Brenner-Transit sorgt für dicke Luft

Der Schienenverkehr am Brenner soll ausgebaut werden, denn Frachtunternehmen setzen weiterhin vor allem auf LKW-Transporte. [hpgruesen/ pixaby]

Der für den 12. Juni in Bozen geplante Gipfel zum Transitverkehr auf der Brenneroute droht zu platzen.

Die 166 Kilometer lange Autobahnstrecke von Kufstein über Innsbruck nach Bozen, die so genannte Brennerroute, gehört zu den meist frequentierten Straßen Europas. Im vergangenen Jahr wurden hier 2,25 Millionen LKW gezählt. Allein in den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres wurde eine Zunahme um fast 20 Prozent registriert. Die Lärm-, Feinstaub- und CO2-Belastung hatte nicht nur die allgemeine Einführung von Tempo 100 zur Folge sondern führt nun an verkehrsstarken Tagen auch zur so genannten Blockabfertigung, bei der nur 250 Trucks pro Stunde von Bayern nach Tirol einreisen dürfen. Was vor allem die Frächter auf die Palme treibt, weil Transport-Verzögerungen Kosten verursachen. Das wiederum kümmert nicht die Bevölkerung im Inn-, Wipp- und Eisacktal. Für sie hat die Verkehrslawine ein Ausmaß erreicht, das nach Lösungen verlangt.

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Daher hat die Politik für kommenden Dienstag zu einen Brennergipfel nach Bozen geladen. Die Spitzenvertreter von Deutschland, Österreich und Italien sowie von Tirol, Südtirol und dem Trentino sollen bei diesem Treffen nach Möglichkeiten der nachhaltigen Verkehrsentlastung suchen. Allen voran geht es dabei um die Verlagerung des LKW-Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Und hier liegt offensichtlich ein Problem. Denn die Angebote des Bahntransports von Rosenheim bis Verona beziehungsweise von Wörgl bis zum Brenner wurden zwar kapazitätsmäßig ausgebaut, werden aber von den Frachtunternehmen immer weniger genutzt.

Nun steht der Transitgipfel an der Kippe. Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat nämlich seine Teilnahme abgesagt. Als Grund nennt er sein Meeting mit dem österreichischen Amtskollegen Norbert Hofer (FPÖ) am Mittwoch in Brüssel. Scheuer: „Nach dem Gespräch ist mir klar geworden, dass das Land Tirol an einer kurzfristigen Lösung nicht interessiert ist“. Denn, so Scheuer, Tirol will an den Blockabfertigungen festhalten, „wir aber wollen in Europa Lösungen für den freien Warenverkehr und nicht regionale Engstirnigkeit“.

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Diesen Vorwurf lässt freilich Tirols Landeshauptmann Günther Platter nicht auf sich sitzen, wirft Scheuer einen schlechten Stil, Überheblichkeit und eine Ignoranz der Probleme vor, die die Bevölkerung bewegen. Und er weist auf Versäumnisse hin, deren Verantwortung in München und Berlin liegt: „Seit Jahren drängen wir auf die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene und investieren Milliarden in den Brennerbasistunnel und die Zulaufstrecken“. Der Tiroler Landeschef beruft sich dabei auf eine Vereinbarung von 2012 zwischen Deutschland und Österreich, „bei der klar zum Ausdruck gebracht wurde, dass der viergleisige Ausbau der Bahn zeit- und fachgerecht auch in Bayern durchgeführt wird. Bislang ist aber diesbezüglich wenig bis gar nichts passiert“.

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