Brüssel mit Unterstützung für die europäische Batterie-Industrie

Europa will sich seinen Teil des Kuchens im boomenden Batterie-Geschäft sichern. [Shutterstock]

This article is part of our special report Umbruch in der europäischen E-Mobilität.

Mit dem fortgesetzten Boom der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien werden Batterien und Speicher immer wichtiger. Die EU will dazu beitragen, dass die aufstrebende europäische Industrie gegen andere Staaten wie China und Hersteller wie Tesla bestehen kann.

Die Batterieproduktion ist ein großes Geschäft: Der globale Markt wird auf rund 250 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Nun wurde eine Reihe neuer Initiativen entwickelt, um Europa dabei zu helfen, seinen Teil zu diesem Markt beizutragen.

Nach den neuen Plänen der Europäischen Kommission geht es darum, so viele Batterien wie möglich in Europa selbst zu produzieren und dabei weitgehend auf in Europa geschürfte Rohmaterialien zurückzugreifen.

Der Strategieplan für Batterien, der in der vergangenen Woche zeitgleich mit den neuen Vorschriften über CO2-Emissionen von Lastkraftwagen vorgestellt wurde, soll auf den bereits im Oktober vergangenen Jahres eingeleiteten Bemühungen für eine Europäischen Batterieallianz aufbauen.

Der größte Batterie-Fan in der EU-Exekutive, Vizepräsident Maroš Šefčovič, sagte gegenüber EURACTIV, die Arbeit hätte eigentlich noch früher beginnen sollen, da die Batterien in der Elektromobilität eine wichtige strategische Rolle spielen.

Der slowakische Kommissar zeigte sich fest entschlossen und optimistisch, dass die Anstrengungen sich auszahlen werden: „Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin begeistert und beeindruckt, wie die Batterie-Allianz eingeschlagen hat. Wir haben die richtigen Leute am Start,“ so Šefčovič. Er fügte hinzu: „Es gab 80 Unternehmen auf dem Gebiet, jetzt sind es 120 Industrie-Akteure“.

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Maroš Šefčovič erklärt im Interview, erneuerbare Energien müssten verstärkt in die E-Auto-Branche integriert und der Elektrizitätsmarkt umgekrempelt werden, um die „Elektro-Revolution“ weiter voranzutreiben.

Der neue Aktionsplan, der weitgehend auf Empfehlungen der Industrie basiert, legt einen umfassenden Fahrplan fest, der eine Bewertung der Verfügbarkeit von Rohstoffen in 13 Ländern, die Kopplung von erneuerbarer Energie an die Batterieproduktion und die Verbesserung der rechtlichen Standards umfasst.

Viel Geld für Batterien

Der Plan verweist auch auf die in diesem Finanzzeitraum noch verfügbaren Mittel für Forschung und Innovation: 110 Millionen Euro stehen noch für rein batteriebezogene Forschung und Entwicklung zur Verfügung, während vom Europäischen Innovationsrat bis zu zwei Milliarden Euro für „Next Generation Projects“ beansprucht werden könnten.

Die Europäische Investitionsbank hat kürzlich zugesagt, mehr als 50 Millionen Euro in eine geplante Batteriefabrik in Schweden zu pumpen, die von dem ehemaligen Tesla-Mitarbeiter Peter Carlsson geleitet wird. Das würde eine bereits in Betrieb befindliche Anlage in Polen ergänzen, die aktuell das größte Batteriewerk Europas ist.

Šefčovič erklärte auch, die Kommission werde Schürfarbeiten in Portugal – wo Lithium, ein wichtiger Bestandteil von Batterien für Elektrofahrzeuge, reichlich vorhanden ist – und in Finnland und Schweden unterstützen. In den skandinavischen Ländern könne „überraschenderweise“ Kobalt gefördert werden.

Die EU ist jedoch nicht die erste internationale Macht, die eine vollständige inländische Produktion von Rohstoffen anstrebt. Elektro-Pionier Tesla hat bereits angekündigt, seine Batterien bald zu 100 Prozent aus nordamerikanischen Rohstoffen herstellen zu wollen.

Nachhaltige Rohstoffe

Batterien sollen Europa helfen, seine Wirtschaft CO2-neutraler zu machen und somit die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Doch die Batterie-Lieferkette ist nach wie vor von einer Reihe anderer Umwelt- und Nachhaltigkeitsprobleme betroffen.

So wird der größte Teil des für Batterien verwendeten Kobalts in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, und der Großteil des Flockengraphits stammt aus chinesischen Minen. Keines der beiden Länder ist für seine uneingeschränkte Einhaltung der Menschenrechte oder für seine guten Arbeitsbedingungen bekannt.

Deshalb wird im Aktionsplan auch angekündigt, die EU werde ihren Spielraum in Freihandelsabkommen bzw. in Verhandlungen darüber nutzen, um sicherzustellen, dass in Drittländern verantwortungsbewusster Bergbau betrieben wird. Ende 2018 wird sich die Kommission auch mit den Regierungschefs der Mitgliedstaaten zusammensetzen, um deren Rohstoffpolitik zu bewerten.

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Die NGO Transport & Environment (T&E) begrüßte die Ausrichtung des Strategieplans auf Nachhaltigkeit und stimmte zu, dass seine „rasche Umsetzung“ die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken werde.

T&E warnte jedoch davor, dass das Fehlen von Verkaufszielen für Elektroautos in Gesetzentwürfen die Bemühungen der Kommission untergraben könnte. Die NGO gab zu bedenken, dass „Hersteller, die in die europäische Lieferkette investieren wollen, auf die Größe und Stärke des Elektroauto-Marktes vertrauen können müssen“.

Bevorzugt die Kommission bestimmte Batterien?

Der Aktionsplan ist jedoch bereits in die Kritik geraten, die auch schon an anderen von der Kommission vorgeschlagenen Verkehrs- und Energieinitiativen geäußert wurde: Nämlich, dass er andere Technologien außen vor lässt.

Die European Association for the Storage of Energy (EASE) begrüßte die Veröffentlichung der Strategie und die Unterstützung der Kommission für den Batteriesektor, forderte jedoch, den Plan zu erweitern. EASE sagte gegenüber EURACTIV, der Aktionsplan solle sich „nicht nur auf Batterien konzentrieren“.

Weiter hieß es: „Tatsächlich werden wir alle Speichertechnologien – kurz und lang, stromintensiv und energieintensiv – benötigen, um eine reibungslose Energiewende zu gewährleisten.“

Dieser Meinung schloss sich auch der Blei-Lobbyverband International Lead Association (ILA) an, der die Kommission dafür kritisierte, dass sie „alles auf eine Karte“ setze und dabei Blei-Technologien „ignoriert“.

Die ILA sagte in einer Erklärung, das erwartete Wachstum in der Nachfrage nach Batteriespeichern werde es für „eine einzelne Batterietechnologie“ unmöglich machen, den Bedarf allein zu decken. Der Verband betonte, fortschrittliche Bleibatterien würden ebenso wie Lithium in großem Maßstab benötigt.

Obwohl Blei ein wichtiger Bestandteil vieler herkömmlicher Autobatterien ist, werden zukünftige Elektrofahrzeuge voraussichtlich weitgehend von Lithium-Ionen-Akkus angetrieben werden. Es wird erwartet, dass der Energiebedarf für solche Fahrzeuge von 15,9 GWh im Jahr 2015 auf 93 GWh im Jahr 2024 steigen wird.

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Batterien, Recycling und die Kreislaufwirtschaft

Allerdings unterstützt der Aktionsplan die Idee der Kreislaufwirtschaft. Gerade im Bleisektor gab es in dieser Hinsicht große Fortschritte; inzwischen werden mehr als 99 Prozent aller Bleibatterien gesammelt und recycelt. Neue Batterien enthalten bis zu 85 Prozent recycelte Materialien aus europäischem Batterieschrott.

Im Rahmen des Plans will die Kommission auch die Sammel- und Verwertungsquoten für Batterien im Rahmen einer laufenden Überprüfung der Batterierichtlinie bewerten und auf der Grundlage einer im September anstehenden Bewertung verbesserte Kriterien und Kennzeichnungsanforderungen vorschlagen.

Kommissar Šefčovič wies darauf hin, dass „hochwertigere Batterien bessere Standards brauchen“ und dass „kein Gramm kostbares Material verschwendet werden sollte“, wenn die europäische Batterie-Industrie in den kommenden Jahren an Fahrt aufnehmen soll.

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