Barcelona-Attentäter auf der Flucht- Zweite Tat verhindert

Die Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona. Hier raste der Attentäter in eine Menschenmenge. [shutterstock]

Nach dem Anschlag von Barcelona mit 13 Toten und mehr als 100 Verletzten suchen die spanischen Behörden mit Hochdruck nach dem Täter.

In der Kleinstadt Cambrils, rund 100 Kilometer südlich der Metropole, töteten Einsatzkräfte in der Nacht fünf Personen. Dadurch sei ein weiterer Terrorangriff mit Sprengstoff-Gürteln verhindert worden, erklärten die Behörden. Der Mann, der am Donnerstag mit einem Kleintransporter viele Menschen auf der auch bei Touristen beliebten Allee Las Ramblas überfahren hatte, wurde dagegen bislang nicht gefasst. Der Polizei zufolge handelte es sich um einen Terroranschlag. Der Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat bereits für sich.

Mehrere Festnahmen bei Anti-Terror-Einsatz in Brüssel und Frankreich

In Belgiens Hauptstadt und im französischen Lille wurden insgesamt fünf Verdächtige festgenommen. Ihnen wird „Beteiligung an terroristischen Aktivitäten“ vorgeworfen.

Augenzeugen zufolge war ein weißer Transporter mit hoher Geschwindigkeit in einem Zick-Zack-Kurs durch die bei Touristen beliebte und im Sommer stets sehr belebte Straße in Barcelona gefahren. „Leute haben geschrien und wir haben einen Knall gehört“, sagte der britische Tourist Keith Welling, der mit seiner Frau und seiner neunjährigen Tochter erst am Mittwoch in der Stadt angekommen war. „Er wurde überhaupt nicht langsamer“, sagte ein anderer Augenzeuge der BBC über den Fahrer. „Er fuhr einfach mitten durch die Menschenmassen auf den Ramblas.“

Drei Deutsche unter den Opfern?

Barcelona wird jährlich von mindestens elf Millionen Touristen besucht. Das ZDF berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, auch drei Deutsche seien ums Leben gekommen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Der Polizei zufolge wurden zwei Personen festgenommen – ein Marokkaner und ein Mann aus der spanischen Enklave Melilla. Keiner der beiden habe aber das Tatfahrzeug gefahren. In Barcelona wurde am Donnerstag zudem ein Mann von der Polizei erschossen, der mit einem Auto in einen Kontrollposten gefahren war. Es gibt den Behörden zufolge bislang keinen Anhaltspunkt dafür, dass dies mit dem Anschlag in Verbindung steht.

Zwischen dem Attentat in Barcelona und dem getöteten Männern in Cambrils bestehe wahrscheinlich ein Zusammenhang, erklärte die Polizei, ohne Details zu nennen. Das gelte auch für eine Explosion in einem Haus in der katalonischen Stadt Alcanar am frühen Donnerstagmorgen. Dort sei eine Person getötet und eine andere verletzt worden. In Cambrils wurden Rettungsdiensten zufolge auch vier Zivilisten und ein Polizist verletzt.

Der genaue Ablauf des Anschlags in Barcelona war am Freitagmorgen noch unklar. Die Behörden der Kleinstadt Vic hatten erklärt, dort sei ein weiter verdächtiger Kleintransporter gefunden worden. Das Fahrzeug werde untersucht. Spanische Medien hatten berichtet, die Täter hätten einen zweiten Transporter als Fluchtfahrzeug gemietet.

„Auf Terror globale Antwort geben“

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, der Anschlag sei das Resultat eines „dschihadistischen Terrorismus“. „Das ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein.“ Er werde die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Barcelona persönlich überwachen.

EU-Terrorismus-Bericht: Neue Reaktionen auf neue Bedrohungen

Terrorismus ist wandlungs- und anpassungsfähig: Umso schwieriger ist die Aufgabe des Europäischen Terrorabwehrzentrums. Obwohl dessen Maßnahmen wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken mögen – das Zentrum ist die derzeit wohl die beste Lösung der EU.

In Berlin, Nizza, Stockholm und London waren bereits Attentate mit Lastwagen oder Kleintransportern verübt worden, die Islamisten für sich reklamieren. In Madrid hatten Islamisten im März 2004 Sprengsätze in Nahverkehrszügen gezündet. Dabei waren 191 Menschen getötet und mehr als 1800 verletzt worden.

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