EU-Verkehrsminister wollen Schienenverkehr stärken – kommt der TEE 2.0?

Feiert der TEE ein Comeback? [Shutterstock]

Die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister der EU haben sich bei einem Treffen am vergangenen Montag verpflichtet, dem internationalen Passagier- und Güterverkehr auf der Schiene mehr Aufmerksamkeit zu widmen sowie Pläne zur Wiederbelebung des Trans-Europ-Express-Netzes zu prüfen.

Wie die europäischen Schienennetze, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr, ausgebaut und die Züge gegenüber dem Kurzstreckenflugverkehr wettbewerbsfähiger gemacht werden können, war eines der Gesprächsthemen des virtuellen Treffens unter dem Vorsitz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am Montag.

Ein Vorschlag der deutschen Regierung zielt darauf ab, den einst sehr beliebten Trans-Europ Express (TEE) bis 2025 wieder in Betrieb zu nehmen. In Berlin gibt man sich zuversichtlich, dass angesichts immer engerer grenzüberschreitender Zusammenarbeit in der Mobilitäts- und Klimapolitik dieser Plan tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann.

Das ursprüngliche TEE-Netzwerk bestand aus einer Allianz von Bahnbetreibern aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz, Westdeutschland und anderen Ländern und erreichte seinen kommerziellen Höhepunkt 1974. Mit der Schaffung nationaler Hochgeschwindigkeitszüge, wie dem französischen TGV Anfang der 1980er Jahre, geriet der TEE jedoch in eine Phase des Niedergangs und wurde in den 1990er Jahren weitgehend eingestellt.

Nach den Plänen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sollen mit dem „TEE 2.0“ nun wieder neue Verbindungen zwischen mindestens drei – vorzugsweise vier – Ländern durch den Aufbau von Partnerschaften zwischen bestehenden Bahngesellschaften geschaffen werden.

Zu den acht bereits in Erwägung gezogenen Strecken gehören Paris-Brüssel-Köln-Berlin-Warschau, Amsterdam-Köln-Basel-Mailand-Rom und Berlin-Frankfurt-Lyon-Montpellier-Barcelona sowie Verbindungen zwischen Skandinavien und dem übrigen Europa.

Die ehrgeizigsten Teile der geplanten Einführung neuer Verbindungen hängen jedoch vor allem vom Abschluss umfangreicher Bauarbeiten ab, darunter am Brenner-Basistunnel unter den Alpen und an der Fehmarnbeltquerung zwischen Deutschland und Dänemark.

Scheuer sagte während des Treffens, die zuständigen Ministerien würden sich zusammensetzen und festlegen, wo derzeit „unzureichende Bahnverbindungen“ bestehen. Nationale Strecken würden miteinander verknüpft, um so internationale Verbindungen aufzubauen.

Diese Bestrebungen decken sich mit einer Erklärung, die im Juni von 25 Verkehrsministerinnen und -ministern unterzeichnet wurde und die darauf abzielt, die Wettbewerbsfähigkeit von Zugreisen bei Entfernungen von bis zu 800 km auf dem Markt zu stärken. In der Erklärung wird auch festgelegt, dass bis Mitte 2021 eine „Agenda für den internationalen Schienenpersonenverkehr“ aufgestellt werden soll.

Der „TEE 2.0“ würde demnach durch ein Nachtzugnetz ergänzt, das die selben Strecken bedienen und auf der aktuell aufkeimenden Renaissance des Nachtzugverkehrs aufbauen würde.

Im Plan des Bundesverkehrsministeriums heißt es dazu etwas vorsichtiger, die Entwicklung zusätzlicher Nachtzüge sei zwar „zu begrüßen, deren wirtschaftliche Herausforderung ist aber nicht zu unterschätzen“.

24 EU-Staaten fordern bessere Bahnverbindungen

24 EU-Länder haben sich darauf geeinigt, beim internationalen Schienenverkehr enger zusammenzuarbeiten. Die Bahn solle „zu einer attraktiven Alternative“ bei Reiseentfernungen werden, wo sie derzeit gegenüber Flugzeugen kaum wettbewerbsfähig ist.

Allerdings stehen Scheuers TEE-Revival viele Hindernisse im Wege, darunter der derzeitige Flickenteppich aus unterschiedlichen Preissystemen, verschiedenen Sprachen und Betriebsabläufen, Sitzplatzreservierungsregeln und die nach wie vor bestehenden Schwächen der aktuellen Gesetzgebung zu Passagierrechten.

Der Plan des deutschen Verkehrsministeriums hat das Ziel, zu vermeiden, dass der TEE diesen nationalen Unterschieden zum Opfer fällt. Deswegen wird vorgeschlagen, Partnerschaften zwischen unterschiedlichen Unternehmen in eigene Gesellschaften auszugliedern, dann den Gleisanschlüssen bei den Muttergesellschaften zu „buchen“ und das vorhandene Wagenmaterial zu nutzen, bis entsprechende neue Züge gekauft werden können.

Derartige internationale Schienen-Allianzen sind nicht ungewöhnlich, aber schwierig zu organisieren. Erfolgreich hatten sich die Hochgeschwindigkeitsbetreiber Eurostar und Thalys auf einen Zusammenschluss geeinigt, während auch die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) ihre guten Kontakte zu anderen Firmen genutzt hat, um sich als Nummer eins der Nachtzugbetreiber in Europa zu etablieren.

Zug vs. Flug: Vorteil für die Schiene?

Die Nachfrage nach Bahnreisen in Europa wird im kommenden Jahrzehnt deutlich steigen, so eine neue Analyse, die auf eine „neue Wertschätzung“ der Öffentlichkeit für saubere Luft und Klimaschutz als Folge des Coronavirus-Ausbruchs hinweist. Hauptverlierer dürften die Airlines sein.

Die Ministerinnen und Minister kamen am Montag außerdem überein, sich künftig verstärkt auf den internationalen Güterverkehr zu konzentrieren. Die Bedeutung des Transports per Schiene habe sich auch „in Zeiten größerer Krisen“ immer wieder bestätigt.

Laut einer Erklärung des deutschen Ministeriums sind „gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger“ notwendig, wenn die EU ihre Klimaziele erreichen und das volle Potenzial des Green Deal ausschöpfen will. Dass die verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene dem Klima zugutekommt, ist schon lange anerkannt.

In der Erklärung wird darüber hinaus eine bessere Kooperation zwischen den Netzbetreibern, Maßnahmen zum Lärmschutz – die für die Schaffung öffentlicher Akzeptanz eines größeren Güterverkehrsaufkommens entscheidend sein dürften – und automatische Waggonentkopplungssysteme als entscheidende Teile des Bahn-Puzzles genannt.

Laut Plänen der EU-Kommission soll das kommende Jahr 2021 das „europäische Jahr der Schiene“ werden. Ein erster Anfang scheint gemacht.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

2021 soll das "Jahr der Schiene" werden

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