Brexit: Eklat im britischen Parlament

Die Nerven im britischen Parlament liegen blank. Während einer Fragestunde soll Oppositionschef Jeremy Corbyn Premierministerin Theresa May beleidigt haben.

Die Nerven im britischen Parlament liegen blank. Während einer Fragestunde soll Oppositionschef Jeremy Corbyn Premierministerin Theresa May beleidigt haben. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Der britische Oppositionschef Jeremy Corbyn hat sich mit einer vor sich hin gemurmelten Beschimpfung von Premierministerin Theresa May den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit eingehandelt.

Während einer hitzigen Brexit-Debatte am Mittwoch im Unterhaus, bei dem sich May über Corbyn mokierte, wurde der Labour-Chef dabei ertappt, wie er angeblich „dumme Frau“ („stupid woman“) in seinen Bart brummte – was sein Sprecher allerdings dementierte.

Ein Video seines stillen Ausbruchs sorgte schon kurz darauf im Internet – und anschließend auch im Parlament – für Furore. Mehrere Tory-Abgeordnete warfen Corbyn vor, genau die Kultur des Mobbing gegen Frauen zu repräsentieren, für die das Parlament erst vor kurzem in einem Bericht gerügt worden war. Auch einige weibliche Labour-Abgeordnete kritisierten den
Ausspruch.

Brexit: May erkauft sich Zeit

Mit der Verschiebung einer für heute geplanten Abstimmung erkaufte May sich etwas Zeit, um ihren angeschlagenen Brexit-Deal noch zu retten. Nun will sie mit der EU nachverhandeln.

Zu ihrer Meinung befragt, sagte die Premierministerin, jeder im Parlament sollte Frauen ermutigen, sich an der Politik zu beteiligen und das auch durch eine korrekte Sprache reflektieren – insbesondere im „hundertsten Jahr des Frauenwahlrechts“.

Corbyns Sprecher wies den Vorwurf zurück. Der Labour-Chef habe aus Ärger über die unsachliche Debatte über die „nationale Krise“ „stupid people“ (dumme Leute) gemurmelt, sagte der Sprecher. Er fügte hinzu, Corbyn selbst habe unmissverständlich erklärt, dass er keineswegs „dumme Frau“ gesagt und auch keine Zeit für „irgendwelche frauenfeindliche Beschimpfungen“ habe.

Parlamentssprecher John Bercow sagte, er habe den Vorfall nicht gesehen, doch sollten die Vorwürfe zutreffen, müsse sich Corbyn vor dem Unterhaus in aller Form entschuldigen. Bercow, dem selbst Mobbing und frauenfeindliche Aussprüche vorgeworfen werden, wurde daraufhin ebenfalls zur Zielscheibe von Angriffen.

Parlamentspräsidentin Andrea Leadsom fragte den Speaker, warum er sich denn seinerseits nie dafür entschuldigt habe, dass er sie vor einiger Zeit als „stupid woman“ beschimpft habe. Bercow antwortete, das Problem sei bereits bereinigt – er hatte damals zugegeben, „stupid“ gemurmelt zu haben.

Positionen

Lauter Brexit-Gefangene

Egal, wie das britische Parlament über den Deal mit der EU entscheiden wird: Mit dem Ergebnis wird keiner so richtig gut umgehen können, meint Melanie Sully.

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