Ermittler sprengen IS-Zelle in Nordrhein-Westfalen

Polizeifahrzeuge vor einem Wohnhaus während eines Anti-Terror-Einsatzes in Suhl, Deutschland, 25. Oktober 2016. [EPA/MARTIN WICHMANN]

Bei einer Razzia gegen eine mutmaßliche IS-Zelle haben Ermittler am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen vier tadschikische Staatsbürger festgenommen.

Die Verdächtigen sollen gemeinsam mit einem bereits seit März 2019 inhaftierten weiteren Verdächtigen Anschläge auf Einrichtungen von US-Streitkräften in Deutschland oder auch Einzelpersonen geplant haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Insbesondere planten sie demnach einen Mordanschlag auf einen Menschen, der sich „aus Sicht der Beschuldigten islamkritisch in der Öffentlichkeit geäußert hatte“.

Laut Bundesanwaltschaft wurden die vier Verdächtigen durch Spezialkräfte des Landes Nordrhein-Westfalen und Beamte des Polizeipräsidiums Düsseldorf in Essen, Neuss und Siegen sowie im Kreis Heinsberg festgenommen. Zudem wurden die Wohnungen der Beschuldigten sowie sechs weitere Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht.

Die vier Festgenommenen und der bereits in Untersuchungshaft sitzende tadschikische Staatsangehörige seien dringend verdächtig, in Deutschland als Mitglieder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eine Terrorzelle gegründet zu haben. Sie sollen sich demnach im Januar 2019 dem IS angeschlossen haben.

Den Ermittlern zufolge gründeten die im Auftrag der Miliz gemeinsam eine Zelle in Deutschland. Zunächst sollen sie geplant haben, in Tadschikistan an Kämpfen gegen die Regierung teilzunehmen.

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Die Polizei hat europaweit eine großangelegte Cyber-Attacke auf islamistische Propagandanetzwerke im Internet unternommen. Tausende Webseiten mit Inhalten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seien gelöscht und entsprechend viele Messenger-Kanäle und -Gruppen gesperrt worden.

Von diesem Vorhaben sollen sie jedoch Abstand genommen haben und stattdessen tödliche Anschläge in Deutschland geplant haben. Dabei standen sie laut Bundesanwaltschaft in Kontakt mit zwei ranghohen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan, von denen sie entsprechende Anweisungen erhielten.

Die Zelle soll bereits über scharfe Schusswaffen und Munition verfügt haben. Zudem beschaffte der bereits inhaftierte fünfte Beschuldigte laut den Ermittlern Anleitungen für die Herstellung sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen. Einige der hierfür notwendigen Komponenten seien bereits im Internetversandhandel erworben worden.

Auch sollen die Verdächtigen zur Finanzierung ihrer Pläne sowie zur Unterstützung des IS in Syrien Geld in Deutschland gesammelt und über in der Türkei ansässige Finanzagenten an die Dschihadistenmiliz transferiert haben. Um dem IS noch weitere Mittel zukommen lassen zu können, soll der fünfte Beschuldigte zudem einen mit 40.000 Dollar dotierten Auftrag für einen Mordanschlag in Albanien angenommen haben.

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Dazu sollen der Mann und einer der weiteren vier Festgenommenen nach Albanien gereist sein. Laut Bundesanwaltschaft scheiterte die Ausführung des Auftrags jedoch kurzfristig, woraufhin beide Männer nach Deutschland zurückgekehrt sein sollen.

Die Beschuldigten sollen am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet.

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