Dänemark warnt vor „ernsten“ Brexit-Auswirkungen auf die Fischerei

Die dänischen Fischer sind abhängig von den Beständen in der britischen AWZ. [Shutterstock]

Sollten die derzeitigen Fischerei-Regelungen nach dem Brexit geändert werden, könnte die dänische Fischerei unter „ernsten“ wirtschaftlichen Konsequenzen leiden, warnt die Regierung Dänemarks.

In der von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie der Universität Kopenhagen wurden die Fangquoten sowie die Gewinnspannen der vergangenen drei Jahre analysiert, um die möglichen Auswirkungen des britischen EU-Austritts in vier möglichen Szenarien darzustellen.

In Szenario eins würden die derzeitigen Regelungen beibehalten und die dänischen Fischer dürften weiterhin in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Großbritanniens fangen. Dass diese Regeln aber tatsächlich unverändert fortgeführt werden, ist fraglich, wenn man bedenkt, dass Großbritannien aus der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU aussteigt.

Auch das Europäische Parlament scheint nicht von diesem Szenario auszugehen: Im Fazit einer neuen Bewertung der Gemeinsamen Fischereipolitik heißt es, der Brexit würde „fundamentale Veränderungen“ in dem Gebiet nach sich ziehen.

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In Vorbereitung des Brexit will die britische Regierung ein 50 Jahre altes Abkommen aufkündigen, das einigen europäischen Staaten den Fischfang in der Nähe der britischen Küsten erlaubt.

Anfang des Jahres hatte Großbritanniens Umweltminister Michael Gove angekündigt, Schiffe aus EU-Ländern sollten weiterhin einen „gewissen Zugang“ zu britischen Gewässern erhalten. Die Fischbestände seien für die heimische Industrie schlicht zu groß. Welche Art von Zugang sich Gove konkret vorstellt, ist bisher aber nicht klar.

Die drei anderen Szenarien der dänischen Studie zeichnen allesamt ein düsteres Bild für die Fischereiindustrie des Landes: Die Verluste könnten zwischen 66 Prozent in Szenario vier und sogar bei 82 Prozent in Szenario zwei liegen.

Die letztere, negativste Entwicklung sei zu erwarten, wenn dänische und andere EU-Schiffe komplett aus der britischen AWZ verbannt würden und dort überhaupt nicht mehr fischen dürften. Dadurch würde der Wert der Anlandungen um 57 Prozent fallen und die Gewinne um mehr als drei Viertel dezimiert.

Auch mit einer angepassten Regelung, unter der nicht-britische Fischer die fünf wichtigsten und verbreitetsten Fischarten in britischen Gewässern fangen dürften, könnten die heutigen Fänge nicht mehr erreicht werden und die Gewinne immer noch um die Hälfte fallen.

In der Studie wurden keinerlei Preisänderungen berücksichtigt, die aufgrund neuer Handelsvereinbarungen sowie Anpassung und Verhaltensänderung der dänischen Fischer entstehen könnten. Allerdings erklärten die Autoren, die dänischen Fischpreise seien „hauptsächlich durch den Weltmarktpreis beeinflusst“. Der Brexit an sich würde daher wohl „nicht zu großen Preisveränderungen“ führen.

Auswirkungen auf die Verarbeitungsindustrie

Sollte sich die Fangmenge tatsächlich so dramatisch reduzieren, würde dies auch weitreichende negative Auswirkungen auf die Weiterverarbeitung in Dänemark haben, warnt die Studie. Dies könnte aber zumindest teilweise abgefedert werden, wenn man britischen Schiffen weiterhin erlauben würde, in dänische Häfen einzulaufen.

Auch die Fischer Großbritanniens haben die Gefahren des Brexit erkannt und bereits verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um die Effekte zu mildern. So schlugen Vertreter der Lebensmittelindustrie aus dem östlichen County Lincolnshire vergangene Woche vor, zwei wichtigen Häfen einen speziellen Freihandels-Status zuzubilligen.

„Diese Häfen hätten dann das Privileg, dass keine Importsteuern und -zölle auf Fisch und Meeresfrüchte erhoben würden,“ erklärte Simon Dwyer, der Sprecher einer Vereinigung der größten britischen Produzenten, in einer Präsentation im Parlament.

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