Britischer Premierminister Boris Johnson auf Intensivstation verlegt

"Im Laufe des heutigen Nachmittags hat sich der Zustand des Premierministers verschlechtert." [EPA-EFE/WILL OLIVER]

Der britische Regierungschef Boris Johnson ist wegen seiner Covid-19-Erkrankung auf die Intensivstation verlegt worden. Der Gesundheitszustand des 55-Jährigen habe sich im Verlauf des Nachmittags verschlechtert, teilte das Büro des Premierministers am Montagabend mit. 

Der Regierungschef habe Außenminister Dominic Raab gebeten, „ihn zu vertreten, wo es nötig ist“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wünschten Johnson eine baldige Genesung.

Johnson sei bei Bewusstsein, hieß es aus Regierungskreisen. Er sei „vorsichtshalber“ auf die Intensivstation verlegt worden – für den Fall, dass er ein Beatmungsgerät benötigen sollte.

Johnson hatte seine Coronavirus-Infektion Ende März öffentlich gemacht. Nach gut einer Woche in Quarantäne mit Fieber wurde der Premierminister am Sonntagabend in ein Krankenhaus eingeliefert, da er weiterhin Covid-19-Symptome zeigte.

Raab kündigte an, er werde als Vertreter des erkrankten Regierungschefs dessen Kurs im Kampf gegen das neuartige Coronavirus fortsetzen. Die Regierung werde sich darauf konzentrieren, die Vorgaben des Premierministers und die vorgesehenen Maßnahmen umzusetzen, „um das Coronavirus zu besiegen“, sagte Raab am Montagabend in der BBC. Johnson sei im St Thomas‘ Krankenhaus in London in „sicheren Händen“.

Der britische Regierungschef war zu Beginn der Corona-Krise in die Kritik geraten, weil er restriktive Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie abgelehnt hatte. Inzwischen gilt im ganzen Königreich eine Ausgangssperre. Bis Montag wurden in Großbritannien mehr 50.000 Corona-Infektionen nachgewiesen, fast 5400 Menschen starben.

Kurz nach der Mitteilung über die Verlegung des britischen Premiers auf die Intensivstation trafen Genesungswünsche aus dem In- und Ausland ein. Johnson habe ebenso wie das britische Volk „in diesem schweren Moment meine ganze Unterstützung“, erklärte Frankreichs Staatschef Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er hoffe, dass der britische Regierungschef die Krankheit „schnell übersteht“.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen wünschte dem britischen Premier ebenfalls eine „schnelle und vollständige Genesung“. Ihre Gedanken seien bei Johnson und seiner Familie, twitterte sie. Ähnliche Botschaften übermittelten Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon, ihr niederländischer Kollege Mark Rutte und Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Der neue Labour-Chef Keir Starmer sprach von „sehr traurigen Neuigkeiten“. Seine Gedenken seien bei Johnson und seiner Familie.

Johnson ist weltweit der ranghöchste Politiker, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde. Auch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock und der Thronfolger Prinz Charles hatten sich mit dem Erreger Sars-Cov-2 infiziert. Beide sind aber inzwischen wieder genesen.

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Am Montagnachmittag hatte sich Johnson noch über den Kurzbotschaftendienst Twitter aus dem Krankenhaus gemeldet und erklärt, er sei „guter Stimmung“. Er stehe weiterhin in Kontakt mit seinem Team, mit dem er an einer Eindämmung der Pandemie arbeite. Der Premier dankte zudem den „brillanten Mitarbeitern“ des britischen Gesundheitssystems, „die sich in dieser schwierigen Zeit um mich und andere kümmern“.

In Johnsons Umfeld waren zuvor Befürchtungen geäußert worden, wonach die Erkrankung des Premiers sich unter seiner hohen Arbeitsbelastung verschlimmert haben könnte. Viele der an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 leidenden Patienten zeigten Fieber- und Erschöpfungssymptome und nutzten die „Isolation, um zu schlafen und sich zu erholen“, erklärte die Gesundheitsstaatssekretärin Nadine Dorries, die selbst eine Corona-Infektion überwunden hat.

Johnson habe seine „Gesundheit riskiert und unseretwegen jeden Tag gearbeitet, um den Kampf gegen dieses abscheuliche Virus anzuführen“, erklärte Dorries weiter. Auch Wohnungsbauminister Robert Jenrick hob hervor, dass Johnson seit Beginn der Corona-Krise „unglaublich hart“ gearbeitet habe.

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