AstraZeneca: „Keine Bevorzugung von Nicht-EU-Staaten bei Corona-Vakzin“

"Wir verdienen damit kein Geld", versprach AstraZeneca-Chef Pascal Soriot bezüglich des Corona-Impfstoffes seines Unternehmens. [EPA-EFE/CHRIS RATCLIFFE / POOL]

AstraZeneca-Chef Pascal Soriot hat den Verdacht zurückgewiesen, sein Unternehmen liefere eigentlich für die EU bestimmte Impfdosen an andere Länder. Astrazeneca verkaufe das Vakzin „nicht anderswo für Profit“, versicherte Soriot am Dienstagabend.

AstraZeneca habe seinen Impfstoff gemeinnützig entwickelt, „wir verdienen damit kein Geld“, betonte der Unternehmenschef. Er fügte hinzu: „Ich denke, wir behandeln Europa wirklich fair.“ In der EU-Kommission gibt es den Verdacht, Engpässe bei der Belieferung der Europäischen Union mit dem AstraZeneca-Vakzin könnten darauf zurückzuführen sein, dass der britisch-schwedische Hersteller Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder mit ungekürzten Mengen des Impfstoffs beliefert.

AstraZeneca hatte bei zwei Treffen mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten am Montag Brüssel zufolge nicht ausreichend erklären können, wie es zu den Lieferengpässen gekommen ist. Nach Angaben der Kommission ist für diesen Mittwoch ein weiteres Treffen mit dem Unternehmen angesetzt.

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Hinter dem Zeitplan in der EU

Soriot hob hervor, dass Astrazeneca seinen Liefervertrag mit Großbritannien drei Monate früher als mit der EU geschlossen habe. Auch bei der Belieferung Großbritanniens habe es „Anfangsprobleme“ gegeben. Dort habe es aber drei Monate mehr Zeit gegeben, um diese Probleme zu beheben. In der EU befinde sich AstraZeneca zwei Monate hinter dem ursprünglichen Plan.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte die Hersteller von Corona-Impfstoffen erneut dazu auf, ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Europa habe „Milliarden“ in die Impfstoff-Entwicklung investiert, sagte sie in ihrer per Video übertragenen Rede beim Weltwirtschaftsforum. „Und jetzt müssen die Firmen liefern, sie müssen ihre Verpflichtungen einhalten.“

Berichte deutscher Medien, die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs sei bei älteren Menschen nur gering, wies AstraZeneca-Chef Soriot zurück. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, bei dem Vakzin werde nur mit einer Wirksamkeit von acht Prozent bei den über 65-Jährigen gerechnet. Soriot nannte diese Zahl falsch: „Wie kann man annehmen, dass Prüfbehörden rund um den Globus ein Mittel zulassen, das nur acht Prozent Wirksamkeit hat?“

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Geringe Wirksamkeit dementiert

Auch das Bundesgesundheitsministerium hatte am Dienstag (26. Januar) die Berichte über eine geringere Wirksamkeit des AstraZeneca-Präparats bei Senioren dementiert. Es sprach von einer möglichen Verwechslung von Zahlen. Aus den genannten Daten lasse sich keine geringe Wirksamkeit bei Älteren herleiten, erklärte das Ministerium. Bekannt sei aber „seit dem Herbst, dass in den ersten eingereichten Studien von AstraZeneca weniger Ältere beteiligt waren als bei den Studien anderer Hersteller“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte, die Entscheidung der Zulassungsbehörden abzuwarten. Sollte es Altersbeschränkungen für das Mittel von AstraZeneca geben, könne die deutsche Impfstrategie angepasst werden. Die Chefin der EU-Arzneimittelbehörde EMA, Emer Cooke, bestätigte, dass sich bisherige Daten des Unternehmens nur auf „eine sehr kleine Zahl“ älterer Testpersonen bezögen. Sie ließ aber offen, ob dies Auswirkungen auf den Umfang der Zulassung haben könnte.

„Es ist möglich, eine Zulassung abzuschließen, die sich auf eine bestimmte Altersgruppe konzentriert, oder es ist möglich, eine Zulassung für eine breitere Altersgruppe abzuschließen“, sagte Cook. Sie könne dem Ergebnis aber nicht vorgreifen. Sie zeigte sich zuversichtlich, die Zulassungsprüfung für den AstraZeneca-Impfstoff „bis Ende der Woche“ abzuschließen. Eine Entscheidung der EMA über die Zulassung des Präparats wird für Freitag erwartet.

Bundesärztekammer fordert Eile

Die Bundesärztekammer hat die Bundesregierung und die EU-Kommission aufgefordert, bei den Herstellern von Corona-Impfstoffen auf die Einhaltung der vertraglich zugesicherten Mengen und Termine zu drängen. Die Ursachen der Lieferschwierigkeiten etwa bei AstraZeneca müssten „umfassend geklärt und so schnell wie möglich behoben werden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ am Mittwoch (27. Januar).

Vor allem die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen und die Beschäftigten in Kliniken und Pflegeinrichtungen müssten geimpft sein, „bevor sich die hochansteckende Virusvariante aus Großbritannien weiter in Deutschland ausbreitet“, erläuterte Reinhardt. „Da zählt buchstäblich jeder Tag.“ Die mehr als 440 Impfzentren in Deutschland könnten laut Reinhardt längst im Volllastbetrieb laufen, wenn genügend Impfstoffe zur Verfügung
stünden. Gleiches gelte für die Arztpraxen.

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