Arbeit von Haager UN-Tribunal endet mit Suizid im Gerichtssaal

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Mit einem Suizid im Gerichtssaal hat der letzte Prozess vor dem Haager UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien ein dramatisches Ende genommen. In dem Verfahren gegen sechs bosnische Kroaten trank der frühere Militärkommandeur Slobodan Praljak nach der Bestätigung seiner 20-jährigen Haftstrafe den Inhalt eines mitgeführten Fläschchens – laut seinem Anwalt gefüllt mit Gift. Der 72-Jährige starb wenig später in einem Krankenhaus in Den Haag.

Als der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in dem Berufungsverfahren die Haftstrafe gegen Praljak bestätigte, rief der Anwalt: „Praljak ist kein Krimineller“ und „Ich weise Euer Urteil zurück“. Dann zückte er das Fläschchen. Zunächst wurde das Verfahren fortgesetzt, doch dann rief der Anwalt Praljaks: „Mein Mandant sagt, er habe Gift genommen.“

Das Verfahren wurde unterbrochen, vor dem Gericht traf ein Krankenwagen ein. Über dem Gebäude kreiste ein Hubschrauber, während Sanitäter in den Gerichtssaal eilten. Am Nachmittag meldeten dann die offizielle kroatische Nachrichtenagentur Hina sowie weitere kroatische Medien, der 72-Jährige sei an den Folgen der Gifteinnahme gestorben. Später bestätigte ein Sprecher des UN-Tribunals den Tod. Die niederländische Polizei nahm Ermittlungen auf.

https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/opinion/mladic-urteil-haelt-europa-den-spiegel-seiner-schwaeche-vor/

Kroatiens Regierungschef Andrej Plenkovic kondolierte der Familie des verurteilten Kriegsverbrechers. Zugleich kritisierte er die Arbeit des Gerichtshofs scharf. Den sechs Verurteilten und dem „kroatischen Volk“ sei ein „tiefe moralische Ungerechtigkeit“ widerfahren.

Im UN-Tribunal herrschte zeitweise Chaos. Es war das letzte Verfahren vor dem Strafgerichtshof für Ex-Jugoslawien, der zum Jahresende nach fast 25 Jahren seine Tätigkeit einstellt. Praljak und fünf Mitangeklagte mussten sich in dem Berufungsverfahren wegen Kriegsverbrechen im bosnisch-kroatischen Krieg von 1993-1994 verantworten.

Die sechs Männer waren 2013 verurteilt worden. Praljak war unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus ottomanischer Zeit angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung „unverhältnismäßig großer Schaden“ entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess geurteilt.

Praljak, eigentlich gelernter Ingenieur, hatte nach Beginn des Krieges Karriere im kroatischen Militär gemacht. Trotz der ihm vorgeworfenen Verbrechen gilt er vielen in seiner Heimat bis heute als Held.

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