„Es war mir eine Ehre“

Angela Merkel verabschiedet sich vom Parteivorsitz, wird als Zukunft aber noch das Amt der Kanzlerin weiterführen. [Focke Strangmann/ epa]

Es gab viel Lob und Freundlichkeit – auf dem heutigen CDU-Parteitag in Hamburg hat sich Angela Merkel in einer emotionalen Rede von ihrem Amt als Parteivorsitzende verabschiedet. Am Nachmittag werden die Delegierten einen neuen Vorsitzenden wählen.

Minutenlang tobt der Applaus in der Hamburger Messehalle, in dem Angela Merkel soeben ihre letzte Rede als Parteivorsitzende gehalten hat. Die 100 Delegierten der CDU  – nur einer ist nicht angereist – haben sich von ihren Stühlen erhoben, halten „Danke“ -Schilder hoch und wollen trotz wiederholter Aufforderung Merkels gar nicht mehr aufhören zu klatschen. Selbstkritik gab es nicht in Merkels Rede, dafür viel Lob für die Parteikollegen und positive Worte für die Zukunft.

Die CDU habe in den 18 Jahren unter ihrem Vorsitz viele Herausforderungen gemeistert. Dabei habe sie der Partei „so manchen scharfen Angriff auf den politischen Gegner, ob links oder rechts, vorenthalten,sagt Merkel. „Manchmal habe ich es vorgezogen zu schweigen und nicht über jedes Stöckchen zu springen, das man mir hingehalten hat“ sagt sie mit Bezug auf die oft kritisierte merkelsche Art, politische Krisen erst einmal auszusitzen.

Auch auf die später anstehende Wahl ihres oder ihrer Nachfolgerin – Jens Spahn, Freidrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer – geht Merkel nicht ein. Sie hatte bereits im Vorlauf klar gemacht, keine Präferenz äußern zu wollen. Dass sie seit Jahren die politische Karriere von Kramp-Karrenbauer unterstützt, ist allerdings kein Geheimnis. Es wird vermutet, dass die spätere Wahl zwischen der Saarländerin und Merz entscheiden wird, unter dem sich die Partei voraussichtlich nach rechts bewegen würde. Angesichts der massiven Wahlverluste in Bayern und Hessen, wo die CDU um elf Prozentpunkte abstürzte und nur noch 27% der Wählerstimmen erhielt, sprechen sich viele Christdemokraten für eine Rückkehr zu konservativeren Werten aus, um auch Wähler der AfD zurückzugewinnen.

Der Rücktritt Merkels vom Parteivorsitz geschieht als Reaktion auf den gewünschten Kurswechsel innerhalb der Partei, denn eigentlich hatte Merkel immer deutlich gemacht, dass die Position als Kanzlerin immer mit der Parteiführung zusammen gehen sollte. Welchen Weg die CDU nun einschlagen sollte, beschreibt Merkel nicht. „Neue Köpfe, neue Strukturen, aber bleibende Werte“ sei das Motto.

Kleine Abgrenzungen von Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer bringt sich schon lange in Stellung für den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur. Doch nun muss sie vor allem beweisen dass sie anders ist als Angela Merkel.

Sie habe ihre staats- und parteipolitischen Ämter immer mit Würde tragen und auch mit Würde abgeben wollen, erklärt Merkel. Sie beendet ihre Rede mit schmeichelhaften Worten: „In dieser Stunde bin ich von einem alles überragenden Gefühl beherrscht: dem Gefühl der Dankbarkeit und der Freude. Es war mir eine Ehre“.

Der ehrenvolle Abgang vom Parteivorsitz scheint ihr angesichts der Atmosphäre unter den Parteimitgliedern gelungen zu sein. Selbst ihr koalitionsinterner Widersacher, Bundesinnenminister Horst Seehofer, äußert sich gegenüber dem Spiegel mit lobenden Worten: „Wenn man so viel durchgestanden hat wie Angela Merkel und ich, dann bildet sich Verbundenheit, streckenweise sogar Zuneigung“, sagt Seehofer. „Das kettet aneinander.“ Auch von der Vorsitzenden der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, kommen warme Worte. Merkel habe als Vorsitzende der CDU die gläserne Decke für Frauen in der Politik durchbrochen. „Du hast einen neuen Politikstil geprägt“. Wie der zukünftige Politikstil der CDU aussieht, wird maßgeblich vom neuen Vorsitzenden mitbestimmt werden. Doch selbst unter den Parteimitgliedern herrscht Unwissenheit, wer es wird.

Als der Applaus auch nach knapp mehreren Minuten noch immer anhält, geht Merkel zurück ans Mikrofon: „Nun reicht es aber. Es gibt heute noch viel zu tun.“

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