Jens Spahn massiv unter Druck nach AstraZeneca-Stopp

Die Pandemie belastet aktuell die CDU, die Kritik konzentriert sich bei Jens Spahn. [FILIP SINGER / POOL / EPA]

The vaccination plan continues to wobble: Germany is suspending vaccination with AstraZeneca for the time being due to individual thrombosis cases. The criticism of Federal Health Minister Spahn is getting louder.

This is an article from EURACTIV’s media partner Deutsche Welle.

She had already marked Monday in red in her diary, it all spoke for a perfect day. First the long-awaited visit to the hairdresser and then, to top it off, the appointment at the vaccination center. But just as Petra Müller [name changed by the editor] is about to pay for her haircut, she receives an e-mail from the health department: vaccination appointment canceled due to the stop of vaccinations with AstraZeneca.

„It was actually the case for me that I hadn’t been as excited as I was for this vaccination for a long time. That was emotionally tough for a while,“ the pastor told DW a day later.

Belgien hält an Astrazeneca fest

Während einige Länder den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs vorübergehend gestoppt haben, betonte Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke gestern, es wäre „unverantwortlich, in diesem Stadium einen Stopp einzulegen“.

Will people still be vaccinated with AstraZeneca now?

She was not completely unprepared for the short-term cancellation; she had already heard about the discussion about stopping the vaccine through the media. In retrospect, Petra Müller would have preferred it the other way around: vaccinated, but still with longer hair, because she is often in contact with older and younger people. As a pastor and teacher for religion in a third and fourth grade of a primary school.

„Manchmal bin ich morgens in der Schule und direkt danach bei einer Beerdigung. Natürlich achten wir dort auf Abstand und die Masken, aber ich finde es schon sehr wichtig, für mich und vor allem für die älteren Personen, einen Schutz zu haben.“

Wird sie sich trotz der Diskussionen um die Nebenwirkungen von AstraZeneca sofort impfen lassen, wenn sie jetzt wieder einen Termin bekommt? „Natürlich“, sagt Petra Müller ohne zu zögern. Aber sie befürchtet, damit zu einer Minderheit zu gehören. „Ich glaube, dass viele Menschen sich jetzt nicht mehr mit diesem Vakzin impfen lassen werden, wenn es wieder zugelassen wird.“

Russland meldet Vereinbarung zu Sputnik-V-Produktion in Deutschland

Während immer mehr Länder die Corona-Impfung mit Astrazeneca wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen aussetzen, geht Russland mit seinem Vakzin Sputnik V in die Offensive.

Hektik, dann Ruhe im Impfzentrum

Überall in Deutschland war am Montagnachmittag angesichts des Impfstopps für AstraZeneca große Hektik ausgebrochen. Auch im World Conference Center in Bonn, das zum Impfzentrum in der alten Hauptstadt umfunktioniert worden war. 200 Personen wurden kurzfristig mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer geimpft, andere nicht mehr ins Impfzentrum hineingelassen, 5500 Termine bis Ende kommender Woche storniert.

Vor allem für die geplanten Impfungen in den Bonner Arztpraxen hat der Impfstopp große Auswirkungen, denn 40.000 Menschen mit relevanten Vorerkrankungen sollten dort ab Ende März mit AstraZeneca geimpft werden. „Das fällt jetzt weg“, sagt Jochen Stein, Leiter der Bonner Berufsfeuerwehr. Laut Stein lagern 1300 Impfdosen von AstraZeneca in Bonn. Immerhin: bis Mai seien diese haltbar.

Diskussion um Impfstoffversorgung nach Astrazeneca-Lieferkürzung verschärft sich

Österreich und vier weitere Staaten forderten Gipfelberatungen zu den „riesigen Ungleichheiten“ bei der Impfstoffverteilung. Derweil setzte auch Irland die Impfungen mit dem Vakzin wegen möglicher Nebenwirkungen aus.

„Über-80-Jährige, die noch kein Angebot bekommen haben“

500 Kilometer nordöstlich, in Berlin, kann Niema Movassat nicht länger an sich halten und setzt einen Tweet ab. Gerade hat der Abgeordnete der Linken erfahren, dass der demente Großvater seiner Frau in seinem Altersheim in Sachsen-Anhalt nicht mit AstraZeneca geimpft werden wird. Movassat schickt bei Twitter noch eine Botschaft an den Gesundheitsminister hinterher – den Mann, den er für das ganze Chaos verantwortlich macht.

„Ein bisschen erinnert die deutsche Bekämpfung der Corona-Krise an das Orchester auf der Titanic. Die Musik läuft weiter, während das Schiff absäuft“, so Movassat, „und Jens Spahn stellt sich hin und sagt, in jeder Familie gebe es jemanden, der schon geimpft worden sei. Das mag zwar statistisch stimmen, entspricht aber nicht der Realität vieler Menschen. Es gibt immer noch viele Über-80-Jährige, die noch kein Angebot bekommen haben.“

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EU-Kommissionsvize Timmermans räumt Fehler in Brüssel bei der Impfstoff-Bestellung ein. Einer politischen Aufarbeitung will er sich nicht verweigern.

Warum keine Entscheidung über AstraZeneca im Parlament?

Der Zeitverlust für Hochrisikopatienten wie den Großvaters seiner Frau sind für den Linken-Abgeordneten das eine, genauso schwer wiege aber der immense Vertrauensverlust in die Politik, das Schwinden der Akzeptanz. „Es kann doch nicht sein, dass so viele Länder auf der Welt das besser hinbekommen als wir!“

Niema Movassat hätte, statt die Impfung mit AstraZeneca zu stoppen, kurzfristig eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Bundestages einberufen, die Entscheidung also in die Hände des Parlaments gelegt. Jens Spahn jedenfalls, so sieht es Movassat, sei spätestens jetzt nicht mehr tragbar. „Er wurstelt sich durch, aber politisch ist Spahn am Ende. Ich wundere mich, dass er überhaupt noch da ist.“

Noch am Morgen des Montags hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Impfstoff verteidigt, auch, nachdem mehrere europäische Länder das Impfen mit AstraZeneca bereits gestoppt hatten. Jetzt bezeichnete Spahn das Aussetzen als „reine Vorsichtsmaßnahme“, die aber, so die Einschätzung von Experten, den Fortgang des Impfens in Deutschland um einen Monat verzögern könnte. Und das genau zu dem Zeitpunkt, an dem die tägliche Neuinfektionen in Deutschland wieder rasant steigen.

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Langsames Impfen, zu viel versprochen bei den Schnelltests

Für Minister Spahn ist die Aussetzung eine weitere Hiobsbotschaft. Vor allem ihm wird im politischen Berlin der schleppende Impfstart zur Last gelegt, Spahn selbst verweist immer wieder auf die Verantwortung der Länder bei der Umsetzung. Zuletzt hatte Spahn auch die rasche Bereitstellung von Schnelltests angekündigt und musste seinen Plan, Anfang März mit der Auslieferung zu beginnen, auf Anweisung des Kanzleramtes zurücknehmen.

Jetzt steht Spahn also erneut in der Kritik. So sagte die Expertin für Infektionsschutz der Grünen, Kordula Schulz-Asche: „Die Nachricht von der Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca wird die ohnehin schon große Verunsicherung verstärken.

Gerade weil die Sicherheit von Impfstoffen so wichtig ist, kann ein Gesundheitsminister eine Entscheidung solcher Tragweite nicht einfach so nebenbei verkünden und damit die Impf-Zentren überrumpeln. Die Impf-Kampagne braucht Vertrauen – das hat Jens Spahn heute ein weiteres Mal beschädigt.“ Und auch die Äußerungen von CSU-Chef Markus Söder, dem Ministerpräsidenten in Bayern, sind für Spahn keine große Hilfe. Söder sagte im ZDF-Fernsehen, er glaube nicht, dass der Impfstoff lange ausgesetzt bleibe, er selbst würde sich sofort mit AstraZeneca impfen lassen.

Die Aussetzung des Impfens mit AstraZeneca trifft die Bundesregierung und die Verantwortlichen in den Ländern zur Unzeit. Nach dem mehr als schleppenden Start der Impf-Kampagne in Deutschland hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder gehofft, vor allem mit dem Serum des britisch-schwedischen Herstellers endlich Schwung in ihre Pandemie-Politik zu bekommen.

Ab Mitte April sollten eigentlich die Hausärzte in ihren Praxen großflächig mit dem Impfen beginnen, vor allem mit dem Produkt von AstraZeneca, das anders als der Impfstoff des deutsch-amerikanischen Herstellers BionTech/Pfizer lange im Kühlschrank gelagert werden kann.

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Impfgipfel: abgesagt

Am Mittwoch dieser Woche wollten Merkel und die Länderchefs auf einem eigens anberaumten Gipfel im Kanzleramt Details festlegen, aber der Termin wurde abgesagt, nachdem das zuständige Paul-Ehrlich-Institut empfohlen hatte, das Impfen mit AstraZeneca erst einmal zu stoppen. Offenbar soll der Gipfel nun am Freitag stattfinden. Der Präsident des Instituts, Klaus Cichutek, sagte dazu im ARD-Fernsehen: „Ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger wollen sich darauf verlassen, dass die Impfstoffe, die wir anbieten, sicher sind und wirksam sind.“ Zu Auswirkungen auf die Impf-Kampagne sagte er: „Wenn es ein bisschen länger dauert, ist das okay.“

But many experts see it very differently: The pandemic officer at the „Rechts der Isar“ clinic in Munich, Christoph Spinner, said that although safety is the top priority, the exposure can at least be questioned. „The events are very rare and we are currently vaccinating people with previous illnesses as a priority.“

Some of these patients would have an increased risk of thromboembolism from the outset. How long the vaccine will not be available for the time being is open. The European Medicines Agency EMA wants to deal with the matter again on Thursday.

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