Deutschland in drei von vier Projekten in Interreg B vertreten

Im INTERREG B Programm ist Deutschland an 75% aller Projekte innerhalb seiner sechs Programmräume beteiligt. [Grafik: Interreg]

Das Programm Interreg B ist Teil der Kohäsionspolitik der EU, gefördert wird die transnationale Zusammenarbeit staatenübergreifenden  Kooperationsräumen. Zweieinhalb Jahre läuft die derzeitige Förderperiode noch – Zeit für ein vorläufiges Fazit zur transnationalen Zusammenarbeit.

Hochwasser machen nicht an Landesgrenzen halt, genausowenig wie der Lebensraum bedrohter Tierarten. Um grenzüberschreitende Herausforderungen effektiv anzugehen, müssen Nationalstaaten kooperieren, Ressourcen und Erfahrung austauschen. Dafür sind die Interreg Programme der EU vorgesehen, die jedoch oft im Schatten der großen Mainstream-Programme der Strukturfonds stehen.

Finanziell sind die transnationalen Interreg-Programme im Vergleich zu diesen eher beschaulich ausgestattet. Gerade mal 2,1 Milliarden aus den insgesamt 351,8 Milliarden Euro der Strukturfonds der EU fließen in die 15 Interreg B-Programme.

Dafür sind sie inhaltlich breit aufgestellt. Von Energiewirtschaft zu Verkehr oder Innovation bis hin zum Naturschutz können Projekte gefördert werden. Das zur Verfügung stehende Budget und die damit einhergehenden Projektaufrufe geschehen in sogenannten Programmräumen innerhalb der EU. Sie orientieren sind nicht an nationalen Einheiten, sondern an geografischen und funktionalen Gegebenheiten, zum Beispiel an Wirtschafts- und Verkehrsströmen, Siedlungsstrukturen oder überregionalen Arbeitsmärkten. „Das Besondere an Interreg, auch in Bezug auf die anderen Förderprogramme, ist der gemeinsame Ansatz. Die Planung, Finanzierung und Durchführung geschieht immer durch mehrere Akteure verschiedener Mitgliedsstaaten. Dadurch hat Interreg einen besonders räumlichen Fokus“, so Brigitte Ahlke, die Projektleiterin im Referat für Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist.

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Deutschland ist in sechs Programmräumen der EU vertreten, nämlich dem Nord- und Ostseeraum, dem Donauraum, den Alpen sowie Nordwest- und Mitteleuropa. Sie alle binden mehrere angrenzende Mitgliedsstaaten ein und haben unterschiedliche Förderprioritäten. Statistisch betrachtet sind an einem einzigen Projekt  im Schnitt zwölf  Akteure aus verschiedenen Ländern vertreten, die Dauer beträgt rund drei Jahre und pro Projekt stehen rund 2.250.000 Euro zur Verfügung.

Die derzeitige Förderperiode läuft noch bis 2020. Erste Interreg-Projekte sind bereits abgeschlossen, doch die meisten befinden sich noch in der Implementierung. Da bislang erst etwa 80 Prozent der Mittel vergeben worden sind, werden noch bis nächstes Jahr Projektaufrufe veröffentlicht. 708.192.558 Euro, so der Stand diesen August, sind seit 2014 durch Interreg geflossen. „Die Nachfrage nach Projektförderung ist sehr groß, wir bekommen viel mehr Anträge rein als wir bewilligen können“, meint Brigitte Ahlke. Allein in den sechs Programmräumen, in denen Deutschland vertreten ist, wurden bisher knapp drei Tausend Anträge eingereicht, 934 von ihnen kamen in die zweiten Prüfrunde. Genehmigt wurden letztendlich rund 42 Prozent von ihnen.

Deutschland ist bisher sehr gut vertreten. In drei von vier Projekten sind deutsche Akteure involviert, in 20 Prozent der Fälle sind sie sogar Lead-Partner. Rund 500 deutsche Kommunen, Ministerien, NGOs, Verbänden oder Forschungseinrichtingen sind bei Interreg eingebunden. Eine beachtliche Zahl, meint Ahlke.

Dennoch ist Interreg kein Aushängeschild der Kohäsionspolitik; die meisten EU-Bürger kennen das Programm nicht. „Das liegt daran, dass der Mehrwert unserer Projekte schwer darzustellen ist. Wir können nicht so und so viele Kilometer gebaute Straße nachweisen, wie das zum Beispiel bei EFRE-Projekten der Fall ist“, meint Ahlke. „Es geht viel um Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Regionen und um die  Qualifikation von regionalen Akteuren. Interreg ist einfach nicht so greifbar.“

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Womöglich sieht das ab 2021 schon anders aus. Der Ende Mai von der Kommission vorgelegte Entwurf zur territorialen Zusammenarbeit in der nächsten Förderperiode enthält nämlich zum ersten Mal spezifische Indikatoren zur Bemessung des Erfolges von Interreg-Projekten. Das sind zum Beispiel die Teilnehmerzahl in gemeinsamen Fortbildungsprogrammen oder die Quote an Partnerschaften, die nach Projektende fortbestehen. Die Kommission sieht in ihrem Entwurf 8,4 Milliarden Euro für Interreg vor, davon sollen mehr als die Hälfte an grenzübergreifende Projekte an Landgrenzen und knapp ein Drittel in die transnationale und maritime Zusammenarbeit an Meeresbecken fließen.

„Die Vorschläge für die nächste Förderperiode  gehen in die richtige Richting“, meint Ahlke. „Erfreulich ist vor allem, dass die territoriale Ebene wieder stärker in den Vordergrund der Interreg-Programme gerückt werden kann. Vorher, mit dem Fokus auf eher sektoral ausgerichtete Förderziele wie Innovation, ist das Regionale manchmal in den Hintergrund getreten.“

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