EU-Kommissarin spricht sich für Modernisierung und Ausweitung des Schienenverkehrs aus

"Mehr Komfort und Qualität, weniger Staus und Frust": Bessere Bahn-Infrastruktur und -Verbindungen hätten zahlreiche positive Effekte, so Kommissarin Ferreira. [Shutterstock/encierro]

Die EU-Kommissarin für Kohäsion und Reformen, Elisa Ferreira, hat sich für den Ausbau des Schienenverkehrs in der Europäischen Union ausgesprochen und Investitionen in die Modernisierung sowie für bessere Regionalverbindungen gefordert.

Ferreira, die am Montag auf der von der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft organisierten Konferenz zur Eröffnung des „Europäischen Jahres des Schienenverkehrs 2021“ sprach, sagte, sie sei von der Bedeutung der Schiene für die europäische Wirtschaft und für den Green Deal der EU überzeugt. Der Bahnverkehr sei der sicherste und vor allem der nachhaltigste Verkehrszweig.

Sie versicherte den Regierungen der EU-Staaten, dass diese die „volle Unterstützung“ der Kommission erhalten werden, „um die Nutzung der Schiene auszubauen, sowohl für den Passagier- als auch für den Güterverkehr“.

Dabei stehe die Union vor einer echten Herausforderung: „Unsere Daten zeigen, dass die Schiene nur zehn Prozent des Personenverkehrs in Europa ausmacht, verglichen mit 80 Prozent auf der Straße. Das ist dramatisch,“ so die portugiesische Kommissarin. Auch im Güterverkehr seien die Zahlen nicht viel besser: 18 Prozent der Waren würden per Schiene, 75 Prozent per Lkw auf der Straße transportiert.

2021 soll das "Jahr der Schiene" werden

Die EU-Kommission hat mitgeteilt, dass der Zugverkehr im Jahr 2021 als Teil des europäischen Green Deals besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten soll.

Dabei, so die Kommissarin weiter, könnte eine verstärkte Nutzung der Schiene in beiden Fällen „die CO2-Emissionen deutlich reduzieren und die Lebensqualität deutlich erhöhen“. Es gäbe dann „mehr Komfort und Qualität, weniger Staus und Frust“.

Sie erinnerte außerdem daran, dass die EU in den vergangenen Jahren bereits in den Schienenverkehr investiert hat und bis 2023 etwa 580.000 Kilometer an neuen Bahnstrecken gebaut werden sollen.

Modernisierung und Barrierefreiheit

Laut Ferreira gebe es mehrere Prinzipien, die zukünftige Investitionen in die Bahn leiten sollten – neben der die Modernisierung der Bahninfrastruktur brauche es auch Investitionen in leicht zugängliche und benutzerfreundliche Züge. Es müsse sichergestellt werden, dass die Bahn für alle Bürgerinnen und Bürger, insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, als mögliches Verkehrsmittel in Frage kommt.

Dafür müssten weitere bestehende Probleme angegangen werden: „In Europa ist es immer noch schwierig, Tickets für grenzüberschreitende Reisen zu kaufen. Dafür sind oft zwei Fahrkarten von zwei verschiedenen Anbietern erforderlich. Dies ist nicht akzeptabel. Ebenso sind Preise und Fahrpläne selten im Einklang,“ kritisierte sie.

Es gebe darüber hinaus einen Bedarf an „besserer Intermobilität, bei der Passagiere schnell zwischen Zügen, Flügen und U-Bahnen mit Parkmöglichkeiten in der Nähe umsteigen können“.

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Regionalverkehr

Last but not least forderte die Kommissarin Investitionen in regionale Zugverbindungen. Gute Anbindung sei entscheidend für die regionale Entwicklung; man wolle in entsprechende Kohäsionsprogramme investieren: „Wir müssen dafür sorgen, dass die wichtigsten europäischen Verbindungen mit den regionalen Strecken verbunden und verknüpft werden. Keine Region, kein Land darf zurückgelassen werden.“

Ferreiras Schlussplädoyer: „Jetzt ist es mehr denn je an der Zeit, die Nutzung der Schiene auszubauen. Jetzt ist es an der Zeit, dafür zu sorgen, dass alle Regionen über eine moderne Infrastruktur und starke Verbindungsnetze verfügen. Jetzt ist es an der Zeit für intelligentere, besser zugängliche und benutzerfreundlichere Dienstleistungen. Jetzt ist der perfekte Start-Zeitpunkt für das Europäische Jahr der Schiene.“

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]

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