Attacke auf Straßburger Weihnachtsmarkt

Bei einer Attacke auf den berühmten Straßburger  Weihnachtsmarkt hat ein polizeibekannter Gefährder mindestens vier Menschen getötet. [EPA-EFE/PATRICK SEEGER]

Bei einer Attacke auf den berühmten Straßburger  Weihnachtsmarkt hat ein polizeibekannter Gefährder mindestens vier Menschen getötet.

Rund zehn Menschen wurden am Dienstagabend verletzt, einige von ihnen  lebensgefährlich, so Bürgermeister Roland Ries. Die Sicherheitskräfte suchten mit Hochdruck nach dem 29-jährigen Täter,  der bei der Flucht von Soldaten angeschossen wurde. Die Behörden leiteten  Terrorermittlungen ein.

Augenzeugen berichteten, dass gegen 20.00 Uhr mehrere Schüsse zu hören  gewesen seien. Die Menschen in den Gassen hätten die Flucht ergriffen. „Wir haben mehrere Schüsse gehört, vielleicht drei, und dann haben wir Leute rennen sehen“, sagte eine Augenzeugin. „Eine von ihnen ist gestürzt – ich weiß nicht, ob sie gestolpert ist oder getroffen wurde.“

Der mutmaßliche Täter wurde bei der Flucht von patrouillierenden Soldaten angeschossen, konnte zunächst aber entkommen. Ein Soldat wurde bei dem Schusswechsel leicht an der Hand verletzt. Die Innenstadt wurde nach der Attacke abgeriegelt, die Behörden riefen die Bürger auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Staatschef Emmanuel Macron begab sich in der Nacht zu einer vom Innenministerium eingerichteten Krisenzelle.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend Ermittlungen wegen des Verdachts auf „Mord und Mordversuch im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung“ und wegen „Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung“ ein. Die Bundespolizei in Baden-Württemberg warnte wegen der laufenden Fahndung nach dem Täter vor einem Grenzübertritt. „Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl.“

Der mutmaßliche Täter war den Sicherheitsbehörden bekannt. Für ihn war eine Gefährderakte – eine so genannte „Fiche S“ – angelegt. Darin verzeichnen die Sicherheitsbehörden potenzielle Verdächtige wie etwa gewaltbereite Islamisten, von denen eine Gefahr für den Staat ausgehen könnte. Nach Angaben des Innenministeriums war der Mann auch wegen gewöhnlicher krimineller Delikte aktenkundig.

Der aus Straßburg stammende Mann hätte zudem am Dienstagmorgen im Zuge von Ermittlungen wegen versuchten Mordes festgenommen werden sollen.

Nach den Schüssen auf dem Weihnachtsmarkt riegelte die Polizei auch das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg ab, wie ein AFP-Reporter berichtete. Dort finden in dieser Woche Plenarsitzungen statt, hunderte Abgeordnete und ihre Mitarbeiter halten sich deshalb in der Stadt auf. Wegen der polizeilichen Absperrung konnten Parlamentarier, Mitarbeiter und Journalisten das Gebäude am Abend zunächst nicht verlassen.

Die Attacke sorgte über die Grenzen Frankreichs hinaus für Entsetzen. „Erschüttert über die schreckliche Nachricht aus Straßburg“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr.“

Auch die britische Premierministerin Theresa May äußerte sich auf Twitter „schockiert und traurig über die schreckliche Attacke in Straßburg“. Frankreich ist in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel islamistischer Anschläge geworden. Seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen getötet.

Straßburgs Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten und größten in Europa. Er gilt seit längerem als potenzielles Ziel für eine Terrorangriff und wird deswegen verstärkt von der Polizei bewacht. Täglich sind rund 300 Polizisten und 160 private Wachleute auf dem Weihnachtsmarkt im Einsatz. Die Zufahrt für Autos ist drastisch eingeschränkt, Betonblöcke sollen Auto-Attentäter abhalten.

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