Bauern erhalten wegen Dürre 340 Millionen Hilfsgelder

Der Sommer ist bisher ungewöhnlich trocken und heiß verlaufen - zum Leid der Landwirtschaft. [Shutterstock]

Die seit Wochen anhaltende Dürre hat viele Ernten in Deutschland vernichtet. Für die Agrarwirtschaft ist das eine Katastrophe, aufgrund derer nun der Notstand ausgerufen wurde.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat heute den Notstand ausgerufen, um Hilfszahlungen für die von der extremen Dürre betroffenen Landwirte, vor allem in der Viehzucht, zu ermöglichen. “Insgesamt soll den Landwirten mit 340 Millionen Euro geholfen werden”, sagte Klöckner in Berlin. Darin seien auch die Hilfen der Bundesländer enthalten. Der Bund steuere 150 bis 170 Millionen Euro bei.

Insgesamt seien durch die Dürre nach Angaben der Länder rund 10.000 Betriebe existenziell gefährdet. Die betroffenen Betriebe müssten mit einem Ertragsrückgang von 30 Prozent rechnen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach heute im ARD-Morgenmagazin von einem “nationalen Ereignis”. Schon jetzt hätten acht Bundesländer Schäden in Höhe von drei Milliarden Euro gemeldet. “Bei vielen Bauern ist die Stimmung sehr schlecht”, sagte Rukwied mit Blick auf die Folgen der langanhaltenden Hitze- und Dürreperiode. Bei etlichen sei “der Geldbeutel leer”, sie rechnen mit schweren Ernteausfällen.

Daran ändere auch nichts, dass einige Randbereiche der Landwirtschaft nicht so hart betroffen seien. Weiterhelfen könne eine steuerlich begünstigte Rücklage für Landwirte, mit denen sie für schlechte Zeiten vorsorgen könnten. Grundlegend höhere Preise für landwirtschaftliche Güter aufgrund der Ernteprobleme erwarte er aber nicht: “Die Preise werden stabil bleiben”, so Rukwied.

Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft:

"Schon jetzt ist bei vielen Betroffenen klar, dass dies nicht reichen wird. Wir Bauern brauchen gezielte Hilfen und organisieren mit Selbsthilfemaßnahmen z.B. den Austausch von Futter. Wo bleibt in der Krisensituation die Verantwortung der Molkereien, Schlachthöfe, Getreidehandel und Lebensmitteleinzelhandel? Über faire Preise ließe sich die existenzgefährdete Situation kurzfristig in den Griff bekommen. 32 Cent für den Liter Milch, 1,47 Euro für das Kilo Schweinefleisch – das ist verantwortungslos."

Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/ Die Grünen:

"Diese Krise macht deutlich: Die Probleme liegen tiefer. Es sind gleichermaßen die Auswirkungen der Klimakrise und der strukturellen Ungleichgewichte auf den Agrarmärkten als auch die ungleiche Marktmacht in der Wertschöpfungskette. Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen einerseits ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktkrisen und Klimaextremen durch eine hohe betriebliche Diversität und Qualitätsprodukte ausbauen. [...] Wir brauchen kostendeckende Erzeugerpreise und eine Umstellung der Landwirtschaft auf mehr Regionalität und Qualität, statt auf Massenproduktion für den Weltmarkt zu Lasten von Klima, Umwelt und bäuerlichen Existenzen.

Julia Klöckner darf sich deshalb nicht auf den bereitgestellten Finanzspritzen in der Not ausruhen, sondern muss diesen Systemwechsel vorantreiben. Das erfordert einen Klimaaktionsplan für die Landwirtschaft und die Förderung von regionalen, kurzkettigen Absatzwegen, des ökologischen Landbaues, neuer Sorten und Kulturpflanzen und einer angepassten und flächengebundenen Tierhaltung."

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