Bahnbranche startet mit weiteren Verlusten ins „Jahr der Schiene“

Die Fahrgastzahlen sind aktuell nur halb so hoch wie vor der Gesundheitskrise. Dies führt EU-weit zu Verlusten von fast 600 Millionen Euro - pro Woche. [EPA-EFE/MOURAD BALTI TOUATI]

Die COVID-19-Pandemie ist bei den europäischen Bahnunternehmen weiterhin schmerzhaft spürbar: Die von Branchenverbänden veröffentlichten Zahlen für 2021 zeigen massive Verluste auf – trotz der Versuche der EU, den Bahnverkehr zu fördern.

Die Fahrgastzahlen sind aktuell nur halb so hoch wie vor der Gesundheitskrise. Dies führt EU-weit zu Verlusten von fast 600 Millionen Euro – pro Woche. Im Vergleich zum gleichen Monat 2019 waren die Umsätze im April 2021 rund zehn Prozent niedriger.

Diese Zahlen wurden kürzlich von der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen und Infrastrukturunternehmen (CER) veröffentlicht, einem Industrieverband, der Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die französische SNCF und die italienischen Ferrovie dello Stato Italiane vertritt. Die Statistiken zeigen somit, dass sich der Negativ-Trend aus dem vergangenen Jahr fortsetzt, als die Bahnunternehmen bereits 26 Milliarden Euro an Umsatz aufgrund der Pandemie eingebüßt hatten.

EU-Rat stimmt Unterstützungsmaßnahmen für Verkehrssektor zu

Der EU-Rat hat am Montag zeitlich befristete Maßnahmen beschlossen, um den von der Pandemie stark betroffenen Transportsektor zu unterstützen. Dazu gehören die Lockerung der Vorschriften für Flughafen-Slots und die Verlängerung der Gültigkeit von Führerscheinen.

Auch Unternehmen, die die Bahninfrastruktur betreiben, haben einen Abschwung erlebt: Die Verluste stiegen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahreszeitraum von minus acht Prozent im Sommer 2020 auf zuletzt minus 13 Prozent.

CER-Exekutivdirektor Alberto Mazzola fordert daher einen „substanziellen“ Ausgleich der laufenden Verluste sowie niedrigere Gebühren und Abgaben, um dem Sektor zu helfen, den COVID-bedingten Abschwung zu überstehen.

„Die Bahnen haben die Fähigkeit, sowohl die wirtschaftliche Erholung als auch den nachhaltig-grünen Übergang Europas zu unterstützen. Wir müssen aber sicherstellen, dass sie stark genug aus dieser Krise hervorgehen, um dies auch tatsächlich tun zu können,“ betonte er in einer Erklärung.

Jahr der Schiene

Die jüngsten Verlustmeldungen fallen inmitten des Europäischen Jahres der Schiene, einer EU-Initiative, die Reisende ermuntern soll, die Bahn gegenüber umweltschädlicheren Mobilitätsoptionen vorzuziehen. Hauptziel ist es, die Verkehrsemissionen in der EU zu senken und den Bahnsektor zu stärken.

Aufgrund von Pandemie-Einschränkungen in den meisten europäischen Ländern wurden jedoch viele der geplanten Veranstaltungen zur Feier des Schienen-Jahres entweder abgesagt oder verschoben.

Auch der „Connecting Europe Express“ – ein von der EU gecharterter Zug, der Städte auf dem ganzen Kontinent abfahren sollte, um die Vorteile des Bahnfahrens zu präsentieren – hat aufgrund gesundheitlicher Bedenken „Verspätung“: Ob und wann er tatsächlich losfährt, ist aktuell unklar.

Bahn-Großprojekte und Tunnel zwischen Helsinki und Tallinn geplant

Estland und Finnland wollen in Verkehrsfragen enger zusammenarbeiten: Unter anderem ist ein Eisenbahntunnel zwischen den Hauptstädten Tallinn und Helsinki angedacht.

Angesichts des bisher doch sehr begrenzten Erfolgs des Jahres der Schiene haben die Bahnunternehmen die EU bereits aufgefordert, die Initiative ins kommende Jahr 2022 hinein zu verlängern.

„Wir können nur feststellen, dass der einschränkende Gesundheitskontext die volle Entfaltung der Aktivitäten der Interessenvertreter zur Förderung der Schiene behindert,“ schrieben die Bahnverbände in einem offenen Brief an die Spitzem der Europäischen Kommission, des Parlaments und des Rates.

Jahr des Flugzeugs?

Einige EU-Stellen sind jedoch offenbar der Meinung, dass das Jahr 2022 am besten dafür genutzt werden sollte, stattdessen den Flugverkehr zu feiern. Dieser habe schließlich ebenfalls unter dem Einbruch der Passagierzahlen gelitten.

Im März hatten Abgeordnete der interfraktionellen Arbeitsgruppe Sky & Space des Europäischen Parlaments einen Brief an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und die Verkehrskommissarin Adina Vălean geschrieben, in dem sie sie tatsächlich aufrufen, das Jahr 2022 zum „Europäischen Jahr der Luftfahrt“ zu erklären.

Eine offizielle Entscheidung diesbezüglich ist allerdings noch nicht getroffen worden.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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