EFRE in Potsdam-Golm: Spielplatz der Innovation

Der Science Park Potsdam aus der Luft. [Rendering Technology Campus Golm, ProPotsdam GmbH @Machleidt GmbH]

Städte sind brummende Motoren der Innovation. Wo gewohnt und gelebt wird, wo junge Talente sich konzentrieren, entstehen auch Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen. Potsdam, Landeshauptstadt von Brandenburg, ist unter den deutschen Gemeinden der größte Konzentrationspunkt für Kultur, Wissenschaft und Innovation.

Neben über 40 Instituten im gesamten Stadtraum, befindet sich auch der Potsdam Science Park in Brandenburgs Hauptstadt, ein neuralgischer Punkt urbaner Innovation, unter anderem finanziert aus dem EU-Strukturfonds EFRE.

Auch wegen der Nähe zur Bundeshauptstadt Berlin eignet sich Potsdam hervorragend als Standort für Forschungseinrichtungen.

BerlinerInnen können rasch pendeln, die großen Unternehmen der Hauptstadt können bequem vorbeischauen, um eigene Innovationen voranzutreiben, Kooperationen auszuloten oder junge Talente zu rekrutieren. All das finden sie im Potsdam Science Park, der per Bahn von Berlin aus in 30 Minuten bequem zu erreichen ist.

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Standortpflege durch EU-Gelder

Insgesamt 12.500 Menschen arbeiten hier, sie studieren, forschen oder gründen. Der Park wuchs über die letzten Jahrzehnte organisch heran, doch ein Meilenstein war der ministerielle Beschluss 2015, das Areal als „Potsdam Science Park“ verstärkt zu fördern.

Eine interministerielle Task Force erstellte ein Strategiepapier, die Stadt Potsdam richtete die Standortmanagement Golm GmbH ein, um den Standort gezielt voranzubringen.

Damals konnten sich junge Unternehmen, wegen der fehlenden Mietangebote für Laborflächen nicht am Standort niederlassen und zogen weg. Erstes Ziel war es also neue Laborflächen zu schaffen und den Park bekannt zu machen, damit auch neue Unternehmen sich in Golm ansiedeln.

„Das war eine große Herausforderung für uns, die nur in Kooperation, insbesondere mit der Landeshauptstadt Potsdam gelingen konnte“, erinnert sich Agnes von Matuschka, Geschäftsführerin der GmbH, im Gespräch mit EURACTIV Deutschland.

Es habe nicht gereicht, den Science Park einfach nur zu erweitern, er musste ganz neu vermarktet werden. Dafür holte man sich eine Förderung des EU-Regionalfördertopfes EFRE: 2,5 Millionen Euro zwischen 2018 und 2020.

Ein neues Image musste her

In diesen drei Jahren wurde die Marke des Parks ganz neu aufgebaut, eine neue Website entstand, die Social Media-Präsenz wurde komplett umgestaltet. „Früher wurden immer Laborfotos verwendet, das war sehr steril, dabei haben wir hier auch viel von der Community und dem Standort selbst zu zeigen“, so von Matuschka. Mit dem neuen Image konnte man eine emotionale Bindung aufbauen. All das wurde zu 75 Prozent aus dem EFRE kofinanziert.

Weil drei Jahre für diese Aufgabe nicht reichten, wird nun noch einmal gefördert: Bis 2022 fließen weitere 750.000 Euro pro Jahr aus dem EFRE in die Kommunikation des Potsdam Science Park.

Ein langfristiges Ziel ist die Internationalisierung: Aus anderen europäischen Ländern sollen sich mehr Unternehmen und Institute im Park ansiedeln, vor allem in den bereits stark etablierten Bereichen wie Biotech, Life Science oder physische Chemie. Auch die Schwerpunkte Materialforschung, Optik, Physik, Informatik und Mathematik sind hier stark vertreten.

In Deutschland gebe es indes noch Herausforderungen für erfolgreiche Innovationsförderung, so von Matuschka. Schwierig sei etwa das fehlende Gründungs-Mindset: Anders als etwa in den USA fehle die Risikofreude, Kapital werde zu spät in Ideen investiert, es brauche mehr Frühfinanzierung und auch mehr Vertrauen in die Kraft der deutschen Startups.

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„In den USA ist es cool, Unternehmer zu sein“

Auch laufe die Translation zu zögerlich: Gute Ideen gebe es hierzulande genug, doch schafften es die ForscherInnen selten in die Realwirtschaft. „In den USA ist es cool, als Forscher auch Unternehmer zu sein. In Deutschland geht es vor allem darum, wissenschaftliche Papers zu produzieren und veröffentlichen“, so von Matuschka.

Auch deswegen versucht sie aktiv, Unternehmen und ForscherInnen zusammenzubringen, etwa durch regelmäßige Veranstaltungen – auch online, aktuell.

Einen Schwerpunkt legt von Matuschka auf Nachhaltigkeit. Der Potsdam Science Park wird in Zukunft stetig wachsen, demnächst ist eine Erweiterung um bis zu 60 Hektar möglich, und „wir wollen eine nachhaltige Weiterentwicklung“, so die Geschäftsführerin der Standortmanagement Golm GmbH.

Wenn etwa an der Universität Potsdam Energie gespart wird, so wird dieses Geld dem verantwortlichen Institut gutgeschrieben – dieses kann es für andere Zwecke einsetzen.

Für eine angenehmere Atmosphäre um den Bahnhof Golm arbeitet die Landeshauptstadt an einem Konzept für den Bau einer neuen lebenswerten Golmer Mitte.

„Hierzu arbeiten wir sehr eng mit der Stadtverwaltung und dem Ortsbeirat Golm zusammen”, so von Matuschka. Alle zwei Wochen trifft sie sich mit den KollegInnen der Potsdamer Stadtverwaltung, um diese und andere Themen voranzubringen.

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