ALMA, das neue EU-Programm zur Unterstützung junger Menschen bei der Arbeitssuche im Ausland

"Wir müssen diejenigen unterstützen‚ die durchs Netz gefallen sind. Diejenigen, die keine Arbeit haben. Diejenigen, die weder zur Schule gehen noch eine Berufsausbildung absolvieren", sagte die Kommissionspräsidentin in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union. [Daniel Enchev / Flickr]

Die Pandemie hat die Krise der Jugendarbeitslosigkeit verschärft, insbesondere im Süden Europas. Ein neues Praktikumsprogramm soll nun die Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten Europäischen Union bekämpfen, so die Europäische Kommission.

Am Mittwoch (15. September) in Straßburg kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Start von ALMA an, einem neuen, an Erasmus angelehnten Praktikumsprogramm, das jungen Europäer:innen kurzfristige Arbeitserfahrungen in anderen EU-Mitgliedstaaten vermitteln soll.

„Wir müssen diejenigen unterstützen‚ die durchs Netz gefallen sind. Diejenigen, die keine Arbeit haben. Diejenigen, die weder zur Schule gehen noch eine Berufsausbildung absolvieren“, sagte die Kommissionspräsidentin in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union.

Die Finanzkrise von 2008 habe Europa eine Lektion erteilt – über die Notwendigkeit, nicht nur in kurzfristige Erholung, sondern auch in langfristige Reformen zu investieren, betonte von der Leyen.

„Unsere Union wird stärker sein, wenn sie mehr wie unsere nächste Generation wird: umsichtig, entschlossen, fürsorglich für andere“, sagte sie und warnte davor, bei jungen Menschen, die einige ihrer prägendsten Jahre verloren haben, „keine neuen Brüche erzeugen“.

Ein ähnlicher Gedanke war bereits 1995 in ein EU-Programm eingeflossen. Das Programm mit dem Namen Leonardo zielte darauf ab, die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und finanzierte praktische Projekte im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Im Juli 2021 waren laut Eurostat EU-weit 2,854 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, davon insgesamt 2,339 Millionen innerhalb der Eurozone.

Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit von 18,7 % im letzten Jahr auf 16,2 % in der EU und 16,5 % in der Eurozone zurückgegangen ist, kämpft der Süden Europas derzeit mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit.

Die griechische Arbeitslosenquote, die zwar rückläufig ist, aber die höchste in der Eurozone bleibt, stieg im April auf 17,0 %, nachdem sie im Vormonat noch bei 16,8 % gelegen hatte, wie Daten des Statistikdienstes ELSTAT am Mittwoch (16. September) zeigten.

In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen stieg die Arbeitslosenquote von 33,6% im gleichen Monat des Jahres 2020 auf 46,8%.

Jugendorganisationen in der gesamten EU begrüßten von der Leyens Initiative, warnten jedoch davor, einen weiteren „Papiertiger“ zu schaffen.

„ALMA muss in Ergänzung zum EURES-Programm für gezielte Mobilität (TMS) entwickelt werden, das bereits 18-Jährige unterstützt, die einen Arbeitsplatz, ein Praktikum oder eine Ausbildung in einem EU-Mitgliedstaat, Island oder Norwegen suchen (z. B. Finanzierung von Sprachkursen, Anerkennung von Qualifikationen, Reise- und Aufenthaltskosten)“, betonte Eurodesk, das europäische Jugendinformationsnetz.

Beteiligung der Jugend

Von der Leyen kündigte außerdem an, dass sie das Jahr 2022 zum „Jahr der europäischen Jugend“ machen werde, wobei die jungen Menschen ermutigt werden sollen, sich an der Debatte in den Konsultationen der Konferenz über die Zukunft Europas zu beteiligen, denn dies „ist ihre Zukunft und es muss ihre Konferenz sein“.

„Unsere Union braucht eine Seele und eine Vision, mit der sie sich identifizieren können. Oder wie Jacques Delors fragte: Wie können wir Europa jemals aufbauen, wenn junge Menschen es nicht als ein kollektives Projekt und eine Vision ihrer eigenen Zukunft sehen?“, fragte von der Leyen.

Am Wochenende nach von der Leyens Ansprache sollen die ersten europäischen Bürgerpanels beginnen.

Bis Ende des Jahres werden die Gremien Empfehlungen formulieren, die dann in einer Plenarsitzung diskutiert werden, an der Bürger:innen, Vertreter:innen der EU-Institutionen und der nationalen Parlamente sowie andere Interessengruppen teilnehmen.

Die Empfehlungen werden in einen Abschlussbericht einfließen, der im Frühjahr 2022 vom Exekutivausschuss der Konferenz, bestehend aus dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission, erstellt wird.

Slowenien: Debatte über Zukunft Europas sollte sich auf Widerstandsfähigkeit konzentrieren

Nach den aufeinanderfolgenden Krisen der letzten zwei Jahrzehnte sollte die Konferenz über die Zukunft Europas sich zentral mit der Frage nach der Widerstandsfähigkeit der EU auseinandersetzen, sagte Sloweniens Staatssekretär Gašper Dovžan gegenüber EURACTIV.

Kritiker:innen haben den Konsultationsprozess als bürokratisch und unwahrscheinlich für greifbare Ergebnisse abgetan, ähnlich wie die französischen Konsultationen, die einst von Präsident Emmanuel Macron durchgeführt wurden und nicht erfolgreich waren.

In ihrer Antwort an die EU-Gesetzgeber in Straßburg versprach von der Leyen, die Schlussfolgerungen der Konferenz „weiterzuverfolgen“.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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