Britische Krebspatienten fürchten um Zugang zu Strahlentherapie nach Euratom-Ausstieg

Aufbau des Protonenbeschleunigers im Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie (Oncoray) der TU Dresden, 6. Februar 2013. [EPA]

Britische Parlamentsabgeordnete fordern Garantien, dass Krebspatienten aus dem Königreich auch nach dem Brexit Zugang zu neuartigen Strahlentherapien haben. Dies sei durch den Austritt aus den Euratom-Verträgen gefährdet.

In einem am Montag veröffentlichten Bericht warnt das European Scrutiny Committee, die zuständigen Minister müssten klarstellen, „welche Vereinbarungen für den Import von medizinischen Isotopen nach dem Brexit gelten.“ Das Scrutiny Committee ist ein Ausschuss des britischen Parlaments, der sich mit den politischen und juristischen Auswirkungen von EU-Dokumenten auseinandersetzt.

Die Frage, ob britische Krebspatienten zukünftig den Zugang zu neuartigen Therapiemethoden verlieren könnten, besorgt die britische Medizin-Fachwelt, seit Premierministerin Theresa May in ihrem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk, mit dem Artikel 50 zum EU-Ausstieg ausgelöst wurde, erklärt hatte, das Land werde auch aus der Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) ausscheiden.

Der Brexit-Beauftragte und Chefverhandler David Davis hat angekündigt, Großbritannien werde stattdessen eine eigene Atom-Regulierungsbehörde aufbauen. Dennoch bleibt die Sorge, dass neue Zölle auf die Einfuhr von Radioisotopen erhoben werden könnten. Diese ist ohnehin bereits sehr strikt reguliert.

Briten wollen auch nach dem Brexit Teil von Euratom bleiben

Laut einer Umfrage spricht sich die Mehrheit der Briten gegen die Pläne ihrer Regierung aus, mit dem Brexit auch aus den Euratom-Verträgen auszusteigen.

Im November hatte Dr. John Buscombe, Präsident der British Nuclear Medicine Society, im House of Lords unterstrichen, dass jedes Jahr fast eine Million Menschen in Großbritannien Strahlentherapien erhalten. 80 Prozent der dafür benötigten Materialien werden aus anderen EU-Ländern importiert.

Energieminister Richard Harrington versicherte allerdings „ausdrücklich, dass die Möglichkeiten Großbritanniens, Isotope aus der EU oder dem Rest der Welt einzuführen, durch den Ausstieg aus Euratom nicht beeinträchtigt werden.“

Besorgte Onkologen und Radiologen erinnern an den zwei Jahre andauernden Engpass zwischen 2008 und 2010, als Zulieferer-Reaktoren in Kanada und den Niederlanden geschlossen wurden, die Molybdän-99 lieferten. Dieses Isotop ist der in der Nuklearmedizin am häufigsten verwendete Stoff. Das genutzte Molybdän-99 und sein Zerfallsprodukt Technetium-99m werden nicht in Großbritannien hergestellt.

„Ich habe während des Technetium-Engpasses, der weit über ein Jahr andauerte, als Brustkrebs-Chirurgin gearbeitet. In dieser Zeit mussten wir die durchgeführten Knochenscans auf die dringendsten und besorgniserregendsten Fälle reduzieren,“ so Dr. Philippa Whitford, Parlamentsabgeordnete und Mitglied des European Scrutiny Committee.

Der Atomindustrieverband NIA fordert ein Übergangsabkommen, mit dem die aktuellen Vereinbarungen im Rahmen von Euratom auch nach dem Ausstieg im März 2019 beibehalten werden. Dieses müsse Bestand haben, bis Großbritannien ein neues Atom-Kooperationsabkommen mit der EU geschlossen hat.

Der Parlamentsausschuss für den Brexit trifft sich am morgigen Donnerstag an der Universität Cambridge mit der Wissenschaftsorganisation und Aufklärungskampagne Cancer Research UK. Bei dem Treffen soll es neben der Euratom-Frage um weiteres Engagement Großbritanniens in EU-Agenturen sowie um die Sicherung von Wissenschaftsförderungen nach dem Brexit gehen.

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