EFRE in Stuttgart: Cluster-Initiativen für grünen und digitalen Wandel

Vernetzung als Treiber des grünen und digitalen Wandels: Stuttgart beherbergt seit 2014 die ClusterAgentur 2.0. [Robert Kdot/Shutterstock]

Unternehmerische Zusammenarbeit und ein Schub für die industrielle Innovation im Zuge des grünen und digitalen Wandels: Als Vorreiter in Sachen Clusterpolitik betreibt Baden-Württemberg seit 2014 in Stuttgart eine „ClusterAgentur“.

Seit bald einem Jahr belastet die Corona-Pandemie Wirtschaft und Unternehmen, weltweit hat sie Millionen ihren Job gekostet. Die gute Neuigkeit: sogenannte Cluster, das heißt lokale und regionale, aber auch nationale und transnationale Netzwerke und Partnerschaften zwischen Unternehmen, gelten als Treiber von Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung – und in Krisen als widerstandsfähiger.

Seit einigen Jahren fördert die Europäische Kommission die Entwicklung von Cluster-Initiativen in ganz Europa und hat dafür unter anderem die European Cluster Collaboration Platform gegründet. In einer Mitteilung aus dem Jahr 2017 zur „Stärkung der Innovation in Europas Regionen“ hatte die Kommission auf die wichtige Rolle von Clustern auf dem Weg hin zu widerstandsfähigem und nachhaltigem Wirtschaftswachstum verwiesen. Im Bereich der Industrie seien Cluster darüber hinaus Treiber des digitalen und grünen Wandels“, erklärt die Kommission auf ihrer Website zu industrieller Clusterpolitik.

Eine wichtige Initiative auf deutscher Seite ist in diesem Sinne die ClusterAgentur Baden-Württemberg 2.0 mit Sitz in Stuttgart. Insgesamt 1,4 Millionen Euro Zuschuss ist das Projekt der EU wert, die Finanzierung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) für die Periode 2014-20 erfolgte im Rahmen des Projekts „Innovation und Energiewende“.

Entstanden ist die ClusterAgentur 2014 unter dem baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, seit 2018 trägt sie im Zuge ihrer zweiten Laufzeit (noch bis Ende 2021) den Beisatz „2.0“.  Aufgabe der Agentur ist es, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Bewältigung technologischer und digitaler Herausforderungen sowie der Internationalisierung zu unterstützen. Als zentrale Anlaufstelle für die Cluster-Initiativen und Innovationsnetzwerke des Bundeslandes soll sie helfen, die Clusterpolitik des Bundeslandes weiter zu entwickeln, hin zu einer „regionalen Innovationspolitik“.

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Baden-Württemberg: Vorreiter in Sachen Clusterpolitik

Denn Baden-Württemberg sieht sich seit Jahren als bundesweiter Vorreiter in Sachen Innovation und Clusterpolitik. Bereits 2014 hatte der damalige Wirtschaftsminister Nils Schmid verkündet, sein Bundesland solle zum „Leitmarkt und Leitanbieter für das Thema Industrie 4.0“ werden. Im Jahr darauf erklärte das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Baden-Württemberg nehme in Sachen Clusterpolitik „eine Spitzenposition in Deutschland und Europa ein.“

Insgesamt zählt Baden-Württemberg auf seinem Clusterportal derzeit rund 80 Cluster-Initiativen, 14 davon in Stuttgart – hauptsächlich in den Bereichen Energie, Automobil und Biotechnologie. Ziel ist es in aller Regel, neben Wirtschaftsakteuren auch Wissenschaft und Politik zu vernetzen, um Zusammenarbeit und Innovation voranzutreiben.

Im Zuge dieser Clusterstrategie ist die ClusterAgentur für ihre Betreiber (Akteure der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, der Steinbeis 2i GmbH und der Baden-Württemberg International GmbH) eine „Erfolgsstory„. Die Agentur habe inzwischen „viele Erfolge vorzuweisen“, bestätigte auch ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums gegenüber EURACTIV. So unterstützte die ClusterAgentur beispielsweise die Cluster-Initiative „Medical Valley Hechingen“ – ein Netzwerk mit medizintechnischem Schwerpunkt – bei der strategischen Neuausrichtung.

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Cluster als Schnittstelle im Krisenmanagement

Gerade im aktuellen Kontext der Corona-Pandemie habe sich die Clusterstrategie außerdem bewährt: Cluster-Initiativen und Netzwerke hätten „durch ihre engen Kontakte zu den Unternehmen und ihre schnelle Reaktion als ideale Anlauf- und Schnittstelle“ fürs Krisenmanagement gedient und ihre „Agilität, Kreativität und Flexibilität“ unter Beweis gestellt, so der Sprecher des Ministeriums.

Unter dem fortwährenden Einfluss der Corona-Pandemie soll der Arbeitsschwerpunkt der ClusterAgentur 2.0 in diesem Jahr auf der Bewältigung der Krise stehen. „Die Pandemie hat die Wirtschaftssysteme weltweit massiv beeinträchtigt und durcheinandergewirbelt, auch in Baden-Württemberg“, so der Sprecher.

Themen wie Digitalisierung, Diversifikation, Transformation oder die Erschließung neuer Märkte stellen schon grundsätzlich „große Herausforderungen“ für die Wirtschaft dar, die Pandemie habe diese Themen nun obendrein „wesentlich geprägt“. Im Kontext der Krise gehe es der Agentur deshalb nun darum, „die Probleme des Clustermanagements und der Wirtschaftsförderung in Bezug auf die COVID-19-Pandemie“ anzugehen.

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gibt sich in dieser Hinsicht zuversichtlich: „Cluster-Initiativen werden auch zukünftig eine Schlüsselrolle bei der Schaffung digitaler, nachhaltiger, grüner und widerstandsfähiger industrieller Ökosysteme spielen.“

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