Bulgarische Gewächshäuser schließen wegen hoher Gaspreise

Gasspeicher und Gasleitung in Ihtiman, Bulgarien. [Shutterstock / Ju1978]

Fast 70 Prozent aller Gewächshäuser für den Gemüseanbau haben aufgrund der hohen Gaspreise ihre Produktion im Winter eingestellt, teilte der Verband der Gewächshausproduzenten dem staatlichen Radio und Fernsehen mit. Dies habe zu einem Mangel an bulgarischen Tomaten und Gurken auf dem heimischen Markt geführt.

Die Landwirt:innen entlassen ihre Mitarbeiter:innen und zahlen bereits Strafzahlungen aufgrund ihrer Gaslieferverträge. Der wichtigste Gaslieferant ist das staatliche Unternehmen Bulgargaz.

„Jedes Jahr machen wir eine frühe Ernte, die eigentlich schon da sein sollte, aber dieses Jahr haben wir unter diesen Bedingungen einfach beschlossen, dass wir keine Chance haben zu überleben, wenn wir das tun. Das wäre Selbstmord“, sagte Stoyan Berberov, Leiter eines Gewächshauses in der südlichen Stadt Rakovski.

Im Winter wurden mindestens 10.000 Menschen in den Gewächshäusern entlassen, die jetzt Produkte anbauen, für die nicht geheizt werden muss. Die Gewächshausproduzenten fordern eine staatliche Entschädigung für den Fall einer weiteren Gaspreiserhöhung.

Anfang Januar ist der Preis um 30 Prozent auf 67 EUR pro Megawattstunde (MWh) gestiegen, was weit unter den Preisen der Gasbörsen in Westeuropa liegt. Der Grund dafür ist, dass Bulgargaz langfristige Verträge mit Russland und Aserbaidschan hat, die die Preise stabil halten.

Die Landwirt:innen im ärmsten Land der EU sind jedoch anfällig für jeden Anstieg der Energiepreise. Der Bauernverband nennt das Beispiel von Tomaten und Gurken, die aus Griechenland, Nordmazedonien und der Türkei nach Bulgarien importiert werden.

„Warum haben unsere Nachbarn Erfolg und erobern ausländische Märkte, und warum scheitern wir? Nach Ansicht von Kollegen ist der Staat in unserem Land die Stiefmutter der Erzeuger“, sagte Teodora Krasteva vom Verband der Gewächshäuser.

Die Organisation verweist auf das Beispiel Griechenlands, wo die Gas- und Strompreise ebenfalls in die Höhe schießen, die Gewächshäuser aber weiterarbeiten, weil sie vom Staat unterstützt werden.

Die bulgarischen Erzeuger fordern eine Entschädigung von 70 Prozent für den verbrauchten Brennstoff.

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