EU-Hochleistungscomputer: Neue Regulierung in kommenden Tagen

Momentan stehen die schnellsten Supercomputer nicht in Europa, sondern in den USA, in China oder - wie dieser hier - in Japan. [DAI KUROKAWA/EPA]

Die Kommission will Supercomputer auf europäischem Boden; das sei wesentlich für die technologische Souveränität. Dazu wollte Kommissarin Vestager heute eine Regulierung verkünden, diese verschiebt sich nun um einige Tage. Mit ihr sollen Förderpläne konkretisiert werden, vermutet ein Experte. 

Eigentlich hätte die Kommission am heutigen Dienstag (15. September) ihre neue Regulierung zu High Performance Computers (HPC) verkünden sollen – so stand es zumindest in der Agenda der Kommissionssitzung. Allerdings gibt es, wie bei mehreren Punkten auf der Tagesordnung, eine Verzögerung um einige Tage.

Zum Inhalt der Regulierung ist bisher wenig bekannt. Doch am wahrscheinlichsten sei, dass die EU ihre Förderpläne nachschärft, sagt Thomas Lippert, Leiter des Supercomputing Centre am Forschungszentrum Jülich, im Gespräch mit EURACTIV Deutschland.

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Simulationen als Hauptaufgabe

Diese Förderungen haben ein strategisches Ziel: Auf europäischem Boden sollen Hochleistungsrechner stehen, die mit Spitzenmaschinen aus den USA, Japan oder China mithalten können. Für die Kommission ist das eine Frage der technologischen Souveränität.

HPCs benötigt man vor allem zur Simulation von hochkomplexen Prozessen: Die Autoindustrie stellt damit Autounfälle nach, bei denen die Wirkung auf Fahrzeug und Insassen berechnet werden können. ForscherInnen projizieren damit die Erderwärmung, oder stellen Experimente mit Photovoltaikanlagen nach. Und im militärischen Bereich können HPCs inzwischen Atombombentests simulieren.

Momentan nutzen EuropäerInnen dafür meist Rechner aus den USA, Japan oder China. Das will die Kommission ändern. Vehikel dafür ist das Projekt „EuroHPC“, eine Zusammenarbeit der EU-Staaten exklusive Malta plus fünf weiterer Nicht-EU-Staaten, die im Rahmen von Horizon 2020 mit Brüssel kooperieren. Mit einem Budget von einer Milliarde Euro (die Hälfte davon von der Kommission, die Hälfte von den Nationalstaaten) soll EuroHPC neue Hochleistungsrechner kaufen und in Europa installieren. Bis 2021 sollen zwei der fünf schnellsten Maschinen der Welt in Europa stehen.

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Neue Regulierung: Ein weiterer „Businessplan“?

„Bisherige Regulierungen zu EuroHPC waren im Grunde Businesspläne“, so Lippert. „Das hier wird ähnlich sein, näher definieren, was gefördert werden kann und was nicht“, vermutet er.

Tatsächlich gebe es Nachholbedarf, denn noch sei die Kommission zu wenig risikobereit. Wer Forschungsförderung beantragt, müsse gleich die wirtschaftliche Relevanz mitliefern, so Lippert. „Man muss natürlich aufpassen, dass man keinen Unsinn fördert“, aber gleichzeitig mehr kreativen Spielraum geben, so der Experte.

Grund für die Verschiebung der Regulierung könnten die Kürzungen der Forschungsgelder im neuen mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU sein, die beim EU-Rat der Staats- und Regierungschefs im Juli beschlossen wurden, vermutet Michael Resch. Er leitet das Höchstleistungsrechenzentrum in Stuttgart (HLRS), das im Rahmen von EuroHPC eng mit Brüssel zusammenarbeitet. Die Kürzungen hätten den EuroHPC-Plan durcheinander gebracht, „seitdem gibt es Debatten in nationalen HPC-Zentren, ob man sich noch auf die Gelder einstellen soll“, so Resch. 

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„Müssen 100 Jahre Forschung nachholen“

Deutschland dürfte „eine große Rolle“ innerhalb von EuroHPC spielen, so Resch. Schließlich stehen hierzulande die meisten Hochleistungs-Rechenzentren der EU, man habe also „allein quantitativ eine Führungsrolle“. Dementsprechend sei die Bundesrepublik „federführend“ bei der Koordination von EuroHPC-Forschungsprojekten.

Vorreiter sei Deutschland auch bei der industriellen Nutzung öffentlicher Rechner-Ressourcen. Das HLRS verkauft beispielsweise die Rechenleistung seiner HPCs an Unternehmen, die einmalig Simulationen erstellen müssen, um Aufträge zu erfüllen.

Besonderen Bedarf an Rechenleistung sieht Resch aber vor allem in der Forschung. Die Coronavirus-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig komplexe Simulationen sind: „Die Fähigkeit, das Virus zu simulieren, hilft uns enorm“.

Ähnliches gelte auch für die Energiewende: In der Nutzung von Windkraft müsse man „100 Jahre Forschung nachholen, und zwar so schnell wie möglich“, so Resch. Supercomputer können die dafür notwendigen Experimente nachstellen, was die Forschung immens beschleunige.

Dafür habe man aktuell guten Zugang zu Maschinen – aus den USA oder aus Japan.

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