Angela Merkel: „Toleranz ist die Seele Europas“

Bundeskanzlerin Angela Merkel. [EPA/CLEMENS BILAN]

Zum 500. Reformationsjubiläum hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutliche Worte für eine offene und tolerante Gesellschaft gefunden. Ohne religiöse Toleranz werde die Gesellschaft Schaden nehmen, ist sich Merkel sicher.

Der Staat sei verpflichtet, die Würde des Menschen zu achten und diese zu schützen, sagte Merkel in ihrer Festaktrede in der Lutherstadt Wittenberg. Dazu gehörten besonders der Schutz der Meinungs- und Religionsfreiheit.

Zwar sei der Staat zu religiöser Neutralität verpflichtet. Die Politik dürfe sich jedoch nicht davon verabschieden, „ein gemeinsames Wertefundament zu beschützen und zu bewahren, das unerlässlich für ein gedeihliches und friedliches Miteinander ist“.

Ohne Religionsfreiheit keine freie Gesellschaft

Wo immer die Religionsfreiheit eingeschränkt werde, nehme auch die gesellschaftliche Entwicklung Schaden. Der Einsatz für religiöse Freiheit sei gemeinsame Aufgabe von Staat und Kirchen.

Merkel betonte die Bedeutung eines lebhaften religiösen Lebens in Deutschland. Damit sei die ungestörte Religionsausübung für alle Gläubigen und jede Religionsgemeinschaft gemeint, sagte die Bundeskanzlerin bei dem Festakt zu 500 Jahren Reformation.

Nicht nur die EU, auch die Kirchen ringen um Einigkeit

Vom Martin-Luther-Gedenkjahr hätte mehr Fortschritte in Bezug auf die Ökumene, also für einer „Völkerverständigung“ auf Kirchenebene erwarten lassen.

Wer Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben

„Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben. Das ist die historische Erfahrung unseres Kontinents“, sagte sie. Toleranz sei die Seele Europas und das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft. Toleranz ende jedoch dort, wo die Regeln des Grundgesetzes missachtet würden.

Auch erinnerte Merkel an die Bedeutung der Reformation und an Martin Luther. Der Reformator habe vor einem halben Jahrtausend das Bild des zur Freiheit berufenenen Menschen geprägt. Aus seiner religiösen Erneuerungsbewegung habe sich ein Verständnis des Menschen entwickelt, das die Neuzeit entscheidend prägte und auf dem im Grunde jede demokratische Ordnung aufbaue. Luthers Thesen hätten einen Stein ins Rollen gebracht, der die Welt für immer verändert habe.

Bedford-Strohm: Ängste überwinden, Liebe stärken

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, sagte in seiner Predigt im zentralen Festgottesdienst, dass Deutschland Kraft benötige, um Ängste zu überwinden und Liebe zu stärken. Diese Kraft sei auch das Herzstück der reformatorischen Glaubensüberzeugung. Deutschland ringe mit sich selbst. Menschen hätten Angst, ihre gewohnte Welt und Sicherheit zu verlieren.

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