2033: Mit der Bahn von Peking nach Wien

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Schon lange wird die Idee gewälzt, mit einem Zug von Peking über Moskau bis in die österreichische Hauptstadt fahren zu können. Die transsibirische Eisenbahn könnte in 15 Jahren vor den Toren Wiens enden.

Bedingt durch Chinas Ambitionen, die Seidenstraße bis nach Mitteleuropa zu verlängern, um so vor allem Gütertransporte nicht über den gut 20.000 Kilometer langen See- sondern über den nur 11.000 Kilometer langen und daher zeitsparenden Landweg abzuwickeln, wird nach Lösungen gesucht. Dafür bietet sich auch die Bahn an. Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer will nun die Weichen für die Realisierung dieses Vorhabens stellen.

Das Problem dabei ist, dass in Nordasien und Osteuropa die Schienenwege 1520 Millimeter, in Europa aber nur 1435 Millimeter breit sind. Man spricht daher von Breit- und Normalspur. An der Ost-Grenze von Polen und der Slowakei müssen Züge daher umgespurt werden. Ein zeitaufwändiges Verfahren, das auch nach einem entsprechenden Wagenmaterial verlangt.

Schon seit längerem werden Studien verfasst, gibt es Resolutionen und Vorverträge um dieses Problem anzupacken. Konkret, weil dabei die kürzeste Distanz zu überwinden ist, soll die derzeit im slowakischen Kosice endende russische Breitspur über Bratislava bis in die Nähe von Wien verlängert werden. Hier, wo der Anschluss an das europäische Hochleistungsverkehrsnetz und auch an die Donau-Main-Rhein-Flusstransversale besteht, soll ein großer Umschlagsterminal errichtet werden. Die neu zu errichtende Streckenlänge beläuft sich auf etwa 450 Kilometer, der Kostenrahmen wird auf derzeit sechs bis sieben Milliarden Euro geschätzt.

Als Zusatzeffekt würde man eine neue Touristenattraktion schaffen. Neben dem Güterverkehr wäre es dann auch möglich, mit der Transsibirischen Eisenbahn nicht nur von Peking bis Moskau, sondern noch weiter bis nach Wien zu reisen.

Öffentlicher Nahverkehr kostenlos

Die Bundesregierung schlägt kostenlosen Nahverkehr vor um die Feinstaubbelastung in die Griff zu bekommen und Fahrverbote zu vermeiden – zur Freude der Umweltschützer und zum Ärger einiger Kommunen.

Das Projekt findet in Wirtschafts- und Industriekreisen durchaus viele Befürworter. Statt vier bis sechs Wochen könnten so Güter von Europa nach Asien in 14 Tagen transportiert werden. Gleichzeitig sind viele besorgt, dass damit die europäische Wirtschaft noch stärker unter den Druck der chinesischen Konkurrenz geraten könnte. Eine Sorge, die dazu führt, dass schon derzeit das Vorhaben der Vitalisierung der alten Seidenstraße mit einiger Skepsis beobachtet wird.

Der Vorstoß Hofers wird daher auch als ein übereilter Profilierungsversuch kommentiert. Werden doch mittlerweile Güterzüge aus China nach Deutschland, Österreich und sogar Großbritannien ohne Probleme geführt. Gibt es doch für das Umspuren der Waggons auch bereits eine praktikable Lösung, die den Neubau einer Strecke von Kosice bis vor Wien nicht nötig macht.

Für Hofer, der mit neuen Vorhaben politische Signale setzen und auch die Österreichischen Bundesbahnen im internationalen Verkehrswettbewerb eine Rolle spielen lassen will, stellt die Breitspurbahn-Verlängerung eine „historische Chance“ dar. Gemeinsam mit dem russischen Transportminister Maxim Sokolov hat er daher in Wien eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der das Projekt auf den Weg gebracht werden soll.

Nach Abschluss aller Genehmigungsverfahren sowie der nötigen Bauzeit – die Slowakei ist mit an Bord – sollte es möglich sein, dass der erste Direkt-Zug aus Peking 2033 vor den Toren Wiens ankommt. Offen ist freilich noch die Finanzierung. Da hoffen beide Seiten auf die EU, den IWF und vielleicht sogar private Investoren.

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