Asylanträge: Italien nicht mehr in der „Top 5“

Migranten gehen im sizilianischen Hafen von Pozzallo von Bord eines Rettungsschiffes der deutschen NGO Mission Lifeline, 2. September 2019. [EPA-EFE/FRANCESCO RUTA]

Die Gesamtzahl der Asylanträge in der EU sind im vergangenen Jahr 2019 zum ersten Mal seit 2015 wieder angestiegen. Italien gehört dabei nicht mehr zu den fünf Hauptaufnahmeländern. Deutschland hingegen bleibt auf seinem ersten Platz. EURACTIV Italien berichtet.

Die Zahl der Asylanträge in den Ländern, die im Bericht des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO) erfasst werden – also allen EU-Staaten, dem Vereinigten Königreich, Island, Liechtenstein und Norwegen – ist im Jahr 2019 gestiegen. Es ist der erste Zuwachs der Anträge seit 2015.

Die Anträge stiegen im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent: Insgesamt gab es 738.425 Anträge. Eine weitere Steigerung um 16 Prozent wurde in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 verzeichnet, bevor der Anstieg durch die Coronavirus-Pandemie abrupt endete.

Das EASO geht jedoch davon aus, dass der Aufwärtstrend wieder einsetzen wird, sobald sich die Gesundheitssituation verbessert.

Migration und Corona-Pandemie: Crash-Tests für Schengen

Die Flüchtlingskrise in 2015 und die jetzige Corona-Pandemie stellen den Schengenraum auf die härteste Probe seit seinem Bestehend vor 25 Jahren, meint Christian Moos, Generalsekretär der überparteilichen Europa-Union Deutschland e.V., im Interview mit EURACTIV Deutschland.

Im Vergleich zu 2018 gab es bei Ankünften von Migrantinnen und Migranten aus Venezuela (+103 Prozent) und Kolumbien (+214 Prozent) die größten Zuwächse.

Einige Länder, wie Frankreich, Zypern, Griechenland, Malta und Spanien, haben im vergangenen Jahr mehr Migranten aufgenommen als während der sogenannten „Migrationskrise“ 2015-2016.

Die EU-Länder haben inzwischen ihre Aufnahmesysteme und -regelungen ausgebaut, insbesondere für unbegleitete Minderjährige. Die Verfahren sind in vielen Ländern immer noch langwierig.

Meiste Anträge in Deutschland, Italien nicht mehr in der „Top 5“

Mit 165.615 (22 Prozent der Gesamtzahl) wurden auch im vergangenen Jahr erneut in Deutschland die meisten Anträge registriert. Darauf folgen Frankreich (128.940) und Spanien (117.795).

Zum ersten Mal seit 2015 ist Italien nicht mehr in der „Top 5“: 2019 haben dort 43.770 Menschen Asyl beantragt. Die meisten Bewerber kommen dabei aus Pakistan.

Insgesamt stammen die meisten Asylbewerber, die 2019 in die europäischen Staaten einreisten, aus Syrien, Afghanistan und Venezuela.

Zahl der Flüchtlinge im vergangenen Jahr auf weltweitem Rekordhoch

Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR waren 2019 rund um den Globus 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies waren fast fast neun Millionen Menschen mehr als im Vorjahr.

Ungarn weiterhin kooperationsunwillig

EU-weit ist Ungarn nach wie vor das am wenigsten kooperationswillige Land im Bereich Asylgewährung, Unterbringung und Verteilung von eingereisten Menschen.

Nach Ansicht von Priit Pikamäe, Generalanwalt am Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH), bricht Ungarn außerdem geltendes Recht in Bezug auf Asylverfahren und Abschiebungen.

Die Europäische Kommission hatte Ungarn zuvor ihrerseits beschuldigt, gegen die verfahrensrechtlichen Bestimmungen im Zusammenhang mit Anträgen auf internationalen Schutz verstoßen zu haben. Geflüchtete Personen, die einen solchen Schutz beantragen, seien illegal in Transitzonen inhaftiert und sich illegal im Land befindliche Drittstaatsangehörige seien ebenso unrechtmäßig abgeschoben worden.

Die EU-Generalanwaltschaft hatte daher nahegelegt, der Gerichtshof solle der Klage der Kommission stattgeben.

Osteuropäische EU-Staaten durften Flüchtlingsaufnahme nicht ablehnen

Polen, Ungarn und Tschechien haben während der Flüchtlingskrise EU-Recht verletzt, weil sie die Übernahme von Asylbewerbern aus Italien und Griechenland ablehnten.

Mehr Fluchtmigration aus der Türkei

Seit dem Putschversuch im Sommer 2016 hat die Anzahl der von türkischen Staatsbürgern in Deutschland gestellten Asylanträge deutlich zugenommen. 2019 lag die Türkei hinter Syrien und dem Irak auf Platz drei der häufigsten Herkunftsländer.

UN: Migration aus Afrika wird in naher Zukunft anhalten

Die Gesamtzahl der Migranten mag zurückgegangen sein, aber die Migration vieler afrikanischer Jugendlicher nach Europa wird sich fortsetzen, prophezeien Spitzenbeamte des UN-Entwicklungsprogramms.

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