AirFrance/KLM fordert: Flugsteuern wegen Coronavirus verschieben

Der Vorstandsvorsitzende von Air France-KLM, Benjamin Smith. [Photo: EPA-EFE/YOAN VALAT]

Der Vorstandsvorsitzende von Air France-KLM, Benjamin Smith, hat am Dienstag gefordert, dass Pläne zur Erhebung von Umweltsteuern auf den Flugverkehr wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus verschoben werden sollten.

Der Airline-Chef warnte auf der Konferenz Airlines4Europe in Brüssel, die Branche werde von dem Virus – das weltweit bereits mehr als 3.000 Menschen getötet hat – hart getroffen werde. Geplante Initiativen, den Flugverkehr stärker zu besteuern, sollten daher vorerst auf Eis gelegt werden.

„Angesichts des Coronavirus-Ausbruchs fordern wir die Regierungen auf, die Einführung neuer Flugsteuern auszusetzen. Neue Steuern, zum Beispiel in Frankreich und den Niederlanden, bedeuten zusätzlichen Druck für uns,“ erklärte Smith auf dem Kongress.

„All diese Steuern werden im Namen der Nachhaltigkeit erhoben, aber das Geld ist nicht [für entsprechende Maßnahmen] vorgesehen. Das ist nicht ehrlich, das ist irreführend,“ kritisierte er außerdem.

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Durch eine Steuer auf den Flugzeugtreibstoff Kerosin könnten womöglich allein in Europa jährlich 16,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

In den Niederlanden soll im Jahr 2021 eine Sieben-Euro-Abgabe pro Ticket im Personenverkehr in Kraft treten, ebenso wie zusätzliche Gebühren für Frachtflüge. Die niederländische Regierung schätzt, dass die neuen Steuern 200 Millionen Euro netto pro Jahr einbringen könnten.

Die Regelung ist vor allem als Ausweichmöglichkeit für den Fall gedacht, dass im laufenden Jahr keine neuen Maßnahmen auf EU-Ebene eingeführt werden.

Verschmutzer sollen mehr zahlen

Neun EU-Länder hatten die Europäische Kommission schon im November 2019 aufgefordert, die Preise für Flugreisen verstärkt nach Nachhaltigkeitskriterien zu „gestalten“. Entsprechend gestaffelte Steuern für Verschmutzer seien eine „beispiellose Chance“, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Bisher hat sich die EU-Exekutive allerdings gescheut, das Thema tatsächlich anzugehen.

Ihre in dieser Hinsicht wichtigste Verkehrsinitiative, die im Dezember in den Green Deal aufgenommen wurde, war ein Vorschlag, die CO2-Ausstöße des Schiffsverkehrs in den Emissionshandel der EU einzubeziehen.

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Eine Koalition aus neun Ländern forderte die nächste Europäische Kommission am Donnerstag auf, neue Maßnahmen zur Preisgestaltung im Luftverkehr vorzuschlagen, und zwar in einer Weise, die als „eine beispiellose Chance“ bezeichnet wird.

Konsolidierung auf dem Markt

Smith von Air France-KLM unterstrich auf der A4E-Veranstaltung auch, dass die Beeinträchtigung durch das Coronavirus den Druck auf die Luftfahrtindustrie erhöhen dürfte, ihre Geschäftsmodelle zu stabilisieren.

Es könnte also zu deutlichen Veränderungen auf dem Markt kommen: „Was die Konsolidierung betrifft, würde ich sagen: ja, es gibt weltweit eine ganze Reihe schwacher Fluggesellschaften,“ so der CEO. „Ich gehe ganz sicher davon aus, dass [der Corona-Ausbruch] diese Konsolidierung beschleunigen wird.“

Smith ging allerdings nicht darauf ein, ob solche Konsolidierungen seiner Ansicht nach eher in Form von Fusionen zwischen Airlines oder dem Bankrott einiger Fluggesellschaften zu erwarten sind.

Er schloss, der ultimative Lackmustest für die Flugbranche dürfte noch bevorstehen: Mit den anstehenden Sommerbuchungen und einem dann wohl umfassenderen wirtschaftlichen Bild über die langfristigen Auswirkungen der Krankheit auf den Flugverkehr.

Unterdessen zeigte sich Ryanair-Chef Michael O’Leary deutlich optimistischer über die Aussichten seiner Branche. Er betonte, man könne sich nun auf einige Wochen mit eher schleppenden Verkäufen einstellen, dann würden „die Leute aber vom Coronavirus gelangweilt sein“.

Er gehe daher davon aus, dass das Geschäft im Mai oder Juni wieder anzieht.

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