320-prozentiger Anstieg rechtsextremer Terroranschläge seit 2013

Identitäre

Die Zahl rechtsextremistischer Angriffe ist deutlich gestiegen. Die Theorie vom "Einzeltäter" ist dabei irreführend, so die Forscher. [Kristoffer Trolle / Flickr.com]

Während die Zahl der durch Terroranschläge verursachten Todesfälle im Jahr 2018 im vierten Jahr in Folge rückläufig war, lässt sich vor allem ein deutlicher Anstieg von Aktivitäten rechtsextremistischer terroristischer Gruppen feststellen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Global Terrorism Index 2019 hervor.

Der Global Terrorism Index (GTI) listet 163 Länder der Erde entsprechend der Häufigkeit und des Ausmaßes terroristischer Angriffe. Dafür werden Faktoren wie die Anzahl der Attacken, Todesfälle, Verletzungen und das Ausmaß der Sachschäden herangezogen.

Während im globalen Westen der islamistische Terror rückläufig war, zeigt sich in Europa und insbesondere in Nordamerika hingegen ein dramatischer Anstieg des rechtsextremistischen Terrors, heißt es im GTI-Bericht 2019 des Institute for Economics and Peace (IEP).

„Im Jahr 2018 machten rechtsextreme Terroranschläge 17,2 Prozent aller terroristischen Vorfälle im Westen aus. Derweil stehen Angriffe islamistischer Gruppen für 6,8 Prozent aller Attacken,“ so der Bericht. 62,8 Prozent der Täter im globalen Westen konnten hingegen keiner bestimmten Gruppierung zugeordnet werden.

Die Gesamtzahl der rechtsextremen Terrorvorfälle ist damit in den letzten fünf Jahren um 320 Prozent gestiegen. Dabei gab es im Jahr 2018 bei 38 rechtsextremen Anschlägen mindestens einen Todesfall. 2013 hatte es „nur“ neun Tote gegeben.

Knapp der Katastrophe entgangen

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Mit Blick auf die Gesamtzahlen der Terrorstatistik hält das IEP allerdings auch fest: „In den gesamten letzten vier Jahrzehnten wurde jede fünfte Massenerschießung [mass shooting] in den USA als terroristischer Anschlag eingestuft. In den letzten zehn Jahren allein genommen ist diese Zahl aber auf ein Drittel gestiegen.“

Die falsche Theorie vom „einsamen Wolf“

Die Mehrzahl rechtsgerichteter Terroristen ist keiner bestimmten Gruppierung zuzuordnen und scheint eher als sogenannte „Einsame Wölfe“ zu agieren. Dies bedeutet aber nicht, dass sie tatsächlich völlig losgelöst von (möglicherweise auch nicht-gewalttätigen) rechtsextremen Netzwerken handeln: Experten haben darauf hingewiesen, der Begriff „Einzeltäter“ oder „Einsamer Wolf“ sei irreführend, da Terroristen oftmals auf Unterstützungsnetzwerke zurückgreifen können und ihr Radikalisierungsprozess meist eine „Basisorganisation“ erfordere.

In den USA, die mit Platz 22 recht weit oben im weltweiten Terrorismus-Index rangieren, hat die Trump-Administration bisher wenig getan, um dem Druck und den innenpolitischen Forderungen nach stärkerer Bekämpfung des Rechtsextremismus – insbesondere nach den Vorfällen in Charlottesville – nachzukommen. Stattdessen wurde einigen Programmen mit dem Ziel, eine Radikalisierung junger weißer Menschen zu verhindern, Fördergelder entzogen.

Laut US-Medienberichten erklärte das Center on Extremism der Anti-Defamation League bereits im Januar 2019, jeder einzelne extremistisch motivierte Mord in den USA im Jahr 2018 weise Verknüpfungen zu rechtsextremen Personen oder Organisationen auf.

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Vereinigtes Königreich in Europa an der „Spitze“

Innerhalb der EU ist das Vereinigte Königreich das am stärksten von Terrorismus betroffene Land. Es befindet sich unter den Top 30 der 168 untersuchten Nationen der Welt – und damit vor den anderen EU-Ländern Frankreich, Deutschland, Belgien und Spanien.

Die GTI-Forscher wiesen im Bericht auf die zunehmende Bedrohung durch eine neue IRA-Bewegung als „Schlüsselfaktor“ für die hohe Platzierung des Vereinigten Königreichs in der Rangliste hin, warnten aber auch für die Inseln vor einem deutlichen Anstieg des rechtsextremen Terrors.

Insgesamt ist in den EU-Ländern nach einer Reihe von Anschlägen in den vergangenen Jahren die Bedrohung durch Terrorattacken rückläufig. Diese habe sich von „schwer“ auf „erheblich“ reduziert, was allerdings nach wie vor bedeutet, dass Anschläge in der EU „wahrscheinlich“ sind.

Rückgang bei islamistischem Terror; Wiedererstarken der Taliban

Laut GTI-Bericht bleiben bewaffnete Konflikt aber der Haupttreiber für Terrorismus. So seien mehr als 95 Prozent der Todesfälle durch Terrorismus in Ländern zu verzeichnen, die in einen Bürgerkrieg oder einen grenzüberschreitenden Konflikt verwickelt sind oder in denen gegen inländische Militante vorgegangen wird.

„Der Terrorismus wird ziemlich oft als Taktik im Krieg eingesetzt,“ erklärt dementsprechend Steve Killelea, Gründer und Vorsitzender des IEP.

In dieser Hinsicht hätten die Taliban den sogenannten Islamischen Staat inzwischen überholt und seien damit wieder zur „tödlichsten Terrorgruppe“ der Welt aufgestiegen. Sie waren 2018 für 38 Prozent aller Todesopfer durch Terrorismus weltweit verantwortlich.

Vier Tote nach Explosion in Kabul

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Insgesamt verzeichneten 98 Länder der Welt einen Rückgang der Zahl der Terror-Todesfälle. Dies ist die größte jährliche Verbesserung seit 2004. Andererseits verzeichneten 40 Länder eine teils deutliche Verschlechterung.

Frauen an die Front?

Auffällig ist auch, dass die Beteiligung von Frauen an terroristischen Akten deutlich zugenommen hat – wobei Terroristinnen insgesamt nach wie vor nur einen kleinen Teil aller Anschläge verüben.

Dennoch stieg die Zahl der Selbstmordattentäterinnen zwischen 2013 und 2018 um 450 Prozent. Dagegen sank die Zahl der männlichen Selbstmordattentäter im gleichen Zeitraum um 47 Prozent.

Der Großteil dieses Anstiegs ist auf die in Afrika tätige Terrororganisation Boko Haram zurückzuführen: Fast 80 Prozent aller Selbstmordattentäterinnen der vergangenen fünf Jahre gehörten der Gruppe an.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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