommissarin Adina Vălean kommentierte: „Im Vergleich zu 2019 waren auf den Straßen der EU im Jahr 2020 fast 4.000 Verkehrstote zu beklagen – damit sind unsere Straßen nach wie vor die sichersten der Welt.“ Sie mahnte aber auch: „Dennoch liegen wir hinter unserem Ziel für das vergangene Jahrzehnt zurück.“

Es brauche nun „gemeinsame Maßnahmen, um eine Rückkehr auf das [Todesraten-] Niveau vor COVID-19 zu verhindern. „

Zwischen 2010 und 2020 war die Zahl der Verkehrstoten in der EU um 36 Prozent gesunken. Damit wurde das für dieses Jahrzehnt gesetzte Ziel von 50 Prozent weniger Todesfällen verfehlt. Dennoch bleibt die Union mit 42 Verkehrstoten pro Million Einwohner tatsächlich die verkehrssicherste Region der Welt. Im Vergleich dazu liegt der globale Durchschnitt bei rund 180.

Entwicklung der Todesraten im Verkehr in den EU-Staaten. Quelle: Europäische Kommission.

Die Weltbank hatte für das Vorjahr 2019 derweil eine Todesrate von rund 59 pro Million Einwohner (bzw. 5,9 pro 100.000) in der EU errechnet.

Im Gegensatz dazu waren es in den USA 130 und weltweit 170 Tote pro Million Einwohner.

Verkehrstodesrate pro 100.000 Personen. Quelle: Weltbank

Der Rückgang der Todesraten ist innerhalb der EU jedoch alles andere als einheitlich: Die größten Reduzierungen – um 20 Prozent oder mehr – gab es 2020 demnach in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Ungarn, Malta und Slowenien.

Im Gegensatz dazu verzeichneten fünf Mitgliedstaaten – Estland, Irland, Lettland, Luxemburg und Finnland – einen Anstieg der Todesopfer. Dabei ist anzumerken, dass die Todesraten in kleinen Ländern mit weniger Einwohnern von Jahr zu Jahr tendenziell stärker schwankt.

Das Minus-50-Prozent Ziel der EU konnte lediglich von Griechenland (54 Prozent weniger Tote) erreicht werden. Darauf folgen Kroatien (44 Prozent), Spanien (44 Prozent), Portugal (43 Prozent), Italien (42 Prozent) und Slowenien (42 Prozent). Insgesamt verzeichneten neun Mitgliedstaaten Rückgänge von 40 Prozent oder mehr.

Die insgesamt sichersten Straßen in der EU bleiben die von Schweden, mit 18 Todesfällen pro Million Einwohner, während Rumänien mit 85 die höchste Rate im Jahr 2020 verzeichnete.

In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 33 Todesfälle pro eine Million Menschen; im Vergleich zu 2010 konnte die Todesrate um 25 Prozent verringert werden.

Jährliche Verkehrstotenrate nach Land (zwischen 2010 und 2019). Quelle: Europäische Kommission.

Auswirkungen der Pandemie schwer nachweisbar

Laut der Kommission hat der Rückgang des Verkehrsaufkommens aufgrund der Pandemie wohl „deutliche – wenngleich nicht messbare – Auswirkungen auf die Zahl der Verkehrstoten“ gehabt.

Daten aus einigen EU-Ländern deuten allerdings auch auf eine Zunahme von risikoreichem Fahrverhalten, insbesondere Geschwindigkeitsüberschreitungen, während der Lockdown-Zeit hin.

Im Bericht der Kommission wird außerdem der Einfluss des vermehrten Radfahrens in den europäischen Städten angesprochen. Während „diese erfreuliche Entwicklung erhebliche positive Auswirkungen auf die Luftqualität und den Klimawandel haben“, schaffe sie gleichzeitig auch „neue Herausforderungen im Bereich der Straßenverkehrssicherheit“.

EU-weit sind rund 70 Prozent der Verkehrstoten in städtischen Gebieten sogenannte „schwächere Verkehrsteilnehmer“, also Fußgänger, Motorrad- und Fahrradfahrer. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit in den Städten müsse daher ein wichtiger Politikbereich werden, so die Kommission. Verkehrssicherheit solle künftig „in allen Phasen der städtischen Mobilitätsplanung“ berücksichtigt werden.

Dieser Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit dem europäischen Projekt EDJNet.

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